Porta-Marathon liefert Stoff zum Schmunzeln und eine Menge Hingucker / Gebhard steigt zur Halbzeit aus Liebe aus
Löwenläufer: Die Partylöwen waren nicht die schnellste, aber eine der auffälligsten Marathon-Staffeln. Denn Matthias Fabry, der die Staffel auf einer Ü-30-Party in der Diskothek Musikbox Anfang Mai in einer Bierlaune angeleiert hatte, ließ seine Kollegen zunächst vor dem Start warten. Um 9.40 Uhr, 20 Minuten vor dem Start fehlte vom Tischlermeister noch jede Spur. Die fehlte auch beim letzten Wechsel. Denn Fabry hatte sich ein Löwenkostüm übergezogen. "Ich habe ihn nicht gefunden, bis die Leute riefen: der Löwe, der Löwe", berichtete Christin Gartmann von einer schwierigen Übergabe des Zeitmess-Chips. Und für sie und Kerstin Horstmeier, beide mit den Handballerinnen von Lit Nordhemmern gerade erst in die Verbandsliga aufgestiegen, stand fest: "Der Löwe hat uns aufgehalten." Dafür gab der schwer verschwitzte Lauflöwe Fabry seinem Team mit Dimitri Khirzner als viertem Läufer ein Bier aus.
Vertaut auf seinen Jackenzauber: Achim Fahrenkamp
Oldie und Goldie: Eintracht-Routinier Theodor Block (Jahrgang 1949) war bester heimischer Starter im Marathon-Lauf. Der 62-Jährige war in 3:11:41 Stunden etwas langsamer als 2010 (3:00:23) und verpasste so sein erstes Ziel, die Drei-Stunden-Marke, knapp. Doch Ziel Nummer zwei erreichte Block als Achter souverän: "Ich wollte unter die Top Zehn." Die Zeit empfand der Läufer von Eintracht Minden als "für die Verhältnisse ganz gut". Für eine bessere Zeit sei es etwas zu warm gewesen. "Die besten Voraussetzungen sind acht Grad und Nieselregen", meinte Block, doch die Veranstalter wie auch die zahlreichen Besucher sahen das sicherlich anders. Den Neuntplatzierten, Hans-Joachim Floer von der BSG Edeka (3:12:30) hängte Block rund drei Kilometer vor dem Ziel ab. "Musste ich", erklärte Block dem Edeka-Mann noch im Zielbereich, "jemanden erst auf der Zielgeraden zu putzen gehört sich ja nicht."
Blaumann: Lucas Cawte zog bereits beim Start des Zehn-Kilometer-Laufes etliche Blicke auf sich. Der Australier hatte sich in einen hautengen blauen Anzug mit den australischen Landesfarben gezwängt, die Kopfmaske enthielt nicht mal Seh- und Atemschlitze, Cawte schaute und atmete durch den dünnen Stoff hindurch. Er wohnt dieses Jahr als Austauschstudent in Minden und nutzte den Lauf, um für seine Heimat zu werben.
Botschaften: Etliche Läufer nutzten ihre Trikots als Werbefläche und brachten Botschaften aller Art an die Zuschauer. So suchte ein Team "Mitläuferinnen" und hatte darunter auf den Rücken der roten T-Shirts gleich die Kontakt-Rufnummer platziert. Ein anderer Läufer warb für eine Zukunft ohne Kernenergie. Andy Munton machte wie schon im Vorjahr Werbung für das 3. Mindener Tauziehen am 17. Juli am Weserstadion. Die häufigsten Schriftzüge auf den T-Shirts waren natürlich die Namen der zahlreich mit Läufern vertretenen Firmen. Gänzlich ohne Botschaft ging Horst Kruse über die Marathon-Strecke: Er lief wie gewohnt bei bestem Wetter mit freiem Oberkörper.Aus der Steinzeit: Mit Andrea und Paul Cooke war eine deutsch-englische Familie über die Zehn-Kilometer ein skurriler Hingucker. Sie hatten sich - auch für ihr Kind - Leopardenfell-Anzüge geschneidert. "Eigentlich wollten wir als Fred und Wilma Feuerstein laufen, aber bei Paul sieht es eher nach Urzeit-Freak aus", rüffelte Andrea ihren Partner. Im vergangenen Jahr waren sie als "Räuber und Gendarm" unterwegs. "Verkleiden gehört doch dazu. In England ist das völlig normal", berichtete Andrea, die den Lauf Seite an Seite mit ihrem Mann bestritt. Ihr Ziel: "Unter einer Stunde bleiben." Dass verfehlte sie knapp: In 1:08,27 wurde sie 73. im Feld der 95 Frauen. Besser war ihr Sohn Marcus unterwegs. Er kam in 51 Minuten auf Platz 42 unter 158 Männern an. Die gebürtige Mindenerin Andrea Cooke lebt seit fünf Jahren in Yorkshire und ist mit ihrer Familie die letzten drei Jahre extra aus England zum Porta-Marathon angereist.
Aberglaube: In grüner Regenjacke begleitete Porta-Möbel-Mitinhaber Achim Fahrenkamp trotz drückender Hitze Stunde um Stunde seinen Marathon. "Deshalb scheint ja die Sonne. Die letzten beiden Jahre hatte ich keine Regenjacke mit und es hat geregnet", begründete der Hobby-Läufer seine von Wunsch und leichtem Aberglauben getragene Taktik. Doch sie ging auf: Bis auf einen kurzen Guss am späten Nachmittag war der Tag von Sonnenschein begleitet. Die bedrohlich dunkle Wolkenfront, die dem Schauer vorausging, leerte allerdings den Festplatz merklich. Nicht alle hatten offenbar Vertrauen in Fahrenkamps Regenjacke.
Bewegte Mittagspause: Auf Platz 39 kam im Staffelmarathon das Team der Stadt Minden mit Bürgermeister Michael Buhre nach 4:06:49 Stunden ein. Er bildete wie im vergangenen Jahr aus der "bewegten Mittagspause" mit Thomas Lange, Iris Weber und Annette Amann aus dem Sportbüro eine von zwei Verwaltungsstaffeln. Sie konnten sich aus der Läuferperspektive ein Bild davon machen, wieviel besser der Porta-Marathon in der dritten Auflage in der Mindener Innenstadt angenommen wurde. Auf dem Markt hieß es "Minden rollt den roten Teppich aus". "Es war deutlich mehr los als im letzten Jahr. Die Aktion auf dem Marktplatz hat gut funktioniert", freute sich Buhre darüber, dass der Marathon allmählich auch in Minden ankommt.
Erste Hilfe: Die schwüle Hitze forderte von den Läufern Tribut. "Wir mussten einige Läufer im Zeil regelrecht auffangen", berichtete Ullrich Beißner vom Orga-Team von mehr Arbeit für die Sanitäter als in den vergangenen Jahren. Vier Läufer mussten kurz im Klinikum behandelt werden. Zu den vernünftigen Athleten zählte Marco Gebhardt von der Volksbank Mindener Land. Er stieg zur Halbzeit aus dem Marathonlauf aus. "Zur Sicherheit und mit Rücksicht auf meine Frau", erläuterte er, "nächste Woche heiraten wir nämlich."
stehenden Code hier ein*: