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08.03.2010
Von Richthofen in neuerem Licht
Manfred Castans biografische Studie über den legendären Jagdflieger / Umfangreiche Bibliografie
VON MARTIN STEFFEN

Die Comic-Figur Snoopy ("Peanuts") träumte einst vom "Roten Baron".

Legende: Manfred von Richthofen. | Foto: Verlag

In der Berichterstattung zur aktuellen Kontroverse um den Luftschlag von Kunduz im September 2009 taucht auf, dass sich ein Beteiligter im Funkverkehr durch den Codenamen Red Baron 21 identifiziert.

Ungeachtet der Bandbreite zeigen beide Beispiele die Langlebigkeit des Mythos vom Jagdflieger in seiner rot gestrichenen Maschine: Manfred Freiherr von Richthofen (1892-1918), faszinierte bereits die Zeitgenossen und die unmittelbare Nachwelt und wurde zu einer populären Ikone, die auf Postkarten ebenso Verbreitung fand wie in der Erinnerungsliteratur.

Der Dokumentarfilmer Joachim Castan hat Richthofen eine reich bebilderte Biografie gewidmet. Der Nimbus der kühnen, auf sich gestellten Einzelkämpfer hob die Jagdflieger aller Kriegsparteien ab vom anonymen Massensterben in den Schützengräben und machte sie zu einem populären Gegenstand für Berichterstattung und Propaganda. Dass die Briten den abgeschossen Richthofen mitten im Krieg mit militärischen Ehren bestatteten (Kranzinschrift: "Dem tapferen und würdigen Feind") schien sportlich, ritterlich und abseits der sonst auf allen Seiten im Ersten Weltkrieg um sich greifenden nationalistischen Verhetzungen. Stoff also für Legenden um einen gerade 25 Jahre alten Mann. Joachim Castan verspricht "Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen".

Das klingt etwas reißerisch - gemeint ist wohl letztlich, dass der Autor ausführlich den persönlichen und familiären Werdegang des Fliegers nachzeichnet: Kadettenausbildung, erste Kriegseinsätze als Ulan, der Wechsel zur Fliegerei und das Hineinwachsen in die angestrebte Rolle des Jagdfliegers bis hin zum Aufstieg des Rittmeisters zum Geschwaderkommandeur beschreibt Castan lebhaft und anschaulich, aber auch mit der gebotenen Distanz und Reflexion, wenn er unstimmige Versionen der Überlieferungen auf allen Seiten prüft oder eigenen Deutungen Raum gibt.

Dabei muss man Castans psychologischen Deutungen nicht in jedem Punkt folgen. Zum Teil unveröffentlichtes Bildmaterial illustriert Richtofens Leben, seine Einsätze, seinen Tod und die Wahrnehmung in der Nachwelt. Castan schildert den Richthofen-Kult nach 1918, der bereits in der Weimarer Republik zelebriert wird und seinen Höhepunkt in der Nazi-Zeit erreicht (insbesondere durch den Luftwaffenchef Hermann Göring, Richthofens Nachfolger an der Spitze des Geschwaders 1918).

Castan zeichnet auch die Popularisierung Richthofens in Spielfilmen - hier schildert Castan, nicht ohne Ironie, die Ungenauigkeiten und Verzerrungen, die entstehen können, wenn eine Biografie spielfilmkompatibel gemacht wird.

Ein weiterer Pluspunkt des Buches besteht in der umfangreichen Bibliografie von Quellen und Sekundärliteratur von 1916 bis heute.

Joachim Castan, Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta Verlag, 24.90 Euro

Joachim Castan, Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta Verlag, 24.90 Euro

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2010
Dokument erstellt am 07.03.2010 um 21:55:04 Uhr

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