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08.07.2010
"Für die Honduraner waren sie Favoriten"
Federico Herrera Allemán lebt seit zehn Jahren in Deutschland / Fußball ist in seiner Heimat Nationalsport
VON JAN HENNING ROGGE

Vlotho/Lüdenscheid (jhr). Für Fußball interessiert sich Federico Herrera Allemán nur "ein bisschen". Wenn eine Weltmeisterschaft ansteht schaut der Arzt aus Honduras´ Hauptstadt Tegucigalpa aber doch so oft er kann zu. In seinem Heimatland ist Fußball aber Nationalsport.

Federico Herrera Allemán, hier in seiner Heimat Honduras, ist mit dem Abschneiden der honduranischen Nationalmannschaft zufrieden. | Fotos: pr

Am 28. Dezember 2000 kam Herrera nach Deutschland. "Aus Liebe und weil ich neugierig war, etwas Neues zu sehen und zu lernen", sagt er. Liebe ist nicht nur der Grund für seinen Umzug nach Deutschland, sie ist auch seine Verbindung zu Minden: Verheiratet ist der 43-Jährige mit Jennifer George, Tochter des Mindener Rats-Lehrers Bill George. Die Weserstadt hat er inzwischen einige Male besucht, hauptsächlich um die Familie seiner Frau zu sehen.


Seine Heimat ist ihm immer noch wichtig, seine Familie und Freunde leben dort, telefonisch und über das Internet hält er Kontakt. In dem mittelamerikanischen Land ist die Situation nicht einfach. Im Juni 2009 gab es dort einen Putsch, im September kehrte der gestürzte und ausgeflogene Präsident Manuel Zelaya Rosales zurück ins Land. Seine Anhänger protestierten, die Interimsregierung rief den Ausnahmezustand aus. Im November fanden international umstrittene Präsidentenwahlen statt, doch nicht Zelaya sondern Porfirio Lobo Sosa gewann.

"Es gibt viele Leute, die für, und viele Leute, die gegen die neue Regierung sind", sagt Herrera, "teilweise sind Familien getrennt." Die Situation im Land ist auch ohne die politischen Schwierigkeiten schwierig. "Es gibt große Probleme mit Arbeitslosigkeit, schlechter Ausbildung und hoher Kriminalität. Und es gibt kein Vertrauen in die Justiz", berichtet der Arzt für Innere Medizin und Pulmologie. Trotzdem versucht er, so oft wie möglich nach Honduras zu reisen. "Das ist immer noch mein Heimatland."

Fußball ist in seinem Land sehr wichtig. "Das ist der Sport, den jeder überall spielen kann." Das die Honduraner schon nach der Vorrunde heimreisen mussten hat viele seiner Landsleute enttäuscht: "Da schimpfen die Leute schon, für die Honduraner waren sie die Favoriten." Doch das es die Mannschaft zum zweiten Mal nach 1982 überhaupt zu einer Weltmeisterschaft geschafft hat, ist schon ein Erfolg. "Ich bin völlig zufrieden", sagt Herrera, "die spielen zwar gut aber nicht wie in Europa oder Südamerika."

Dabei hat die honduranische Nationalmannschaft durchaus einige international bedeutende Spieler zu bieten: Maynor Figueroa, Hendry Thomas und Wilson Palacios, der Mittelfeldspieler von Tottenham Hotspur, dessen jüngerer Bruder 2007 entführt und später ermordet wurde. Die Entführer versuchten, Geld vom im Ausland erfolgreichen Spieler zu erpressen. "Die guten Spieler spielen in Italien oder England", sagt Herrera. Denn dort lässt sich deutlich mehr Geld als im armen Honduras verdienen.

Durch seinen Schichtdienst im Klinikum Lüdenscheid konnte der 43-Jährige nicht alle Spiele seiner Mannschaft komplett sehen. "Aber ich habe bei allen Spielen wenigstens ein bisschen zugeguckt, immer mindestens 20 Minuten." Ein großer Fußballfan ist er nicht. "Aber ich gucke ganz gerne."

Sollte es zu einem Endspiel mit deutscher Beteiligung kommen, ist er sich über den Ausgang nicht sicher. "Bei den Mannschaften ist ein ziemliches Gleichgewicht - aber ich würde hoffen, dass Deutschland gewinnt."

In der MT-Serie "Mein Land" stellen Bürger aus der Region ihre WM-Heimat vor. Die komplette Serie gibt es im Internet. www.mt-online.de

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 08.07.2010 um 18:54:17 Uhr

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