Andreas Braun: Lothar Matthäus war eher ein Mitläufer
Große Namen pflasterten den Profi-Weg / "Buffy Ettmayer ein ganz Verrückter"
VON MICHAEL LORENZ
Minden (much). Große Namen pflasterten seinen Weg: Andreas Braun aus Petershagen-Heisterholz spielte von 1978 bis 1982 beim Freiburger FC in der 2. Fußball-Bundesliga und davor in der deutschen Jugend-Nationalmannschaft. Dabei traf er auf nahezu alles, was im deutschen Fußball Rang und Namen hat.
In der Jugend-Nationalmannschaft etwa spielte er Seite an Seite mit dem jungen Herzogenauracher Lothar Matthäus. "Der war nicht schlecht, aber ich war damals besser als er", berichtet Andi Braun, "er war eher ein Mitläufer. Es war absolut nicht abzusehen, dass er einmal Weltmeister und sogar Weltfußballer werden würde. Aber er hat, weil er bei Adidas arbeitete, immer kleine Fußballschuhe und ähnliche Gimmicks mitgebracht."
Info
Geburt: 17. Januar 1960 in Freiburg.
Familienstand: Verheiratet, eine Tochter (23), ein Sohn (20).
Position: Linkes offensives Mittelfeld.
Vereine: Rhodia Freiburg (bis 1975), Freiburger FC (1975 bis 1982, SC Balingen (1982 bis 1984), SV Weil am Rhein (1984/1985), TuS Lörrach-Stetten (1985/1986). SV Kuppenheim (1986 bis 1988), SV Oberweiler-Friesenheim (1988 bis 1991), SV Diersberg (Spielertrainer, 1991/1992), Spvg Reichenbach (Spielertrainer 1992 bis 1994), SV Kürzell (wieder Spieler, 1994 bis 1998), SG Schamerloh (1998 bis 2007), SG Schamerloh Frauen (Trainer, 2005/2006 und seit 2011), Union Minden (Manager, 2006 bis 2008).
Statistik: 1978 bis 1981 2. Liga Süd, 1981/1982 2. Liga (eingleisig): 66 Spiele/7 Tore; DFB-Pokal: 7/1.
Der gebürtige Breisgauer Andreas Braun begann seine fußballerische Laufbahn bei Rhodia Freiburg, ein Verein, den sein Vater einst gegründete hatte. "ich bin auf dem Fußballplatz groß geworden", schildert der Linksfuß. In der B-Jugend wechselte er zum Freiburger FC, damals der größere der beiden Freiburger Klubs neben dem SC Freiburg, bei dem seinerzeit ein gewisser Joachim Löw kickte.
Nachdem Braun in einer Saison 72 Tore erzielt hatte, wurde der Deutsche Fußball-Bund hellhörig: Er erhielt vom damaligen Jugendtrainer Bernd Pfaff eine Einladung zum Länderspiel in Wolgograd in der damaligen UdSSR.
"Mönchengladbach wollte mich haben"
Unter seinen Mitspieler waren neben dem späteren "Loddar" mehrere Akteure, die man später in der Bundesliga bewundern durfte: Im Tor stand Eike Immel, dessen Vorderleute hießen unter anderem Armin Veh, Roland Dickgießer und Johnny Otten. Spätere Mitspieler waren Fred Schaub, der Kölner Stefan Engels ("der war total arrogant"), Rigobert Gruber oder Thomas Schaaf. "Aber der mit Abstand beste hieß Hans Weecks und kam vom MSV Duisburg", so Braun, "den kennt heute kein Mensch mehr."
"In dieser Phase hatte ich etliche Angebote", erinnert sich der heutige Vorsitzende des Tischtennisvereins TTC Petershagen/Friedewalde: "Kein Flachs: Borussia Mönchengladbach wollte mich haben, aber mein Vater hat gesagt: Du machst erstmal deine Ausbildung fertig. Das war damals bei uns in Freiburg so. Die Gladbacher haben dann Matthäus geholt. Auch Schalke 04, Bayern und 1860 München wollten mich. Bei den Sechzigern saß ich schon im Bus und wollte unterschreiben, doch mein Vater hat mich da wieder rausgeholt."
So blieb er in der Heimat. Am 11. November 1978 debütierte Braun als A-Jugendlicher im Südwest-Derby beim 1. FC Saarbrücken. Genau erinnern kann er sich noch an ein Spiel vom 15. September 1978 gegen die Stuttgarter Kickers mit Karl Allgöwer, das 3:3 endete. "Da habe ich Guido Buchwald schwindelig gespielt."
Im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt hatte er ein einschneidendes Erlebnis: Werner Lorant traf ihn mit dem Schuh am Kopf, Braun lag verletzt am Boden. "Aber der Bernd Hölzenbein hat den Ball fair ins Aus gespielt." Ein weiterer DFB-Pokal-Höhepunkt war eine Partie gegen Bayern München mit Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Augenthaler, auch die Offenbacher Kickers mit Mittelstürmer Rudi Völler hatten Braun und der Freiburger FC zum Gegner.
Vier Jahre spielte er mit dem FFC häufig vor 12 000 Zuschauern vor ausverkauftem Haus im heimischen Mösle-Stadion, und auch hier erlebte Andi Braun so einiges. Star der Mannschaft war der legendäre Österreicher Johann Ettmayer, den alle nur "Buffy" nannten – eine schillernde Figur mit beachtlicher Leibesfülle und knallhartem Linksschuss. "Der Buffy, das war ein ganz Verrückter. Der hat vor 20 000 Zuschauern Elfmeter mit der Hacke geschossen. Der brauchte im Eiscafé nur die Hand zu heben und schon kam ein Riesentablett mit Eis."
Mit Jogi Löw bei Arminia im Vip-Raum
Braun gab schließlich dem beruflichen Weiterkommen den Vorrang und spielte in der Oberliga, später in der Verbandsliga. In dieser Phase schrieb die "Lahrer Zeitung" über ihn: "Braun trifft per Ansage das linke Auge einer auf der Latte sitzenden Fliege".
1998 verschlug es ihn mit seiner Familie nach Minden, er baute eine Versicherungsfiliale auf und wohnt seitdem in Heisterholz. Er ist mittlerweile merklich fülliger geworden als zu seiner Freiburger Zeit. Als er bei einem Bundesligaspiel von Arminia Bielefeld gegen Bayern München im Jahr 2009 im Vip-Raum Joachim Löw begegnete, fragte er: "Jogi, kennscht mi noch?" Der Bundestrainer entgegnete: "Andi! Hascht a Ball verschluckt?"
Doppelpass mit Andreas Braun
Späzle oder Grünkohl?
Ganz klar Späzle. Meine Frau macht sie selbst und die sind unübertroffen.
Schwarzwald oder Heisterholzer Forst?
Schwarzwald. Dort ist es wirklich traumhaft schön, wie man es aus der Schwarzwaldklinik kennt. Wir machen immer noch Urlaub dort.
Tannenzäpfle oder Barre-Bräu?
Auch da muss ich sagen: Tannenzäpfle. Ich habe es sogar als feste Biermarke in meiner Tischtennis-Mannschaft etabliert.
Fußball oder Tischtennis?
Oh je, das ist ganz schwer. Ich trainiere ja immer noch die Schamerloher Oberliga-Frauen, aber da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr Fußball spielen darf, sage ich mittlerweile: Tischtennis.
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