Handball-Märchen: Von der Schulbank in die Kieler Arena / Für Oevermann, Südmeier und Lommel erfüllt sich ein Traum
Trotz der 19:32-Schlappe der Grün-Weißen war die Partie für drei GWD-Handballer ein besonderes Erlebnis. Denn in den Schlussminuten setzte Mindens Trainer Ulf Schefvert auf seine Youngster und wechselte Jannik Oevermann, Sören Südmeier und Thorben Lommel ein.
Morgens Abi-Vorklausur, abends Bundesliga
Vor allem für Oevermann und Südmeier war es von morgens bis abends ein aufregender Tag, der mit einem kleinen Handball-Märchen endete. Die beiden Bessel-Schüler schrieben am Vormittag noch eine sechsstündige Abitur-Vorklausur in ihrem Leistungsfach Sport. "Ich konnte mich nicht so richtig konzentrieren und habe dauernd an Kiel gedacht", gibt Südmeier zu und war froh, als er sein Heft endlich abgegeben hatte.
Um 14.30 Uhr ging es für die beiden mit dem Mannschaftsbus nach Kiel. "Bei der Freude auf das Spiel habe ich die Klausur ganz schnell vergessen", sagt der 19-jährige Oevermann. Schon vor der Partie waren die A-Jugendspieler begeistert. "Allein die Halle war ein Riesen-Erlebnis und das Einlaufen der Kieler einfach klasse", erinnert sich Südmeier. Und auch der dritte Youngster der Grün-Weißen war beeindruckt. "Über 10 000 Menschen in der Halle. Großartig", staunte Lommel.
Richtig interessant wurde es für die drei Talente von der 50. Minute an. Als erstes kam Oevermann für Gylfi Gylfason in die Partie. In der 55. Minute bedankte er sich gleich mit einem Tor für das Vertrauen des Trainers. Mit einem frechen Wurf in die kurze Ecke ließ er Welt-Torhüter Thierry Omeyer alt aussehen. "Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen, aber innerlich habe ich laut gejubelt", sagte der Linkshänder später über sein erstes Saisontor. Südmeier startete in der 54. Minute sein Bundesliga-Debüt. "Und das gleich gegen solche Weltstars. Einfach klasse", war der quirlige Rückraumspieler am Tag darauf noch ganz begeistert. Nach dem Erlebnis in Kiel habe er noch mehr Ehrgeiz als zuvor, sagt der 18-Jährige.
"Ich wollte den Jungs Extra-Motivation geben"
Für Linksaußen Thorben Lommel war es nach seinem Debüt im Derby der zweite Bundesliga-Einsatz innerhalb von fünf Tagen. "Für mich ist das ein Wahnsinn", sagt Lommel, der von erfahrenen Mitspielern wie Stephan Just und Moritz Schäpsmeier viele Tipps bekommt. "Jedes Training bringt mich weiter", sagt der 22-Jährige. Lommel fängt im April ein Studium in Münster an. Wie es mit dem Handball weitergeht, ist offen.
Für die beiden A-Jugend-Talente gibt es mehrere Möglichkeiten nach der Schule. Sportförderkompanie oder Zivildienst lautete die Optionen für Sören Südmeier. Jannik Oevermann will zur Polizei oder eben auch zur Sportförderkompanie. "Dann könnte ich mich voll auf den Handball konzentrieren", sagt der gebürtige Oberlübber.
Für Ulf Schefvert hatten die Einwechslungen seiner Top-Talente einen wichtigen Grund. "Ich wollte den Jungs Extra-Motivation für die Zukunft geben", erklärte der Schwede. Keine Frage: Das Ziel hat er wohl erreicht.
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