Organisatoren ziehen Bilanz und prüfen 3. Auflage / Bunte Geschichten von der Strecke
Porta Westfalica (rich). Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Kaum haben sie die zweite Auflage des Porta-Marathons hinter sich, gilt für die Männer und Frauen des Organisationsteams: Bilanz ziehen und für 2011 planen.
Ob es im kommenden Jahr die 3. Auflage des Porta-Marathons geben wird, ist noch nicht sicher. Anders als bei der Premiere gab Achim Fahrenkamp, Mitinhaber der namesgebenden Porta-Unternehmensgruppe, keine spontane Zusage. Ein positives Fragezeichen stehe hinter 2011, so der Hobby-Läufer. Gemeinsam werden er und seine Organisatoren das Lauffest vom vergangenen Sonntag mit 2080 Teilnehmern und Tausenden Zuschauern bilanzieren. In spätestens vier Wochen soll dann die Entscheidung fallen.
Finanzierung durch weitere Sponsoren und der enorme Arbeitsaufwand der Organisatoren um Jörg Duchstein, Detlef Horn, Pamela Burzlaff, Ulrich Beißner (alle Porta) und Eckhard Wiens (Eintracht Minden) sowie der rund 700 weiteren Helfer sind die größten Knackpunkte bei der Prüfung einer dritten Ausgabe. "Es ist nicht die Begeisterung, die fehlt", machte Horn deutlich. Aufwand, Kosten und der Erfolg der Zusammenarbeit mit der Stadt Minden und die Zuschauerresonanz dort seien Prüfungspunkte.
Sollte der 2. Porta-Marathon der Maßstab sein, so kann es nur eine Entscheidung geben, denn von kleinen Macken abgesehen, war die Ausrichtung nahezu perfekt. Einen einzigen ernsteren Notfall gab es. Eine Läuferin musste wegen einer Asthma-Problematik auf der Strecke vom Team des Deutschen Roten Kreuz behandelt werden. "Sie hatte ihr Spray vergessen, meldete Horn.
Allein die Zeitmessung bei den Bambini-Läufen schlug grandios fehl – und das Wetter spielte erneut nicht ganz nach Wunsch mit. Das galt nicht nur für den Tag – obgleich Horn zugab: "Ich hatte noch schlimmeres erwartet" –, sondern auch für die Vorbereitung. Denn der lange Winter schränkte das Training der Langstreckler deutlich ein. Ein Hauptgrund für die mit 230 Startern schwache Teilnahme am Marathon, so vermuten die Organisatoren.
"Aber das ist das Schöne bei uns: Man kann problemlos auf die kürzeren Strecken wechseln", hob Horn die Vielfalt des Porta-Marathons hervor. "Die Tendenz geht zum Halbmarathon, der reicht vielen aus", erklärte Beißner die beachtliche Starterzahl von 620 über die halbe Strecke.
Damit waren auf der Hauptstrecke fast ebensoviele Sportler unterwegs wie Helfer - meist freiwillig und kostenlos - im Einsatz. "Die waren mit großer Begeisterung dabei. Was die Helfer geleistet haben, ist einfach unwahrscheinlich viel", lobt Horn, der wie Beißner die gute Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen hervorhob. Beispielhaft sei das Straßenverkehrsamt erwähnt: "Die Zusammenarbeit dort insbesondere mit Michael Kirchner hat hervorragend geklappt" stellte Beißner heraus.
Auch das Teamwork mit den sportlichen Organisatoren von Eintracht Minden lief wie am Schnürchen. Für die Eintrachtler haben die Portaner sogar noch ein Geschenk parat: "Wir haben massenweise Wasser übrig. Wir waren auf Sonne eingestellt. Die Reste stellen wir Eintracht Minden für die nächsten Veranstaltungen zur Verfügung", so Horn.
Sollten er und sein Team die 3. Auflage des Lauffestivals in Angriff nehmen, sind sie gefordert, die Hauptstrecke zu stärken. Denn der Marathon ist das Dach des Lauftages und hat nicht nur als Namensgeber eine wichtige Image- und Prestigefunktion. Die 42,195 Kilometer lange Strecke ist das Herz des Laufspektakels – und Magnet und Motivation für viele Lauf-Novizen. Manche Läufer feiern Premiere auf der Königsstrecke, andere ihren Zieleinlauf mit Kindern oder Laufpartnern an der Hand.
Andere sorgen durch ihre schiere Erscheinung für Aufsehen. So wie Helmut Braun, der mit rauschendem Bart und Holzfällerhemd an den Start ging und die ersten Kilometer nicht nur laufend sondern auch frühstückend verbrachte: ein Brötchen in der einen, einen Liter Milch in der anderen Hand. "Normalerweise frühstücke ich vorher, aber wenn die Zeit fehlt, eben so", meinte der Mann vom 100-Marathon-Klub, als er bei seinem 2. Porta-Marathon nach rund sechs Stunden das Ziel erreicht - mittlerweile mit nacktem Oberkörper.
Auch der Halbmarathon hatte im Schatten des Sieges von Michael Schirrmacher etliche Geschichten zu bieten. So die von Martin Birkner. Der sehbehindert Hiller lief die Strecke wie gewohnt an der Seite seines Partners Jürgen Froböse. Hand in Hand – wie übrigens viele andere Läufer –, kamen die beiden nach 2:04 Stunden an und damit auf die Ränge 320 und 322.
Einer der wenigen jungen Läufer im Kreis der Langstreckler war Nico Lange. Der Nammer Hobby-Läufer kam als bester B-Jugendlicher auf Platz 24 ein. 1:29 Stunden hatte der 16-Jährige benötigt – dreizehn Minuten mehr als Sieger Schirrmacher und sechs Minuten weniger als im Jahr 2009.
Schirrmacher wurde nach seinem Sieg im Marathon 2009 und dem Erfolg im Halbmarathon in diesem Jahr humorvoll von etlichen Besuchern zur Suche nach einer neuen Herausforderung animiert. So wurden der Zehn-Kilometer-Lauf oder die Bambini-Läufe als noch offene Strecken vorgeschlagen. Doch der Ausnahmeläufer von Eintracht Minden nahm grinsend eine andere Strecke ins Visier. "Die Staffel zu gewinnen wär auch mal ein Ziel", meinte der Mindener, der am Sonntag nach einer Verletzung erst den zweiten Wettkampf des Jahres absolviert hatte. Gemeinsam mit seinem Vereinskollegen und Vorgänger auf dem Halbmarathonthron, Wolfgang Vehlewald, bastelte Schirrmacher an einem Quartett.
Vehlewald konnte am Sonntag wegen einer Wadenverletzung nicht mitlaufen. "Es war auch mal nett, einfach zuzuschauen", sagte Vehlewald, der als Helfer am Ratsgymnasium im Einsatz war und feststellen musste: "Der Job als Streckenposten ist ganz schön anstrengend".
Die beiden planten bereits kurz nach der Siegerehrung voll Esprit und mit reichlich Schalk im Kopf für 2011 eine wohl unschlagbare Staffel mit den dritt- und zweitplatzierten Läufern des Halbmarathons: Gert Krauße als drittem Eintracht-Läufer und dem Ex-Mindener Bernd Nedderhoff (jetzt LC Ravensberg). "Da könnten wir dann die 2:30-Marke knacken", meinte Schirrmacher, "allein kriegen wir das ja nicht hin."
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