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20.10.2010
Verwirrung wegen komplizierter Sprachregeln
Praktischer Ratgeber hilft bei Praktikum oder Studium in China / Mehrere Fallbeispiele
VON MICHAEL RÖSENER

Das Reich der Mitte ist in den vergangenen Jahrzehnten für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger geworden.

Auf die richtigen Wörter kommt es an. | Foto: Verlag

Viele Studenten und Auszubildende wollen daher in China ein Praktikum machen oder studieren. Gleichzeitig ist China ein Land, das mit extremer Fremdheit zur abendländischen Kultur verbunden wird, wodurch ein geplanter Auslandsaufenthalt oft als risikobehaftetes Wagnis empfunden wird. Ein neu erschienener Ratgeber soll hier Abhilfe schaffen.

Doris Weidemann und Jinfu Tan machen keinen Hehl daraus, dass es nicht immer einfach ist, sich in einer Kultur mit anderen Werten, anderen Verhaltensmustern und anderer Sprache zurechtzufinden.

So kann es Ausländern passieren, dass sie im Umgang mit Chinesen Situationen nicht richtig einschätzen, Gesagtes missinterpretieren oder ihren Gegenüber beleidigen, ohne es zu beabsichtigen. Tatsächlich sehen die beiden Autoren die Sprache als einen der entscheidenden Schlüssel zum Verständnis der chinesischen Kultur. In high-context-Kulturen, so der Fachausdruck, kommt es nicht immer nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch darauf, wie es gesagt wird und darauf, was eben nicht gesagt wird. So kann es einer deutschen Praktikantin schon mal passieren, dass sie dringend benötigte Informationen von einer chinesischen Kollegin trotz mehrfachen Nachfragens nicht erhält, obwohl diese die Übermittlung scheinbar zugesagt hat.

Missverständnisse in Fallbeispielen

Das Missverständnis mag darin begründet gewesen sein, dass die deutsche Praktikantin zwar verbale Zusagen bekommen hat, die chinesische Angestellte aber durch indirekte Kommunikationsmittel (z.B. durch Vertrösten auf einen späteren Zeitpunkt) ihre ablehnende Haltung deutlich gemacht zu haben glaubt.

Anhand diverser Fallbeispiele werden so verschiedene Situationen aus den Bereichen Studium, Wohnen, Berufsleben, Liebe und Alltag durchgespielt. Mit grundlegenden Informationen zu Bewerbungsverfahren, der Wohnungssuche und Möglichkeiten des Spracherwerbs bietet der Band jungen China-Interessierten erste Anhaltspunkte, um sich jenseits von Menschenmassen, Verkehrsströmen und Hochhäusern, vor allem im menschlichen Miteinander zurechtzufinden.

Angehängt sind allgemeine wissenschaftliche Erkenntnisse der interkulturellen Forschung sowie ein hilfreicher Teil mit weiterführender Fachliteratur und Internetadressen. Es ist ein Buch, das neugierig macht und das als Einstieg in die Thematik dient. Dass die Komplexität Chinas hier auf grobe Grundzüge reduziert wird, dürfte Einsteigern entgegen kommen.

Doch wird schnell klar, dass die Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt nicht mit diesem Buch abgeschlossen ist, sondern weitere Lektüre zur Vertiefung erfordert.

Doris Weidemann/Jinfu Tan, Fit für Studium und Praktikum in China. Ein interkulturelles Trainingsprogramm, Transcript-Verlag, 17.80 Euro

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 19.10.2010 um 21:15:06 Uhr

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