MT-Interview: Tennis-Talent Daniel Masur über seine Grand-Slam-Eindrücke aus Melbourne und seinen Spitznamen Wally
Im ersten Satz gegen Bambridge lief bei Dir nicht viel zusammen. Woran lag das?
Erstmal am Wetter: Ich kam aus der europäischen Hallensaison zu einem Freiluftturnier im australischen Sommer bei 40 Grad im Schatten. Zudem ist ein Grand-Slam-Turnier ist noch einmal etwas ganz anderes als beispielsweise eine Deutsche Meisterschaft. Dann diese gewaltige Anlage Melbourne Park, wo man sämtliche Stars der Szene trainieren und spielen sieht.
Wen von denen hast Du denn so gesehen?
Alle. Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andy Murray oder auch Maria Scharapowa. Die trainierten einfach nebenan.
Was war noch neu im Vergleich mit einem Satellite-Turnier in Wolfenbüttel?
Man kommt dort in Bereiche, in die man sonst als Jugendspieler nicht kommt. Uns Spielern wurde dort vom Ausrichter vieles abgenommen. Außerdem gab es dort Stuhl-Schiedsrichter, Linienrichter und Ballkinder, auch das war neu für mich. Auf den Tribünen waren zudem rund 150 Zuschauer. Alles ziemlich imponierend.
Gab es auch deutsche Fans, die Dich unterstützt haben?
Ja, die gab es tatsächlich. Dort war ein deutscher Fanklub, der aus sechs bis acht Leuten bestand, die etwas älter waren als ich. Die haben mich wahnsinnig unterstützt. Das war unglaublich.
Habt ihr im selben Hotel übernachtet wie die Profis?
Nein, die hatten ihre Unterkünfte über ganz Melbourne verstreut. Wir hatten ein eigenes Hotel mit Fahrdienst.
Konntet Ihr Junioren mit den Profis trainieren?
Das ist unterschiedlich. Wir nicht, aber die Franzosen zum Beispiel konnten das. Bei den Spaniern etwa trainiert Rafael Nadal sehr viel mit den jungen Spielern.
Hat sich die lange Reise für die relativ kurze Spielzeit also dennoch gelohnt?
Auf jeden Fall. Ich habe sehr viel mitgenommen und werde versuchen, das Positive daraus zu ziehen. In Roland Garros oder Wimbledon ist ein Grand-Slam-Turnier dann nicht mehr so völlig neu für mich, auch wenn ich bei beiden Turnieren bislang noch nicht war. Aber ich denke, dass ich dort ganz anders auftreten werde.
Du gehst aufs Gymnasium, im nächsten Jahr in die zwölfte Jahrgangsstufe, und dort stehen dann die Prüfungen zum sogenannten Turbo-Abi an. Wie stressig ist das alles für Dich?
Schon ziemlich. Wenn man so viel fehlt wie ich, hat man auch nicht immer die Gelegenheit, alles nachzuholen. Dennoch bin ich zu 100 Prozent sicher, dass ich das Abitur schaffe.
Wie viele Deiner gleichaltrigen Tenniskollegen gehen überhaupt noch zur Schule?
Ich würde sagen 20 bis 25 Prozent. Aber die gehen in der Regel auf Sportgymnasien oder Fernschulen. Ich kenne sonst keinen, der ein normales Gymnasium besucht. Es läuft aber auf dem Gymnasium in Kamen, wo auch der Westfälische Tennis-Verband sitzt, sehr gut. Ich habe in der Regel keine Probleme, für Turniere freigestellt zu werden.
Wie oft und wie lange bist Du zu Hause in Bückeburg?
Im Schnitt zweimal im Monat. Für eine ganze Woche aber nur sehr selten.
Dein Vorbild ist Australian-Open-Sieger Novak Djokovic.
Ja. Es gibt allerdings auch Leute, die ihn aufgrund seiner Art nicht sonderlich mögen. Ich finde es aber toll, wie er sich gibt, und habe in gewisser Weise einen ähnlichen Spielstil. Ich schätze an ihm die völlige Hingabe für den Sport.
Als Erfolgsgeheimnis des "Djokers" gilt sein perfekt ausbalancierter Körper. Kann man das trainieren?
In Sachen Balance kann man sicherlich viel trainieren, aber vieles hat man auch einfach von Geburt an mitbekommen.
Spielst Du in der Sommer-Saison wieder für den Mindener TK?
Mit ziemlicher Sicherheit. So wie ich das jetzt sehe, gibt es kaum Überschneidungen mit Turnieren.
Hast Du Deinen ehemaligen MTK-Doppelpartner, den Australier Sadik Kadir, in Melbourne getroffen?
Nein. Ich dachte eigentlich, dass ich ihn sehen würde. Ich habe ihn im letzten Jahr bei einem Turnier in der Türkei getroffen, da haben wir lange gequatscht.
Wirst Du, zumal in Australien, manchmal gefragt, ob Du etwas mit dem australischen Daviscup-Spieler Wally Masur zu tun hast?
Andauernd. Ehrlich: Mich nennt auch kaum noch einer Daniel, alle sagen Wally. Der echte Wally Masur ist noch immer ein viel gefragter TV-Experte. Das ist dann immer lustig, wenn der Name Wally Masur auf dem Bildschirm erscheint. Die anderen sagen dann: Schau mal, du bist im Fernsehen. Das ist so eine Art Running Gag bei uns.