Die gebürtige Mindenerin Heike Nickel reist monatelang durch Kanada – mit dem Fahrrad
VON STEFANIE DULLWEBER
Minden (mt). Ursprünglich wollte sie zum Nordkap fahren, doch dann erinnerte sich Heike Nickel an die Einladung ihrer Tante aus Kanada. Und so stürzte sich die gebürtige Mindenerin ins Abenteuer und reiste vier Monate durch das Land – mit dem Fahrrad.
"Ich hatte wenig Lust auf Kulturelles und wollte hauptsächlich Natur erleben", berichtet die reiselustige Radlerin, die kürzlich in ihre aktuelle Heimat Karlsruhe zurückgekehrt ist. Da Kanada nicht ihre erste Tour war, wusste Heike Nickel, was bei ihrer Ausrüstung auf keinen Fall fehlen darf. Interessant ist vor allem die doppelte Funktion der Warnweste, "um auf der Straße besser gesehen zu werden und um beim Pinkeln im Wald während der Jagdsaison nicht erschossen zu werden".
Von Victoria bis nach St. John’s führte die 8000 Kilometer lange Reise mit einem ganz normalen Trekkingrad. Anfangs habe sie noch versucht, die Route zu planen, berichtet Heike Nickel, dann habe sie jedoch die Länge der Tages-Etappen von ihrer Stimmung abhängig gemacht. Nur Start und Ziel hätten von Anfang an festgestanden. "Oft hat der Wind auch eine große Rolle gespielt. An manchen Tagen bin ich gar nicht gefahren und wenn der Wind gut stand sogar bis zu 150 Kilometer."
Auf einer Farm gesundgepflegt
Von schneebedeckten Bergen, Prärien, Wäldern und Seen bis hin zur rauen Atlantikküste biete Kanada landschaftlich einfach alles, hat Heike Nickel festgestellt. Gewöhnungsbedürftig seien nur die Entfernungen gewesen. "In Neufundland musste ich teilweise für drei bis vier Tage einkaufen, wenn ich nicht jeden Tag Bacon und Eggs essen oder von Chips aus der Tankstelle leben wollte."
Die Kanadier hat die Deutsche als sehr offen und vor allem hilsbereit erlebt. "Einmal hat es mich total erwischt, ich war richtig krank und eine Frau hat mich auf ihrer Farm eine Woche lang gesund gepflegt", berichtet Heike Nickel von einer sehr eindrucksvollen Begegnung.
Eindrucksvoll aber auch ziemlich gefährlich war die Begegnung, die Heike Nickel mit einem Schwarzbären hatte. "Ich habe den Bären plötzlich entdeckt. Er stand nur etwa 30 Meter von meinem Zelt entfernt. Ich habe die Arme gehoben und ihn angebrüllt, er solle verschwinden. Außerdem habe ich laut gesungen, aber am lautesten hat wohl mein Herz geklopft. Trotzdem habe ich es geschafft, den Bären zu vertreiben. Tage später hatte ich immer noch Angst", berichtet die Urlauberin, die ihre Nächte meist campenderweise im Zelt verbracht hat. In Bärengebieten sei es lebensnotwendig gewesen, Lebensmittel, Waschzeug, Sonnencreme und Kochgeschirr mindestens 50 Meter vom Zelt entfernt zu bunkern.
In der Rückschau auf ihre abenteuerliche Reise kann sich Heike Nickel eine Wiederholung vorstellen. "Ich hab längst noch nicht alles gesehen." Dafür hofft sie, umso mehr von den Kanadiern gelernt zu haben. "Deren Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft haben mich tief beeindruckt."
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