Dietmar Daths "Sie schläft": Märchenhafter "Filmroman" über die Generation Upload
Die Vorhaben und Probleme der Angestellten, die sich um die beiden Freunde Ramji Iwein und Georg Langowski gruppieren, erscheinen jedoch ganz real.
Der Plan, die museumseigene Homepage zu einer revolutionären Onlineplattform für Künstler auszubauen, steht von Anfang an unter keinem guten Stern, da ausgerechnet die Zielgruppe des Projektes: Regisseure, Drehbuchautoren, Schauspieler, sich kaum für die Idee zu interessieren scheinen.
Stattdessen müssen sich die Protagonisten mit den bürokratischen Akteuren der Kulturförderung, einer marktwirtschaftlich draufloswurschtelnden PR-Agentur und einem versnobten Museumsleiter herumschlagen.
Den Widrigkeiten zum Trotz versucht der Ich-Erzähler Ramji über den exzentrischen Regisseur Ronni Förster einen verschollenen Film des amerikanischen Experimentalfilmers Stan Brakhage aufzutreiben, durch dessen Veröffentlichung auf der Museumshomepage man sich den Durchbruch des Projektes erhofft. Letztendlich scheitert das Projekt jedoch an den Abhängigkeiten von der Gönnerhaftigkeit seiner Umgebung, und verwandelt sich immer mehr in einen veritablen Albtraum.
Dietmar Dath liefert mit diesem "Filmroman" eine bissige Satire über den deutschen Kulturbetrieb und lässt dabei zahlreiche Reflexionen über das Medium Film und das Filmemachen einfließen.
Der lange Dialog Ramjis mit der Regisseurin Sinja über deren kreatives Interesse am Film ist einer dieser spannenden Abschnitte.
Genauso die herrliche Beschreibung eines Kinoerlebnisses, bei dem Ramji seine Begleiterin Irene beim Anschauen des Films beobachtet und ihm klar wird, wie sehr sich die Zustände des Filmguckens und des Traums ähneln, sodass es nur konsequent vom Autor ist, an dieser Stelle ein langes Zitat aus dem Märchen Dornröschen geschickt einzuweben.
Überhaupt zieht sich die inhaltliche Verbindung von Film, Schlaf und Traum als Leitmotiv durch den gesamten Roman, wodurch sich dem Leser neben der vordergründigen Story, einer mit wunderschönen Bildern ausgeschmückten Liebesgeschichte und dem fantastischen Rahmen auch ein filmtheoretischer Hintergrund eröffnet.
"Schnitte, Overdubbing, Rückblenden: Wo erlebt man denn so was, " fragt Georg Langowski, der eine Arbeit über die Verbindung von Film und Traum schreibt, "im Wachzustand?" Die Vermischung von Realem mit Fiktivem, die Vielfalt von Verweisen und das permanente Durchbrechen von Bedeutungsebenen geben dem Roman die spielerische, angenehm chaotische Note, mit der das Lesen zum turbulenten Erlebnis wird.
Auf die Spitze getrieben wird das hin und her zwischen den Ebenen, wenn in der zweiten Hälfte der Autor selbst als arrogant schnöseliger Vertreter eines reichen Mäzens an der Seite seiner Hauptfigur und in Begleitung drei junger Girlies durch das Museum stolziert.
Dieser Roman, für Filmfans unzweifelhaftes Pflichtprogramm, besticht durch den immensen Ideenreichtum des Autors, sprachliche Gestaltungskraft, eine Fülle von detailliert ausformulierten Szenen und wunderbare Dialoge. Eine Lektüre, die Spaß macht.
Dietmar Dath,: Sie schläft. Edition Phantasia, 20 Euro
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