Zulassungsstopp für Zahnärzte in Holland führte Antoine de Jonckheere vor 26 Jahren von Amsterdam nach Minden
Er schränkt aber ein: "Wenn man die Leute aus einer Provinz wie Nordbrabant fragt, ob sie sich als Holländer oder Niederländer bezeichnen, geht das etwa Fifty-Fifty aus. Aber die Bewohner der Provinzen Nord- und Südholland bezeichnen sich ausnahmslos als Holländer. Und ich komme aus Südholland."
Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist der heute 52-Jährige in Rotterdam, Südholland, der Stadt mit dem größten Seehafen Europas. Nach dem Abitur ging er nach Amsterdam, Nordholland, um dort Zahnmedizin zu studieren.
Sympathien für Deutschland.
In Rotterdam stehen die Leute eher auf
Antoine vergleicht die beiden Städte: "Rotterdam ist die Arbeiterstadt, dort stehen die Leute eine Dreiviertelstunde eher auf als in Amsterdam. In Rotterdam stehst du um viertel nach sieben im Stau, in Amsterdam um acht Uhr. Zudem ist Amsterdam viel mehr Multi-Kulti und es ist viel entspannter. Amsterdam ist eine ganz besondere Stadt mit unglaublicher Vielfalt und ebensolchem Flair."
Als der begeisterte Tennisspieler mit dem Studium fertig war, gab es in den Niederlanden einen Zulassungsstopp für Zahnärzte. "Also habe ich meine berufliche Chance in Deutschland gesucht, so wie das zwei Drittel meiner Kommilitonen auch gemacht haben, und bin in Minden gelandet." 26 Jahre ist das nun her, er hat also exakt die halbe Zeit seines Lebens in Holland, und die andere Hälfte in Deutschland verbracht.
Die Niederlande sind wohl das Land, das Deutschland am ähnlichsten ist - zumindest was das Deutschland nördlich des "Weißwurst-Äquators" angeht - wie der Zahnarzt berichtet: "Die Kultur und Struktur beider Länder ist schon stark vergleichbar. Nur geht es in Holland etwas niedlicher, unkomplizierter zu, es wird alles nicht so eng gesehen."
Antoine de Jonckheere führt diesen Umstand auf die dichte Besiedlung seiner Heimat zurück: "Abgesehen von den Stadtstaaten und Inselstaaten wie Malta sind die Niederlande das am dichtesten besiedelte Land überhaupt. Wenn so viele Menschen auf so wenig Raum leben, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sich bekämpfen oder das Beste daraus zu machen. Wir Holländer haben uns auf Letzteres besonnen."
Was ihm an Deutschland sofort gefiel: "Hier gibt es bei Weitem nicht so viele Ampeln wie in Holland. Der Verkehr läuft viel flüssiger."
Deutschland und Holland - das ist seit dem 7. Juli 1974 (da bezwang die DFB-Elf die Niederländer im Münchner WM-Finale 2:1) eine herzliche Fußball-Rivalität. Diese fand ihren Gipfel bei der WM 1990 in Italien, als das holländische "Lama" Frank Rijkaard den deutschen Stürmer "Rudi Nazionale" Völler von hinten in die Haare spuckte.
Mit deutschen Tugenden gegen Spanien
"An das 74er Finale kann ich mich noch gut erinnern, das habe ich zu Hause mit meinen Eltern gesehen und da werde ich auch heute in Deutschland noch oft drauf angesprochen", berichtet der Johan-Cruyff-Fan, "da zeigte sich etwas, das jahrzehntelang das Hauptproblem des holländischen Fußballs war: Zwar ist er kreativ und vielseitig, aber nach der 1:0-Führung schlich sich die Undiszipliniertheit ein. Doch ich glaube, dass Trainer Bert van Marwijk der Mannschaft ein paar deutsche Tugenden eingetrichtert hat und wir deshalb auch eine Chance gegen Spanien haben."
Auch wenn er Sympathien für die deutsche Mannschaft hegt - schließlich sind Antoines Kinder und seine Frau Deutsche: In einem Finale Deutschland gegen Holland wäre er nicht neutral geblieben: "Mein holländisches Herz schlägt für Holland!"
In der MT-Serie "Mein Land" stellen Bürger aus der Region ihre WM-Heimat vor. Die komplette Serie gibt es im Internet.
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