Fans feiern Pfundskerle vom Zechclub als Mindens stärkste Männer / 1. Mindener Tauziehen als gelungenes Spektakel
VON MARCUS RIECHMANN
Minden (mt). Die Stadt Minden hat ihre stärksten Männer gesucht und Andy Munton hat sie gemeinsam mit rund 500 Sportlern und Zuschauern gefunden: Die Muskel-Truppe vom 1. Mindener Zechclub hat das erste Tauziehen in der Weserstadt gewonnen.
Unter 17 Männerteams war der neongelbe Sechserpack nicht nur die stärkste, sondern auch die schwerste Mannschaft im Feld. Satte 750 Kilogramm brachten die sechs Männer auf die Waage - wohl nicht nur Muskeln, das lässt bereits der Name der mit etlichen Fans angereisten Mannschaft erahnen, doch ein Pfund, mit dem die Männer um "Dika" Thomas Charnley beim "Tug of war" wahrlich wuchern konnten.
Ihre 18 Gruppenzüge absolvierten sie im Modus "Best of three" zu null. "Eigentlich wollten wir nur einmal gewinnen, aber jetzt wollen wir den Titel", gab Sebastian Ramsbrock nun als Devise für den aus einer Geburtstagslaune entstandenen Club aus. Im Halbfinale zogen sie die Amingos, ein Feuerwehrteam aus Aminghausen, locker über den Rasen des Hindenburgplatzes.
Volleyball-Schmetterlinge gewinnen bei Frauen
Gleiches gelang ihren Finalgegnern "Die Barsch Barsche". Das Team von Dieter Barsch konnte auch so manches Kilo ins Rennen werfen und schaltete einen Gegner nach dem nächsten aus. Im Halbfinale waren die Lutteraner, eine Gruppe von Freunden aus Luttern, ohne Chance.
Im finalen Pull zogen die sechs Barsche um Teamkapitän Achim Radtke die Zecher zunächst über die von Schiedsrichter Noel Hill sorgsam und stilvollendet bewachte Linie. Im zweiten Finalzug hatten dann die Zecher mehr Kraft. Und im entscheidenden dritten Zug war erneut das gelbe Team stärker. Das Training - als eines der wenigen Teams hatte der Zechclub vorher geübt - hatte sich ausgezahlt.
Mit ihnen jubelten die Volleyballerinnen des 1. VC Minden. Die "Schmettergirls" siegten im Frauen-Wettbewerb vor den "Lady Krachern". "Das waren die klar besten Mannschaften", lobt Andy Munton, der einst englischer Clubmeister war. "Sie hatten sogar eine ganz gute Technik."
Das konnte man nicht von allen Mannschaften behaupten. So mancher Knick war bei den Zügen im Tau zu entdecken. Das kostete Energie und meist auch den Sieg. Zum Thema Technik und Taktik meinten etliche Team-Kapitäne: Einfach ziehen was das Zeug hält und zwischendurch ein Bier.
Unabhängig von Taktik und Erfolg waren sich alle 23 Teams einig: Das Turnier war gelungen. "Absolut spitze. Total nette Sportler, tolle Atmosphäre", lobte Luttern-Kapitän "Joze" Thomas Jozefiak und Barsche-Teamchef Radtke stimmte zu: "Es ist angenehm locker, keiner ist verbissen."
Box-Trainer Frank Dunklau vom Dachdecker-Team der "Flying Roofers" brachte die Faszination des Sports am dicken Seil auf den Punkt: "Das ist das Gute am Tauziehen: Es ist brutal einfach." Dies erfuhr auch Peter Seele von der Mannschaft Moldawia. Er freute sich über den runden Tag, bedauerte lediglich "dass wir so oft ziehen mussten." Das ging nicht nur ihm an Hände und Muskeln. Die Moldawier kamen schließlich auf Rang 14. "Die Stärke hat bei uns im Zuge des Klimawandels etwas nachgelassen", begründete Seele lachend.
Das galt wohl auch für die vor mehr als zehn Jahren von Hansi Kuhlmann gegründete Mindener Sport- und Spaßgruppe "Mulo Minden". Schon mit Dirk Niemann waren sie nicht ganz weit vorn, doch als der "Anker aus Kutenhausen" vorzeitig abreisen musste, ging bei den ausgelaugten Männern um Michael Rose nicht mehr viel. Doch ihr Ziel "Nicht Letzter werden" erreichten sie sicher. Unter den Ü-50-Mannschaften (Mulo, Dieter Bowlen und MTV-Tuggers) waren Rose und Co. sogar die beste - und am Ende nach sechs Stunden Sonne reichlich "mulo".
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