Ernst Schmidt läuft Halbmarathon mit einer künstlichen Herzklappe / 60-Jähriger bleibt unter zwei Stunden
VON JULIAN RÜTER
Porta Westfalica (jru). Das Krankheiten nicht vom Sporttreiben abhalten, dafür ist der 60-jährige Ernst Schmidt eines der besten Beispiele. Trotz künstlicher Herzklappe lief er den Portaner Halbmarathon unter zwei Stunden.
Als bei Ernst Schmidt die Diagnose einer Verengung der Aortaklappe feststand und die Ärzte ihm im September 2002 eine künstliche Herzklappe einsetzten, stand für ihn eines fest: "Mit dem Laufen werde ich trotzdem nicht aufhören." Da nutzte auch das Laufverbot eines Kardiologen nichts, denn daraufhin wechselte Schmidt einfach den Arzt und bekam von einem Mediziner des Bad Oeynhauser Herzzentrums versichert, dass er auf jeden Fall aktiv bleiben könne. "Das war für mich der Persilschein, wieder richtig Gas zu geben", freut er sich noch heute.
Seit 1979 ist Schmidt aktiver Läufer, hatte schon Marathone absolviert und kurz vor seiner Operation den 50 000. Laufkilometer vollendet. "Wenn ich zu dem Zeitpunkt wirklich hätte aufhören müssen, dann wäre das ein zufriedenstellendes Ergebnis meines Laufens gewesen. Aber ohne mein Laufen bin ich einfach nicht zufrieden", sagt Schmidt.
Bereits in seiner Reha fing er mit dem Ausdauersport wieder an, allerdings habe er auch über ein halbes Jahr gebraucht, um wieder zehn Kilometer am Stück zu absolvieren. Die Operation habe ihn schon arg zurückgeworfen, berichtete der Sportschütze beim Porta-Marathon. Sein Ehrgeiz für den Wettkampf wurde 2004 wieder geweckt, als er in einer Fachzeitschrift vom sogenannten Inselhopping las. Eine Lauftour über 93 Kilometer, bei der sieben ostfriesische Inseln belaufen werden. "Der Höhepunkt war die Abschlussetappe. Zwölf Kilometer durch das Watt. Von Neuwerk nach Cuxhaven", schwärmt der Halbmarathoni noch heute.
Obligatorische Laufrunde nach dem Frühstück
Bald hat Ernst Schmidt den 12 000. Kilometer nach seiner OP geschafft. Dabei hilft die obligatorische Laufrunde nach dem Frühstück. "Meine Frau kennt das mittlerweile schon", meint Schmidt.
Dabei stört die künstliche Herzklappe gar nicht. "Das spukt dir noch zwei Jahre in deinem Kopf herum, aber in Wirklichkeit ist es genau so, wie mit einem normalen Herz", sagt der Todtenhauser und hofft erkrankten Menschen Mut zu machen, sich nicht vom Sport zu verabschieden.
Die Strecke beim Porta-Marathon hat ihm sehr gut gefallen. "Durch die Siedlungen zu laufen war richtig schön, ansonsten hätte ich mir etwas mehr Unterstützung am Straßenrand gewünscht", sagte er kurz nachdem er in einer Zeit von 1:55:52 Stunden durch das Ziel gelaufen war.
Einen Traum hat er aber immer noch. Einmal möchte Ernst Schmidt noch den Hermannslauf im Teutoburger Wald absolvieren. "Das wäre eine tolle Sache. Das sind 32 sehr anspruchsvolle Kilometer", hofft er dort auch nach der Operation, wie schon fünf mal davor, durch das Ziel laufen zu können. Aber einen ganzen Marathon, dass lasse er lieber, "doch man soll niemals nie sagen", fügt er schnell hinzu und so wird er weiter laufen. Wahrscheinlich schon heute nach dem Frühstück und das mit einem ganz besonderen Herzen für den Laufsport.
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