Höchstes Kirchlein Deutschlands trotzt Wind und Wetter
VON PAUL WINTERER
Garmisch-Partenkirchen (dpa). Sie hat manch schweren Sturm überstanden. Auch tagelanger Schneefall kann ihr nichts anhaben und bei gleißendem Sonnenlicht ist sie besonders schön anzuschauen – Deutschlands höchstgelegene Kirche trotzt seit 30 Jahren Wind und Wetter.
Mit einem Festgottesdienst wurde jetzt das 30-jährige Bestehen der Kapelle "Maria Heimsuchung" unterhalb der 2962 Meter hohen Zugspitze gefeiert.
Kein Geringerer als der heutige Papst Benedikt XVI. weihte das Gotteshaus auf dem Zugspitzplatt am 11. Oktober 1981. Damals war Joseph Ratzinger Erzbischof von München und Freising. Bei gutem Wetter finden seitdem an jedem Sonntag zwischen Juni und Oktober ein katholischer und dienstags ein evangelischer Gottesdienst statt. Ökumene scheint also in luftiger Höhe leichter zu funktionieren als weiter unten.
Kraft und Lebensfreude sammeln
Der Bau des Kirchleins wurde erst durch eine Stiftung von Fritz Kittsteiner und seiner Frau möglich. Der einheimische Unternehmer wollte nach einer überstandenen schweren Krankheit Gutes tun. Eine Marienkapelle zu Ehren der "Patrona Bavariae", der Schutzherrin Bayerns, sollte es werden. Am 13. Juli 1980 – ein eisiger Schneesturm fegte über das Zugspitzplatt hinweg – war die Grundsteinlegung. "Jedermann soll sich hier oben Kraft und neue Lebensfreude holen können", sagte Kittsteiner damals.
Die Idee einer Kapelle auf Deutschlands höchstem Berg war zu dem Zeitpunkt freilich schon ein halbes Jahrhundert alt. Bereits bei der Einweihungsfeier der Zugspitzbahn hieß es, man brauche für regelmäßige Gottesdienste in Gipfelnähe ein kleines Gotteshaus. Als es 50 Jahre später endlich so weit war, wurden mehrere Entwürfe für die Kapelle verworfen, bis schließlich ein elf mal acht Meter großes Halbrund entstand, ummauert mit Bruchsteinen von der Zugspitze.
250 Hubschrauberflüge waren notwendig
Für den Bau in 2700 Metern Höhe mussten 100 Kubikmeter Fels gesprengt werden, wie aus einem Büchlein über die Entstehung der Kapelle hervorgeht. 250 Hubschrauberflüge waren notwendig, um 150 000 Kilo Material vom Schneefernerhaus zur Baustelle zu bringen. Der Mittenwalder Bildhauer und Maler Sebastian Pfeffer besorgte die Innenausstattung der Kapelle mit einem Flügelalter, der Szenen aus dem Leben Mariens darstellt.
Bei der Weihe predigte der damalige Kardinal Ratzinger: "Ich denke, diese Kapelle könnte helfen, hier wirklich Höhe zu finden, Sammlung, Abstand, Freiheit, Begegnung mit dem Schöpfer, Fähigkeit zum Stillewerden vor ihm, zur Besinnung und so zu neuer Einkehr im Gebet."
Der langjährige Münchner Weihbischof Franz Dietl nennt es 30 Jahre später "eine wunderbare Tradition, dass wir auf den Gipfeln der Berge Kreuze haben und manchmal auch eine Kapelle oder Kirche". Dahinter stehe der Gedanke, "dass wir auf den Bergen dem Himmel ein gutes Stück näher sind". Dietl ist es auch, der den Jubiläumsgottesdienst zelebriert hat.
Selbst die Bayerische Zugspitzbahn weiß, was sie an dem Kirchlein hat. Die Seilbahnbetreiber gratulieren: "Vor der atemberaubenden Kulisse mit Blick auf Deutschland sowie die Alpenländer Italien, Österreich und Schweiz stellt das kleine Gotteshaus einen Ort der Ruhe und Besinnung für alle Wintersportfreunde, Wanderer, Sonnenanbeter und auch Panoramafans dar".
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