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27.01.2012
Eon Westfalen-Weser zu verkaufen - Bürgermeister sind sehr gespannt
Reaktionen in den Rathäusern auf Eon-"Überraschungsei" aus Paderborn und Herford
VON HARTMUT NOLTE

Minden/Hille/Petershagen/Porta Westfalica (hn). "Überrascht" und "abwarten" waren die meistgebrauchten Vokabeln der heimischen Bürgermeister, die das MT zur Nachricht von den Eon-Verkaufabsichten befragte.

Wer soll Herrscher der Netze werden? MT-Archiv | foto: M. Otto

Denn die Kommunen des ehemaligen Kreises Minden sind immer noch Partner des Energiekonzerns als Anteilseigner am Besitzer der Strom- und Gasnetze, Eon Westfalen Weser AG (EWA).

Die Eon Energie AG in München hält daran 62,8485 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte, 37 kommunale Anteilseigner zwischen Delbrück und Wunstorf, Rödighausen und Bad Eilsen das restliche Drittel. Der gesamte Marktwert wird auf 500 Millionen Euro geschätzt.

Von den heimischen hat die Gemeinde Hille (über ihre WBG Beteiligungsgesellschaft) mit 1,4582 Prozent den viertgrößten Anteil. Die Städte Bad Oeynhausen (über ihre Stadtwerke) 1,2377, Minden (über die Mindener Hafen GmbH) 1,1957 und Porta Westfalica über die Badezentrums GmbH) 0,8824. Der Kreis Minden-Lübbecke hatte seine Anteile komplett an Eon verkauft.

Für die Stadt Porta Westfalica kommt hinzu, dass EWA mit 12,5 Prozent an den Stadtwerken beteiligt ist, die ihrerseits als Gas- und Stromlieferant (Blaustrom) in Konkurrenz zur EWA-Vetriebsgesellschaft auftreten (siehe Fakten).

"Überrascht", war die einhellige Bürgermeister-Reaktion auf den Aufmacher-Artikel im MT am gestrigen Frühstückstisch, wobei Portas Stadtoberhaupt Stefan Böhme, "eigentlich mehr über den Zeitpunkt" erstaunt war. Mindens Bürgermeister Michael Buhre war vorgestern von seinem Herforder Kollegen Bruno Wollbrink vorinformiert worden, aber Details kenne er noch nicht. "Es zeugt nicht von Partnerschaft auf Augenhöhe, wenn man das aus der Zeitung erfährt", sagte Buhre gestern zum MT. Dass die Städte Paderborn und Herford (Kapitalanteil zusammen 21,2 Prozent) das forcierten, lasse sich aus der Pressemitteilung ablesen.

Auch über den Fortgang waren sich die Bürgermeister einig: Abwarten. Zumindest bis zum 2. Februar, wenn die kommunalen "Kleinaktionäre" zur Sitzung nach Bielefeld gebeten werden. Dort erhoffen sie sich mehr Aufklärung, denn diese Situation sei "ein sehr umfangreiches Themenfeld", wie Petershagens Stadtoberhaupt Dieter Blume sagte. Michael Schweiß, Gemeindechef in Hille, sieht erheblichen Gesprächsbedarf mit Eon, mit den Wirtschaftsberatern und in den kommunalen Gremien.

Einig sind sich die führenden Kommunalpolitiker auch darin, dass die Verkaufsabsicht und das Kaufangebot Chancen und Risiken enthalte und eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffne.

Von der Beibehaltung der jetzigen Anteilhaberschaft an einer neuen Gesellschaft bis zum Verkauf der Anteile, die allerdings nicht einfach ist, weil sie zunächst den Mitgesellschaftern angeboten werden müssen, so wie Eon jetzt seine knapp 63 Prozent den kommunalen Kapitaleigentümer anbietet.

Für Mindens Bürgermeister ist die Eon-Absicht klar. Die Stadt werde "sehr genau ihre Interessen formulieren, auf die Werthaltigkeit der Anteile und ihrer Erträge genauso achten wie auf Versorgungssicherheit und ökologische Verantwortbarkeit."

In den Rathäusern in Paderborn und Herford sieht man das nicht so nüchtern: Die Rekommunalisierung sei eine große Chance, sichere Arbeitsplätze und könne Modellcharakter bekommen. Aber von den Kosten noch kein Wort.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 26.01.2012 um 23:08:17 Uhr

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Kommentare
Ich frage mich, welches Interesse die Stadt Minden an einer Sicherung deR Unternehmensstandorte in Paderborn und Herford haben sollte. Man möchte ja gerade erreichen, dass Unternehmens- und Investitionsentscheidungen in die Netze, die Energieproduktion und den Vertrieb wieder/ bzw. erstmals hier vor Ort in Minden getroffen werden. Von daher kann ich die Skepsis von Michale Buhre sehr gut verstehen. Ich würde der Gründung eigener Stadtwerke mit einem kommunalem Partern (z.B. Stadtwerke Hameln) und einer späteren Rekommunalisierung der Mindener Energienetze eindeutig den Vorzug geben.
Das die Bürgermeister von Herford und Paderborn hier ihre Interessen vertreten ist klar und auch verständlich, dass müssen aber noch lange nicht die Interessen der Stadt Minden sein.

Eine interessante Option wäre natürlich noch, wenn man ein gemeinsames Stadtwerk Minden-Lübbecke gründen würde, dass auch alle Energienetze betreibt.

"Abwarten" ist wohl die Lieblingsbeschäftigung unseres Bürgermeisters!

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Eine Rekommunalisierung der Netze lastet den überschuldeten Kommunen sämtliche Risiken des heutigen Strommarktes auf! Natürlich ist das ein Prestigeprojekt für die Bürgermeister, die bei so etwas gerne mal den Kopf ausschalten, wie es scheint. Vielversprechend ist allein der Vertrieb und das ist nun wirklich nicht die Aufgabe der Kommunen! So gerne sich hier viele wohl die "guten alten Zeiten" mit teurem Strom zurückwünschen - sie sind vorbei und kommen nicht wieder!


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