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11.06.2010
Griechenland wird mit nur vier Toren Fußball-Weltmeister!
Sieger der WM in Südafrika steht schon vor dem ersten Anstoß fest / Eine satirische Betrachtung zum Turnierverlauf
VON ANDREAS SCHÖNEBERG

Minden (schö). Kritiker werfen Otto Rehhagel seit Jahren vor, er würde einen antiquierten Fußball spielen. Der Trainer der Griechen entgegnet darauf in der Regel lapidar: Modern ist, was erfolgreich ist. Im Anschluss an die WM 2010 wird ein neuer Begriff in die Fußballwelt einziehen: die Effektivitätstheorie.

Warum? Nun, Rehakles macht die Griechen mit nur vier geschossenen Toren zum Weltmeister. Geht nicht? Und ob das geht: In der Vorrunde reichen drei 0:0 Unentschieden, weil Nigeria und Südkorea gegen Argentinien verlieren, gegeneinander und gegen Griechenland unentschieden spielen und dann halt Argentinien mit sieben Punkten und Griechenland mit drei Punkten aus der Vorrunde rausgehen.

Im Achtelfinale dann ein 1:0 gegen Frankreich (reine Routine, siehe EM 2004). Henry wird nach absichtlichem Handspiel und anschließendem Meckern vom Platz gestellt. Karagounis haut den fälligen Elfer rein. Franck Ribbery wird nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft mit einer jungen Blondine auf einer Safari gesichtet, behauptet aber anschließend in der "Bild", es sei seine Schwester gewesen.

Im Viertelfinale gibt es ein 1:0 gegen England durch ein Eigentor von John Terry in der 2. Spielminute, er wird sofort ausgewechselt, verpasst seinem Trainer Capello im Vorbeigehen noch einen Kinnhaken und beendet im Anschluss an die WM seine Karriere um auf einem walisischen Fischkutter anzuheuern. Außerdem: Rot für Wayne Rooney in der 33. Minute wegen einer Unbeherrschtheit nach einer Serie von Fouls des beinharten Verteidigers Kyrgiakos.

Engländer müssen mit dem Schiff zurück

Info
Andreas Schöneberg
Für den in Petershagen lebenden gebürtigen Mindener Andreas Schöneberg war Fußball schon immer eine wichtige Begleiterscheinung des Lebens. Auch wenn er seine Freizeit hauptsächlich mit der Förderung von Kultur (Kulturzentrum BÜZ, Weserlieder) und anderen Tätigkeiten wie dem Musizieren, Schreiben oder Angeln verbringt: Zeit für Fußball muss sein, vor allem für Borussia Mönchengladbach. Der "Gesinnungsgrieche" lebte 1996 für ein paar Monate auf Kreta. Als augenzwinkernde Anspielung auf Otto Rehhagels Effektivitätsfußball gründete er bei Facebook jüngst die Gruppe "Wie Griechenland mit 4 Toren Fußball-Weltmeister wird".

England wird sich übrigens nach dem Spiel wegen zweier angeblicher nicht gegebener Foulelfmeter bei der Fifa beschweren, was natürlich nichts nutzen wird. Pikant: Schiedsrichter war mit Wolfgang Stark ein Deutscher. Randnotiz: Das englische Team tritt die Rückreise mit dem Schiff an, da British Airways ihnen wegen der Schlappe den Zugang zu ihren Maschinen verweigern.

Im Halbfinale ist Brasilien dann endlich dran, es ist ein einziger Sturmlauf auf das griechische Tor, aber letztendlich hält Zeus den Kasten dicht und das 1:0 für die Hellenen fällt in der 118. Minute durch eine verunglückte Flanke von Charisteas, der einen brasilianischen Abwehrspieler anschießt, von dem der Ball zunächst an den Pfosten, dann an die Hacke des Torhüters und dann ins Tor kullert. Die Medien sprechen hinterher vom "Sirtaki-Tor".

Randnotiz: Robinho vergibt in der 88. Minute einen Handelfmeter. Das ist seinem Verein FC Santos so peinlich, dass er Energie Cottbus ausgeliehen wird. Kostenlos.

Und im Finale muss dann die Elfenbeinküste dran glauben, die überraschend im Achtelfinale den Favoriten Spanien rausgehauen und im Halbfinale Argentinien nach Hause geschickt haben. Das Siegtor schießt Theofanis Gekas, der als neuer Held anschließend von Hertha BSC zu Real Madrid wechseln wird.

Charisteas geht übrigens zum Hamburger SV und steigt mit dem dann in der nächsten Bundesliga-Saison abgeschlagen mit 22 Punkten als Tabellenletzter ab, voraussichtlich zusammen mit Kaiserslautern und dem 1. FC Köln - der beide Relegationsspiele gegen die Löwen aus München verliert.

Zu vermeiden ist ein direktes Aufeinandertreffen mit Deutschland. Griechenland würde sonst völlig übertrieben mit fünf Toren Weltmeister, weil Manuel Neuer mindestens einmal zu früh rauslaufen und dazu noch einen Eckball unterlaufen würde… sprich, das daraus resultierende 2:0 würde den Effektivitätsquotienten kaputt machen.

Wollen wir nicht, deshalb fliegt Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien raus.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 10.06.2010 um 21:25:43 Uhr

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Kommentare
So, heute Abend geht es für Argentinien um alles oder nichts. Schon ein knappes 0:3 gegen Griechenland kann das Aus bedeuten, wenn gleichzeitig Südkorea 3:0 gegen Nigeria gewinnt. Ich kann Lionel Messi verstehen, dass er heute unbedingt spielen will, kann es schließlich bei dieser WM die letzte Chance sein, auf dem Platz zu stehen und die einzigartige Atmosphäre zu genießen.

Aber vielleicht gewinnt Südkorea ja auch nur 2:0 oder die Nigerianer gewinnen gar. Dann ist auch Argentinien weiter.

Wünschen kann man es Ihnen ja, sind doch eigentlich ganz brauchbare Spieler dabei.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen berichtet wird, trainiert Otto Rehhagel mit seinem Team jetzt das Provozieren von Eigentoren, damit Nigeria und Argentinien sich in ihren Spielen gegen Griechenland selber schlagen und es somit trotzdem mit der "wir schießen 4-Tore-Weltmeisterschaft" klappt. Ich wusste, dass er ein Fuchs ist, aber er überrascht die Fachwelt doch immer wieder aufs Neue.

Klasse! Vor allem das Sirtaki-Tor.
Großartige Satire!


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