Fabian Wetter: Aufstieg wichtiger als Pokal-Sensation
Eickhorster spielt am Dienstag mit Holstein Kiel im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund
VON JULIAN RÜTER
Kiel/Minden (jru). "Ich glaube, dass es nicht einfach ist, bei uns zu gewinnen", sagt Fabian Wetter. Der 22-jährige Eickhorster steht mit Holstein Kiel sensationell im Viertelfinale des DFB-Pokals. Am nächsten Dienstag hofft er gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund auf die nächste Überraschung.
Im Sommer ist Wetter vom Klassenkonkurrenten TSV Havelse zu den "Störchen" an die Kieler Förde gewechselt. Es ist seine erste Station im Profi-Fußball, denn die Kieler sind kein normaler Viertligist. Das Umfeld ist sehr professionell und die Mannschaft ambitioniert. Das zeigen nicht nur die Pokal-Überraschungen. Auch in der Regionalliga Nord mischt Holstein Kiel kräftig vorne mit.
Info
Fakten:
Geburt: 30. März 1989 in Lübbecke.
Position: Linke Verteidigung/Linkes Mittelfeld.
Vereine: SC Hille (bis zur C-Jugend) SVKT (C- bis B-Jugend), Hannover 96 (B-Jugend bis A-Jugend), TSV Havelse (Januar 2008 bis 2009), SV Bavenstedt (2009 bis Januar 2010), TSV Havelse (Januar 2010 bis 2011), Holstein Kiel (seit 2011).
"Als Sportler ist man ja immer darauf bedacht, das Beste herauszuholen. Ich wäre im Sommer auch gerne in die 3. Liga gewechselt. Aber jetzt, wo ich nach einem halben Jahr weiß, wie das hier alles abläuft, kann ich nur sagen, dass es der absolut richtige Schritt für mich war, nach Kiel zu gehen. Hier haben wir Verhältnisse wie in der 2. Liga. Das ist perfekt", schildert der Eickhorster.
Gute Ausgangsposition hinter RB Leipzig
Die Norddeutschen wollen unbedingt wieder in den bezahlten Fußball. Allerdings steigt nur eine Mannschaft aus der Nordstaffel der Regionalliga auf. In der Tabelle steht die KSV Holstein nach der Winterpause mit 41 Zählern einen Punkt hinter RB Leipzig auf Platz zwei. "Das ist eine gute Ausgangsposition. Die hätten wir vor der Saison sofort unterschrieben. Wir wollen unbedingt aufsteigen und müssen am Ende eben zeigen, dass wir es mehr wollen als Leipzig", hofft Wetter, dass sein Team die mit zahlreichen Ex-Bundesliga-Akteuren gespickte Red-Bull-Elf rechtzeitig abfängt.
Für die Kieler ist der Aufstieg wichtiger als eine weitere Pokal-Sensation. Trotzdem hoffen sie auf ihre minimale Chance, auch noch den Deutschen Meister rauszuwerfen. In den kommenden Tagen geht der Blick ausschließlich Richtung Borussia Dortmund. "Das sind wunderschöne Bonus-Spiele für uns", freut sich Wetter schon auf ein restlos ausverkauftes Holstein-Stadion, Millionen Zuschauer am Fernseher und die prominenten Dortmunder Gegenspieler.
Beim Triumph in der ersten Runde über Energie Cottbus war der Linksfuß noch verletzt. Gegen den MSV Duisburg wurde er eingewechselt und hätte fast das 3:0 für die Kieler erzielt. Auch beim 2:0 gegen Mainz 05 kam er von der Bank. Am Dienstag gegen Borussia Dortmund könnte es mit seinem ersten DFB-Pokal-Einsatz von Beginn an klappen. In der Winter-Vorbereitung bekam Wetter viele Spielanteile und hat sich gut in die Mannschaft eingefügt."Ich war am Anfang der Saison verletzt und musste mich hier erst an das Tempo gewöhnen. Das ist bei einer Top-Mannschaft der Liga schon um einiges schneller als bei einem Team aus dem Mittelfeld", erklärt der Eickhorster. Und natürlich glaubt Wetter trotz des Klassenunterschieds, dass sein ambitioniertes Team auch gegen Dortmund seine Spielanteile bekommen wird. Vor großen Namen hat er zumindest keine Angst: "Ich mache mir über die einzelnen Spieler nicht so viele Gedanken."
Trotzdem ist die Partie gegen Dortmund eines der wichtigsten Spiele in seiner Karriere. Gegen den BVB hat er bisher nur in der Jugend gespielt. Ohne die Unterstützung seiner ganzen Familie hätte er es vielleicht nie so weit geschafft. "Als ich klein war hat meine Mama immer einen Ball dabei gehabt, sonst habe ich alle genervt. Meine großen Brüder und mein Papa haben mich beim Fußball ziemlich getriezt. Das hat mir weitergeholfen", meint Wetter. In der C-Jugend wechselte er vom SC Hille zur SV Kutenhausen-Todtenhausen. Opa Alfons fuhr ihn zum Training, Oma Maria wusch die Wäsche.
Wechsel nach Hannover der richtige Schritt
In der B-Jugend ging es dann zu Hannover 96. Der "richtige Schritt" sagt Fabian Wetter heute, auch wenn die Zeit in Hannover nicht immer einfach war. Der damals 16-Jährige wohnte zusammen mit einem Mannschaftskameraden. Der vom Verein angekündigte Betreuer sei aber nie in der Wohnung erschienen.
Während des letzten A-Jugend-Jahres ging er zum TSV Havelse und stieg mit dem Verein aus der Ober- in die Regionalliga auf. "Havelse ist wie meine zweite Heimat. Die Entfernung nach Eickhorst war super. Ich konnte immer mal schnell nach Hause oder zu meinen Kumpels fahren. Ich habe immer noch viel Kontakt nach Minden", erzählt Wetter.
Aus dem Kreis sind am Dienstag natürlich einige Freunde und Bekannte im ausverkauften Holstein-Stadion dabei. Vielleicht sehen sie die nächste Pokal-Sensation der Kieler. "Das wäre ein Traum. Wir gewinnen im Elfmeterschießen", sagt Fabian Wetter und grinst.
Doppelpass mit Fabian Wetter
Borussia Dortmund oder Bayern München?
Ich finde Dortmund ist auf jeden Fall die sympathischere Mannschaft, aber ich hätte noch lieber gegen Hertha gespielt. Die hätten uns bestimmt am ehesten gelegen.
Tennis oder Golf?
Auf jeden Fall Tennis, weil meine Freunde sich immer so schön aufregen, wenn sie verlieren. Golf nur mal, um ein paar Bälle zu schlagen. Das macht schon Spaß.
Audi oder BMW?
Autos interessieren mich eigentlich gar nicht. Im Moment fahre ich einen ziemlich alten, verbeulten Ford Fiesta.
Selber kochen oder Essen gehen?
Ich kann zwar ganz ordentlich kochen, aber trotzdem Essen gehen. Das Abwaschen nach dem Kochen nervt immer.
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