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03.01.2012
Handfester Krach beim Familienfest
Anne Berests kleine Geschichte hat großen Erfolg / Welche Schwester ist das Kuckuckskind?
VON MICHAEL RÖSENER

Es ist eine kleine Geschichte, mit der Anne Berest in Frankreich einen großen Publikumserfolg landete. Eigentlich als Regisseurin vom Theater kommend, gelang es ihr mit ihrem Debütroman die Kritik zu begeistern und für den angesehenen Prix Goncourt nominiert zu werden.

Großer Publikumserfolg. | Foto: Verlag

Ausgangspunkt ist ein Eklat beim Familienfest. Zum Geburtstag der ältesten Schwester Irène kommen die drei erwachsenen Schwestern, die im Zentrum des Geschehens stehen, zurück ins Haus ihrer Kindheit, wo der Vater seit dem Tod der Mutter mit der neuen Lebensgefährtin Catherine wohnt.

Die hat sich bei den Schwestern gar nicht beliebt gemacht, u. a. durch die Umgestaltung von Haus und Garten, mehr jedoch dadurch, dass sie den Platz der verstorbenen Mutter eingenommen hat.

Mit Spott, Häme und unterschwelligen Gemeinheiten wird sie durch die Schwesternbande abgestraft und vorgeführt. Doch an besagtem Familienfest platzt es aus der gedemütigten Catherine heraus: Eine der Schwestern ist nicht die wirkliche Tochter ihres Vaters. Als Kuckuckskind entstammt sie einem Seitensprung der verstorbenen Mutter.

Das sitzt! Und schon ist die mühsam aufrecht gehaltene Familienidylle dahin.

Was folgt, ist eine Suche nach Herkunft und Identität. Keine der Schwestern weiß, ob sie es ist, die einen unbekannten Vater hat. So brechen unterschwellige Konflikte auf und es kommt zu einer ganzen Reihe familiärer Katastrophen sowie handfester Auseinandersetzungen.

Die Schwestern, obwohl mit ihren Gefühlen eigentlich isoliert, bauen eine Zweckgemeinschaft gegen den eigenen Vater auf, von dem sie sich hintergangen fühlen.

Am Ende glauben alle drei Schwestern, das Geheimnis gelüftet zu haben, doch es obliegt nur einer von ihnen, die überraschende Wahrheit zu erfahren.

Die Geschichte ist mit bösartigem Witz und Einfühlungsvermögen geschrieben. Doch bleibt sie gleichzeitig in ihrem Handlungskern bisweilen starr und einfallslos. Der Grundkonflikt ist nicht wirklich deutlich hervorgehoben und die Charaktere sind, wenn man von der namenlosen Erzählerin absieht, zu eindimensional und insgesamt schwach gezeichnet.

Scheinbar richtungslos bewegt sich die Story in einem wilden Hin und Her zwischen diversen Familienfesten und Beerdigungen, ohne dabei auf ein klares Ziel zu stoßen. Dass der Leser am Ende in die Auflösung dieser familiären Spurensuche eingeweiht wird, bleibt nur ein magerer Trost.

Anne Berest, Traurig bin ich schon lange nicht mehr, Albrecht Knaus Verlag, 16.99 Euro

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 03.01.2012 um 01:16:45 Uhr

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