Italiens Botschafter spricht vor Industrie- und Handelsclub Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld
Rund 1800 italienische Firmen seien bereits in Deutschland ansässig, darunter zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen. In Italien gebe es 1400 Unternehmen, die vom "deutschen Kapital kontrolliert werden". Die Zusammenarbeit beider Länder sei ausgezeichnet, lobte der Diplomat, der auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe sprach.
Nach Angaben des Botschafters kann die neue italienische Regierung unter der Leitung des ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti mit ihrer bisherigen Arbeit zufrieden sein. In "relativ kurzer Zeit" sei es nicht nur gelungen, die politische Kultur in Italien zu verändern, sondern auch ein strenges Sanierungsprogramm auf den Weg zu bringen. Obwohl die Bevölkerung "bittere Pillen schlucken musste", habe Ministerpräsident Monti gezeigt, dass "mit harter Disziplin gute Resultate möglich" seien.
"Keine Alternative zum deutschen Vorbild"
Bei den politischen Parteien, bei den Gewerkschaften und auch in der Öffentlichkeit bestehe eine breite Zustimmung zur Sparpolitik der Regierung. "Die Situation heute in Italien ist besser als die Situation, die wir vor noch vor einem halben Jahr hatten", erläuterte Valensise den rund 100 Zuhörern im Bielefelder "Lessinghaus".
Als konkretes Beispiel für den Reformkurs in Rom verwies der Diplomat insbesondere auf die Reform des Arbeitsmarktes. Hier müsse es im Dialog mit den Gewerkschaften zu mehr Liberalisierung und Flexibilität kommen.
Neben einer strengen Haushaltsdisziplin und der Notwendigkeit, die öffentlichen Ausgaben zu kürzen, müsse gleichzeitig aber auch mehr Wachstum erreicht werden, betonte Valensise in fließendem Deutsch und warb für "dynamische Märkte" in Europa.
Die Schuldenkrise habe Europa verändert. Sie sei eine große Herausforderung und Chance zugleich, die Zusammenarbeit innerhalb Europas zu überdenken und auszubauen, sagte der Botschafter. Zum "europäischen Modell" als Weiterentwicklung des "modello tedesco" (das deutsche Vorbild) gebe es keine Alternative. Europa sei ein "führender Stern", der auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine klare Orientierung biete.
"Experiment Monti" wird zu einem Erfolgsmodell
Die Regierung Monti mit ihren "überparteilichen Persönlichkeiten" werde voraussichtlich bis zu den Wahlen Mitte 2013 im Amt sein, sagte Valensise, der seit Juli 2009 Italiens Mann in Berlin ist. Für ihn stehe bereits jetzt fest, dass sich die neue Sparkultur in seinem Heimatland über den nächsten Wahltermin fortsetzen werde. Das "Experiment Monti" habe viele Hoffnungen erweckt und entwickele sich zu einem Erfolgsmodell.