Anke Schäferkordt zieht in Bertelsmann-Vorstand ein und wird die mächtigste Medienmanagerin
Und die beginnt am 19. April. Dann wird die gebürtige Lemgoerin nicht nur in den Vorstand der Bertelsmann AG einziehen, sondern zugleich gemeinsam mit dem Ex-Pro-Sieben-Sat-1-Chef Guillaume de Posch die Geschäftsführung der RTL-Gruppe übernehmen. Die beiden Nachfolger von Gerhard Zeiler werden damit den größten TV-Konzern Europas (12400 Mitarbeiter, 47 TV- und 29 Radiostationen) führen.
Am 18. April muss die Hauptversammlung der RTL-Gruppe die Personalien noch absegnen. Da der Bertelsmann-Konzern 90 Prozent an RTL hält, gilt die nötige Mehrheit aber als sicher. Die Aktionäre müssen auch die neue Besetzung des Verwaltungsrates der RTL-Gruppe beschließen. Für Zeiler sollen gleich drei operative Manager nachrücken: Schäfercordt, de Posch und Finanzvorstand Elmar Heggen.
"Sie führt sehr präzise und mit Leidenschaft"
Die 49-jährige Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland und des Senders RTL arbeite viel, führe sehr präzise und mit Leidenschaft, heißt es in ihrem Umfeld. Selbst am Wochenende sehe die kinderlose Managerin haufenweise Videos, um neue Formate zu sichten. Sie lebt in einer Kölner Altbauwohnung. Schäferkordt bittet nicht zur Homestory. Sie legt keinen Wert auf glamouröse Auftritte im Rampenlicht. Dabei ist gerade das Geschäft der Privatsender so schillernd.
Vox erfolgreich saniert - Sparkur für RTL-Gruppe
Doch Schäferkordt kommt vom platten Land. Ausgerechnet da hat sie gelernt, wie man das Publikum bei Laune hält. Im väterlichen Gasthaus "Tannenhof" gab es auch eine Jukebox, die Schlager dudelte. "Ich habe damals gelernt: Was alle hören wollen, kann nicht zu 100 Prozent auch meinem eigenen Geschmack entsprechen", sagte die Managerin, die eigentlich Tierärztin werden wollte.
Schäferkordt genieße im Unternehmen eine hohe Akzeptanz, heißt es. Der Erfolg gibt ihr Recht. Bei Vox steigerte sie die Einschaltquote beim jungen Publikum von 1,4 Prozent (1993) auf 6,4 Prozent (2005). Sie sanierte den Privatsender, der Millionenverluste machte, zum hoch profitablen Spartenkanal ("Ally McBeal", "CSI: Miami"). Als RTL-Deutschland-Chefin verpasste sie der Gruppe eine unpopuläre Sparkur, entließ auch RTL-Manager und machte das Unternehmen vor der Wirtschaftskrise fit. Auch hier steigert sie die RTL-Quote seit 2005 von 16 auf 18,4 Prozent. Bis 2010 hat sie den Vorsteuergewinn (Ebita) von 240 Millionen (2005) auf 551 Millionen Euro gut verdoppelt, lieferte rund 50 Prozent des Gruppengewinns (rund 1,13 Mrd. Euro).
Wie de Posch (er gilt als harter Zahlenmensch mit vielen Kontakten im internationalen TV-Geschäft) und Schäferkordt ihre Aufgaben aufteilen werden, ist noch offen. Schäferkordt bleibt in Köln, wird sich um das deutsche TV-Geschäft der Gruppe kümmern (2011: 1,9 von 5,76 Mrd. Euro Gruppenumsatz). Für de Posch bliebe damit der große Rest. Für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sind beide "erstklassig".