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10.12.2011
Im Eiltempo die Zeit vergessen
Mit dem Hundeschlitten durch das wildromantische, winterliche Lappland
VON TANJA WATERMANN

Wild springt das pelzige Fellknäuel namens "Orisha" schon angebunden vor dem Schlitten hin und her. Zusammen mit ihren vier Hundefreunden kann sie es kaum erwarten, eine Frau von immerhin 1,80 m Größe, für eine Tagestour von 40 bis 50 Kilometern durch die verschneite Landschaft Schwedisch Lapplands zu ziehen.

Abseits der gespurten Trails versinkt man schnell im Schnee.

Die Hunde springen auf der Stelle, kläffen vor Freude, zerren an den Leinen und wollen laufen. Sofort laufen. Denn Laufen ist ihr Leben. Mein Herz klopft wie verrückt bei dem ohrenbetäubenden Gebell von insgesamt 50 Hunden im Wildact-Camp, von denen 16 vor die drei Schlitten gespannt sind. Schnell gehe ich noch mal im Kopf die Anweisungen des Mushers (Hundeschlittenführers) durch. In klobigen, aber sehr warmen Canadian Boots stehe ich mit beiden Füßen auf der Bremse und halte mich am Schlitten fest, denn gleich geht es los. Ich habe großen Respekt vor diesen fünf Kraftpaketen, die schier unbändig umherspringen und nur noch loswollen. Schließlich soll ich die wilde Meute gleich selbst leiten und lenken und unter Kontrolle halten.
Eine Elchsafari macht bei strahlendem Sonnenschein auf dem Schneescooter viel Spaß.


Mit dem Schlitten durch das wahre "Winter Wonderland".

Der Musher ist mit dem ersten Gespann vorweggefahren, dann der zweite Gast mit dem nächsten Gespann. Und schon bin ich dran: Der Doghandler im Camp buddelt meine Schneeanker aus, die den großen, grünen Schlitten noch an der Stelle halten und gibt mir das Zeichen zum Losfahren. "Fertig OKAY" - sage ich noch etwas zaghaft zu den Hunden, löse die Bremse und dann ziehen sie mit viel Muskelkraft und großem Eifer mit einem energischen Ruck an und hetzen den anderen Hunden hinterher. Ich fliege mit meinem Team geradezu über den Trail, und als ich mich vom ersten Schreck erholt habe, bremse ich mein Team mit den Leithunden "Janosch" und "Koyuk" leicht aus.
Schon nach wenigen Minuten fühle ich mich immer wohler und entspanne, während sich die Hunde nun auch auf ein gemeinsames Tempo eingespielt haben und den Schlitten ruhig und gleichmäßig ziehen. Erst jetzt wird mir die unglaubliche Ruhe bewusst, die mich umgibt. Bei strahlendem Sonnenschein und nur etwa - 15C (nachts ist es mit bis zu - 28C deutlich kälter), erlebe ich erstmals die Weite Lapplands von der ich vorher schon so viel gelesen habe.

Hunde müssen sich abkühlen

Unsere Tagestour führt uns über einige der circa 4000 Seen in der Nähe von Arvidsjaur und wir überqueren riesige unberührte Schneefelder. Das einzige Geräusch, das man hört, ist das rhythmische Getrappel der Hundepfoten und das Gleiten der Kufen über den Schnee. Man versucht diese schier unendliche Weite zu begreifen und merkt, dass die Gedanken einfach ihren eigenen Weg gehen und man - trotz der körperlichen Anstrengung - völlig entspannt die unberührte Natur genießt.In dem grellen Weiß mit den glitzernden Schneekristallen verliert man jegliches Zeitgefühl, so dass wir überrascht sind, als uns unser Musher Patrick am Rande eines großen Sees plötzlich Handzeichen zur Pause gibt. Zunächst werden immer die Hunde versorgt. Wir sichern unsere Schlitten mit Schneeankern und binden sie zusätzlich an einem Baum fest. Dann ziehen wir den Hunden ihre "Booties", die speziellen Hundesocken aus, die die Pfoten auf der Tour vor harschem Schnee und Verletzungen schützen sollen. Die Hunde rollen sich im Schnee, um sich von der Anstrengung abzukühlen - etwas das man sich für den abendlichen Gang in die Sauna schnell abschaut. Sie genießen es jetzt ausgiebig gekrault zu werden und schmiegen sich eng an mich und können gar nicht genug Streicheleinheiten bekommen.

Nach einem kleinen Snack für die Hunde öffnen wir die Schlitten und tragen alle darin verborgenen Schätze zur am Ufer gelegenen Schutzhütte. Vor der Hütte haben Gäste vor uns bereits "Schneebänke" gebaut, auf die wir die mitgebrachten Rentierfelle legen und somit einen wunderschönen sonnigen Pausenplatz haben. Von dem mitgebrachten Holz wird schnell ein Feuer gemacht und dann wird das Mittagessen zubereitet: Die heiße Butter tanzt schon in der Pfanne, so dass wir die mitgebrachten Köstlichkeiten nur noch braten müssen. Dünn geschnittenes Rentierfleisch wird mit Gemüse und Creme fraiche zu Geschnetzeltem verarbeitet. Dazu rösten wir das berühmte Polarbröd - eine schwedische Spezialität. Ein weiterer Schatz in unserem Schlitten - ein alter gusseiserner Wasserkessel - zaubert mit Wasser aus dem See brühfrischen Kaffee.

Am Abend geht ein weiterer Traum in Erfüllung - am Himmel tanzt stundenlang das Nordlicht. Ein sehr emotionaler Moment, den das Auge sieht, aber der Verstand doch nicht begreifen kann.

Seit vier Jahren war diese Reise nach Lappland bereits mein Traum, ich wollte unbedingt einmal selbst ein Hundegespann lenken und die Weite Lapplands auf diese traditionelle Weise kennenlernen. Die Schweizer Jürg Eugster und Simone Mendelin von Wildact Adventure (www.wildact.ch) haben auf ihrer kleinen aber feinen Hundefarm alle Voraussetzungen geschaffen, um die Urlauber hundertprozentig von Lappland zu überzeugen.

Leider geht auch der schönste Urlaub einmal zu Ende. Oft höre ich noch das Hundegebell und sehne mich in die wunderschöne unberührte Natur zurück. Aber der nächste Winter kommt bestimmt

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 09.12.2011 um 21:15:47 Uhr

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