Minden (tok/kül). Dr. Carsten Urbat, Vorsitzender des Schwimmclubs 80 Porta, hatte eigentlich einen Start über 10 Kilometer geplant und sich auch bereits angemeldet.
Zu große Urlaubsmüdigkeit nach der Rückkehr aus dem Feriendomizil am Gardasee hatten den Augenarzt aus Holzhausen jedoch kurzfristig umgestimmt, die Rolle des Athleten gegen die des Zuschauers zu tauschen. Mit kompletter Familie ließ er es sich nicht nehmen, die tapferen Sportler an vorderster Front auf der Zielgeraden lautstark anzufeuern. "Eine tolle Veranstaltung, muss ich schon sagen. Hut ab,", so sein kurzes Urteil.
Urbat sprach vielen Sportlern, aber auch Zuschauern aus der Seele. Dass bei einer Premiere nicht alles immer gleich reibungslos über die Bühne gehen kann, das wussten auch Organisator Lutz Carta und seine Mannen. Sie erwiesen sich jedoch als Meister der Improvisation. So wurden die Starts der Lauf-Wettbewerbe kurzerhand um eine Viertelstunde nach hinten verlegt, da die Anzahl der Nachmelder so groß war, dass die freiwilligen Helfer am Meldestand gar nicht mehr schnell genug nachkamen.
Platzregen als Dank für grenzenlose Geduld
Die Läufer nahmen die Verzögerung gelassen, auch wenn sie zum Dank auch noch mit einem kräftigen Platzregen, der pünktlich zum Startschuss des Halbmarathons über der Region niederging, belohnt wurden. Und so machten sich Groß und Klein halt dicht gedrängt unter der Haupttribüne die letzten Sekunden vor ihren großen Auftritten warm - Not macht bekanntlich erfinderisch. Den späteren Leistungen tat die feuchte Abwechslung von oben jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Mit fröhlichen Mienen, erfrischenden Einlagen mit Feten-Charakter sowie grenzenloser Einsatzbereitschaft ermutigten die Aktiven auch die Zuschauer zur Ausdauer. Mit Erfolg.
Besonders der erstmals ausgetragene AOK-Firmenlauf bescherte der Laufsportszene in und um das Weserstadion ein neues Klientel und brachte viele Kurzentschlossene und Anfänger auf die Beine. Keine Frage, mit dieser Modifikation haben Lutz Carta und sein Organisations-Team den Nerv der Volksseele getroffen und die Weichen für eine erfolgreiche Vergrößerung der Laufszene gestellt.
Die mit Abstand größte Gruppe stellte im Firmenlauf das Projekt "Bildungspartner Minden". Fast 60 Läufer tummelten sich in grasgrünen Signal-T-Shirts im Weserstadion. Dazu passend gab es für jedes Mannschaftsmitglied ein gleichfarbiges Armband. Das Team setzte sich aus Sponsoren des Projekts, das etwa 200 Kinder an Mindener Grundschulen fördert, zusammen. "Manche Sponsoren haben aber auch ihre Kinder geschickt", sagte Projekt-Initiator Hans-Jürgen Weber.
Noch auffälliger waren die Läufer vom Fitness-Studio "Kingdom of Sports". Im Rahmen der Sommer-Kampagne "Beweg den faulen Sack" warfen sich die 27 Läufer in einen Plastiksack mit passendem Motto-Aufdruck und räumten prompt den Preis für das originellste Kostüm ab. Gerade für die verregnete Anfangsphase der 5-Kilometer-Strecke war das Outfit von Studioleiterin Pamela Gieseking und ihrem Gefolge übrigens genau richtig.
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