In Dresden ist ein modernes und kritisches Museum zur deutschen Militärgeschichte entstanden
VON KATHARINA RÖGNER
Das Symbol trägt ein ganzes Museum. Wuchtig hat er eingeschlagen, der Keil von Daniel Libeskind aus Stahl und Beton. Wie der Krieg in einem Land, wie der Stachel im Fleisch. Doch die Kraft der Architektur im neuen Bundeswehr-Museum in Dresden soll aufrütteln, nicht zerstören. "Denkräume" wollen die Ausstellungsmacher bieten, die Rolle von Krieg und Militär hinterfragen.
Nach siebenjährigem Umbau und umfangreicher Sanierung wurde das Militärhistorische Museum in Dresden am Freitag eröffnet. Im früheren DDR-Armeemuseum werden künftig rund 10 500 Exponate gezeigt. Ein großer Teil kommt aus dem eigenen Depot mit insgesamt 1,5 Millionen Objekten. Mit 19 000 Quadratmetern Fläche ist das Museum eines der größten seiner Art in Europa.
Umspannt werden rund 800 Jahre Militärgeschichte. Angefangen vom Mittelalter über die beiden Weltkriege, die Zeit des Kalten Krieges bis in die Gegenwart – die Ausstellungsmacher haben sich den Themen kritisch genähert, zeigen Widersprüche auf. "Wir erzählen die Kulturgeschichte der Gewalt", sagt der wissenschaftliche Leiter Gorch Pieken. Alte Seh-Gewohnheiten würden durchbrochen, einseitige Darstellungen hinterfragt. Dafür habe Libeskind den Raum öffnen müssen, beschreibt der Europa-Repräsentant des US-amerikanischen Architekten Jochen Klein das Konzept. Organische Gewalt könne nicht "in ordentlichen viereckigen Räumen" abgebildet werden. Die "strenge Vergangenheit" der neoklassizistischen Fassade habe eine "demokratische Antwort" erhalten.
Die Kosten rund 62,5 Millionen Euro. Mit dem integrierten Neubau von Liebeskind seien es genau genommen zwei Museen, und der Besucher müsse sich wegen der Fülle der Exponate für eines entscheiden oder viel Zeit mitbringen, sagt Pieken. Bewusst wurde im Eingangsbereich auf militärisches Großfahrzeug verzichtet. Der Dauerausstellung wird dagegen eine Video-Kunstinstallation vorangestellt, die auf den Worten "love" (Liebe) und "hate" (Hass) basiert. Danach teilt sich das Museum in die chronologische Erzählung und den sogenannten Themenparcours, der zwölf Bezüge zwischen Krieg und Gesellschaft aufgreift.
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"08/15" nicht nur eine Redewendung
Den äußeren Rahmen für den thematischen und auch sinnlichen Bereich bietet der vieretagige Libeskind-Keil, schräg und mit vielen Durchbrüchen. Die Keilspitze mit Aussichtsplattform zeigt auf das Panorama von Dresden, auf die 1945 zerstörte Altstadt. Erinnert wird auch an den Bezug von Sprache und Militär. "In Schuss halten", "auf Tuchfühlung gehen" oder der "Gassenhauer" – viele übliche Wörter sind militärische Begriffe. Und wer weiß schon, dass "08/15" eben nicht nur eine Redewendung ist, sondern die Typenbezeichnung eines Gewehrs im Ersten Weltkrieg?
Krieg im Alltag – auch in den Kinderzimmern hat das Militär längst Einzug gehalten. Neben Zinnsoldaten und Jagdflugzeugen erinnert eine Puppenstube aus dem Jahr 1944 daran. Ein Mädchen hatte sie kriegstauglich gemacht, Fenster mit schwarzer Farbe verdunkelt, Gasbettchen für ihre Puppenkinder aufgebaut und einen Schutzraum in den Garten gestellt.
Wohl erstmals in der deutschen Museumslandschaft versuchen Ausstellungsmacher, Militärgeschichte aus einem kritischen Blickwinkel zu erzählen. Und ganz dem Konzept von Libeskind folgend schlagen auch sie einen Keil in die Geschichte des Museums.
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