AKTUELL KOMMENTIERT
Thomas Gerstner hat scharf geschossen. Vom ersten Tag seiner Amtszeit bei Arminia Bielefeld an polarisierte der neue Trainer. Nur als Meister wollte er aufsteigen und seine kurze Vertragslaufzeit kommentierte er pointiert: "Mein Vertrag läuft über ein Jahr und verlängert sich automatisch mit dem Aufstieg. Gehen Sie also davon aus, dass ich länger als ein Jahr bleibe."
Zu Anfang seiner Amtszeit war das befreiend, denn nach dem verbalen und spielerischen Catenaccio von Michael Frontzeck war Gerstner ein belebendes Element für einen lethargischen Klub. Spaß gemacht haben die flotten Sprüche jedoch nur so lange, wie den blumigen Worten keine Taten folgen mussten.
Nun ist das Kapitel Gerstner vorzeitig beendet und die sportliche Bilanz ist niederschmetternd. Dabei ist die Punkteausbeute das geringere Übel, denn noch immer haben die Ostwestfalen den Relegationsplatz in Schlagweite. Viel dramatischer ist die spielerische Stagnation. Die Arminia wartet noch immer auf den ersten wirklich überzeugenden Heimauftritt der laufenden Spielzeit, denn selbst gegen Kontrahenten aus den Niederungen der Tabelle war spielerische Dominanz reines Wunschdenken.
Gegen Karlsruhe ließ das Team den Trainer nun endgültig im Regen stehen, und der verschoss seine letzte Patrone. Gerstner warf den Spielern "Arroganz" und "mangelnde Qualität" vor und blieb damit er seiner Linie treu: Der Coach ist keiner, der leise abtritt oder die Konfrontation meidet. Mit dem Frontalangriff auf sein Team blieben nur noch zwei Optionen: Entweder hätte die Brandrede neue Kräfte freigesetzt oder ihm viel Freizeit verschafft. Beides hat er einkalkuliert. Dass seine Mission in Bielefeld nun endet, wird der Zocker Gerstner verschmerzen - spätestens, wenn der Rauch verzogen ist.































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