Das sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe Arnold Weßling gestern bei einem Pressegespräch in Bielefeld. Die Bauern beklagen, dass Äcker und Weiden zugunsten von Straßen, Gewerbe- und Naturschutzgebieten verloren gingen.
Auch der Bau von Hochspannungstrassen gehe auf Kosten der Landwirte. "Wir verweigern uns nicht Dingen, die notwendig sind", sagte Weßling. "Was wir aber nicht akzeptieren, ist ein massiver Eingriff in die Eigentumsrechte." Eine vorzeitige Enteignung zur Verfahrensbeschleunigung beim Bau von Stromtrassen sei nicht akzeptabel. Zudem sei dafür Sorge zu tragen, dass die Trassenplanung dem Bodenschutz Rechnung trage.
Man sei durchaus diskussionsbereit, sagte Weßling: "Aber wir wollen frühzeitig über Planvorhaben reden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden." Der Verband spricht von einem Flächenverlust von 17 500 Quadratmetern pro Tag in Ostwestfalen-Lippe. Insgesamt sei in den Jahren 2001 bis 2011 die Größe der hiesigen Landwirtschaftsfläche von 3,8 Milliarden Quadratmeter um 64 Millionen Quadratmeter zurückgegangen, so Weßling. Er fordert: "Wir brauchen ein Flächenschutzprogramm für die Landwirtschaft."
Heinrich Kemper, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbands OWL, forderte, dass innerstädtische Brachflächen verstärkt ins Visier genommen werden müssten, um dort zu bauen, anstatt landwirtschaftliche Nutzflächen zu beanspruchen. "Es gibt Industriebrachen, die ungenutzt sind."
Verband verteidigt Einsatz von Antibiotika
Entschieden spricht sich der Bezirksverband gegen einen Nationalpark Teutoburger Wald-Senne aus. Weßling: "Wir wollen den Teutoburger Wald nicht vergammeln lassen, indem wir ihn sich selbst überlassen." Stattdessen solle er nachhaltig genutzt werden. "Darüber hinaus lehnen wir auch die Ausweisung als ein Biosphärenreservat ab", sagte Weßling weiter. Die Mindestgröße eines solchen Reservats betrage 30000 Hektar, der geplante Nationalpark sei aber nur 20000 Hektar groß. Der Berufsstand habe Sorge, dass in der Folge landwirtschaftliche Fläche für einen Teil der restlichen 10000 Hektar herhalten müsse.
Auch die Tierhaltung war Thema beim Pressegespräch. Weßling verteidigte den Einsatz von Antibiotika. Dies sei eine "therapeutische Notwendigkeit". Kranke Tiere müssten behandelt werden. Weßling kritisierte in diesem Zusammenhang Tierschützer. Ihnen fehle oft das Grundverständnis im Umgang mit Nutztieren.
Insgesamt zeigten sich die Landwirte zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr (diese Zeitung berichtete am 14. Januar). Weßling wies darauf hin, dass die erneuerbaren Energien ein immer wichtigeres Standbein für die Landwirtschaft würden. 70 Prozent der erneuerbaren Energien würden aus Biomasse gewonnen. Auf rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche würden mittlerweile entsprechende Rohstoffe angebaut. Paradox aus Sicht der Landwirte: Das Getreide, das zur Energie-Gewinnung benutzt wird, sei mehr wert als das zur Nahrungsproduktion. Weßling: "Das ist Ausdruck der Märkte, auf denen Nahrung preiswerter ist als Energie."