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26.01.2012
Eon Westfalen-Weser zu verkaufen - Trennung nun endgültig besiegelt
Düsseldorfer Konzernspitze bietet Regionalgesellschaft den Städten und Gemeinden zum Kauf an
VON HARTMUT BRAUN

Minden/Herford (nw). Der deutsche Energie-Riese Eon AG will sich von seiner kleinsten Regionalgesellschaft Eon Westfalen-Weser AG (EWA) trennen. Die Düsseldorfer Konzernspitze bietet das Unternehmen den Städten und Gemeinden des EWA-Netzgebietes zum Kauf - und diesen damit die Chance zur "Rekommunalisierung".

Eon Westfalen-Weser steht zum Verkauf. | Foto: dpa-Archiv

Gerüchte über Verkaufsabsichten des Konzerns, der in Deutschland kurzfristig 6000 Arbeitsplätze abbauen will, gibt es schon länger. Genährt werden sie dadurch, dass sich auch Konkurrent RWE gerade von Beteiligungen an Regionalversorgern trennt. Offiziell gab es bislang keine Bestätigung dafür. Erst heute soll die Nachricht auf einer Pressekonferenz der Stadt Herford verkündet werden. Gestern informierte der Herforder Bürgermeister Bruno Wollbrink (SPD) Kollegen in benachbarten Kommunen über die Offerte. Preise werden nicht genannt.

Der Wert des Unternehmens dürfte bei über 500 Millionen Euro liegen. Die Stadt Herford hatte noch bis vor wenigen Tagen mit Eon über die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft verhandelt. Damit wollte der Konzern in Herford im Stromnetz-Geschäft bleiben und Kommunalisierungsabsichten abwehren.


Dieses Konzept, das Eon als "Herforder Modell" auch anderen Städten des Netzgebietes anbot, ist nun vom Tisch. Jetzt können die Kommunen statt ihrer örtlichen Verteilanlagen gleich das ganze Unternehmen übernehmen. Sie müssen sich allerdings einig sein. Ein Verkauf der Aktien an Dritte ist zunächst nicht möglich.

Das Angebot ist offenbar Teil einer grundlegenden Umstrukturierung im größten deutschen Energiekonzern. Eon will sich auf profitablere Bereiche, vor allem im Ausland, konzentrieren. Gewinne aus der Stromverteilung werden von der Bundesnetzagentur reguliert und begrenzt. "Die haben den Spaß an der Region OWL verloren und wollen ihr Engagement hier jetzt noch zu Geld machen", analysiert ein Kenner der Branche.

Eons ostwestfälische Dependance hatte zuletzt in lippischen und Kommunen im Raum Hameln die Konzession zum Betrieb von Stromnetzen an örtliche Stadtwerke verloren. Weitere Stadträte haben Beschlüsse gefasst, die Stromverteilung selbst zu betreiben. Aus dem einst fast geschlossenen Netzgebiet, das von Salzkotten und Wünnenberg bis vor die Tore Hannovers nach Wunstorf reicht, drohte ein Flickenteppich zu werden.

Durch Verschmelzung Eon Westfalen-Weser

Eon Westfalen-Weser ist 2001 durch die Verschmelzung der regionalen Energieversorger EMR (Herford), Wesertal (Hameln/Detmold) und Pesag (Paderborn) entstanden. Die Gesellschaft betreibt neben Strom- in Teilgebieten auch Gas- und Wassernetze. Der Stromvertrieb ist an eine Tochtergesellschaft ausgelagert; Eon will ihn bundesweit zentralisieren. Neben der Eon AG, die 63 Prozent der Anteile hält, sind mehr als 30 Kommunen der Region Gesellschafter. Die Städte Herford und Paderborn, die ihre Beteiligung gebündelt haben, halten rund 21 Prozent. Reaktionen auf die Eon-Offerte gibt es noch nicht.

Zu den offenen Fragen gehört, ob eine rekommunalisierte Eon Westfalen-Weser im jetzigen Zuschnitt erhalten bleibt oder auf die Netzgebiete der drei Vorläuferfirmen zurück geschnitten wird.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 25.01.2012 um 23:38:44 Uhr

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Kommentare
Effektiv ist nur die Netztochter der EWA interessant und dieses zu übernehmen kostet schon eine schöne Summe. In den Gedankenspielen einiger Kommunen geht es erstmal nur um den Rückkauf der Netze und irgendwann mal den Einstieg in die Stromproduktion bzw. Vertrieb. Die Netzgesellschaft die man in Herford gründen wollte, war natürlich ein schöner Schachzug von eon, denn damit hätte man sich andere Anbieter erstmal vom Hals gehalten.

Der Zug der alten EMR-Zeiten ist längst abgefahren. Das bekommst du auch durch Rekommunalisierung nicht wieder zurück.
Es wird anders, aber nicht wieder so wie früher.

Das wäre das größte...Die schönen alten EMR Zeiten zurück!!!

@Horsti
genau da liegt ja das Problem ... Die Bevölkerung weiss gar nicht, dass es bei der Rekommunalisierung nur um das reine Stromnetz geht. Und wir nichts mit Strompreisen zu tun haben. Dafür sind die Vertriebsgesellschaften zuständig.

Und wer meint mit Rekommunalisierung wird der Strom günstiger, dem kann ich nur sagen dass das vöööliuger Unsinn ist. Denn ich kann auch jetzt schon den günsttigsten Anbieter auswählen. Völlig egal wem das Stromnetz gehört. Und es wird auch immer Stromanbieter geben, die günstiger sind als die Stadtwerke. Mit dem Argument wollen die Kommunen die Leute nur blenden.

@ max
Der Netzbetrieb der EWA hat NICHTS mit dem Vertrieb der Stromprodukte zu tun, wenn dieser mit Deiner Äußerung gemeint ist. Bitte vorher informieren. Informationen dazu sind im EnWG verankert.



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