VW gelingt mit dem neuen Jetta ein großer Wurf / Agil, praktisch und bestens verarbeitet
VON THOMAS TRAUE
Minden (mt). Als Golf mit dem seltsamen Bürzel wurde der VW Jetta hierzulande immer belächelt und kaum beachtet - übrigens ganz im Gegensatz zu anderen Märkten. In China etwa geht der Rucksack-Golf weg wie geschnitten Brot. Und in den USA zählt der Jetta zur meistverkauften europäischen Limousine.
Nach unseren Fahreindrücken mit dem neuen Jetta ist es nun an der Zeit, dass das Stufenheckauto auch auf heimischem Terrain die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält. Denn mit der optisch wie technisch gelungenen Neuauflage hat Volkswagen einen Volltreffer gelandet. Die ersten Zahlen jedenfalls lassen die Wolfsburger strahlen. Der neue Jetta verkauft sich blendend. Bereits kurz nach der Markteinführung verbuchte VW für das zweite Quartal ein Absatzplus von 76 Prozent weltweit und von fast 60 Prozent in Deutschland.
Das kommt nicht von ungefähr. So steckt weiterhin viel Golf im soliden Jetta. Dabei offeriert die Stufenheck-Variante im Fond deutlich mehr Platz als der aktuelle Golf. Fahrwerk, Getriebe, Motoren: Alles ist auf dem gewohnt hohen VW-Konzernniveau. An der Verarbeitungsqualität gibts nichts zu kritteln. Selbst den Mindener Kopfstein-Härtetest absolviert der Wagen ohne ein Klappern. Wie beim Golf ist die Geräuschdämmung vom Feinsten. Zudem bewegt sich die 4,64 Meter lange Limousine, die den kompakten Bruder um knapp einen halben Meter überragt, beim Stauvermögen (510 bis 835 Liter) fast auf Augenhöhe mit dem Passat. Toll: Die Rückbank-Lehnen lassen sich mit einem Knopfdruck an der oberen Kofferraumkante geteilt umklappen.
Der neue Jetta, der bei vergleichbarer Konfiguration gut 4000 Euro günstiger als der Passat ist, strahlt eine nüchterne, schlichte Eleganz aus und ist ein prima Vernunftauto. Mehr noch: Er sorgt auch für sportives Vergnügen. Die Karosserie ist straff und knackig abgestimmt. Der äußerst handliche und quirlige Wagen wedelt mit einem Hauch von GTI-Feeling flink um die Ecken. Die direkte Lenkung vermittelt besten Kontakt zum Asphalt. Das Fahrwerk meistert grobe Unebenheiten ohne Murren, einzig kurze Schläge mag der Jetta nicht.
Unser Testwagen war mit dem durchzugsstarken 2,0-Liter- TDI bestückt. Im Zusammenspiel mit dem butterweichen DSG-Getriebe begnügte sich das sparsame Triebwerk mit 6,2 Liter - ein löblicher Wert. Bei feinfühliger Fahrweise sind sicherlich unter sechs Litern möglich. Wer nach einem Benziner Ausschau hält, dem sei der 1,2-Liter-TSI mit Blue Motion-Technik ans Herz gelegt.
Fazit: Der neue Jetta ist ein komfortabler, praktischer Geselle ohne Schwächen. "Ein richtig gutes Auto. Das hätte ich nicht vermutet", kommentierte denn auch ein BMW-affiner Kollege nach einer Fahrt.
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