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07.05.2011
Plädoyer für die Rente mit 69
Meinhard Miegel beim IHK-Treffpunkt
VON MARTIN KRAUSE

Bielefeld (nw). Zu Goethes Zeiten war der Mensch jenseits der 50 bereits ein Greis. Heute hingegen beginnt das Greisenalter erst mit 85 oder 90 Jahren. Der dies behauptet, hat schon ein wenig Erfahrung mit dem Älterwerden: Der Jurist und Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel ist immerhin 72.

Prof. Dr. Meinhard Miegel | Foto: nw

Als Vorstandschef führt er das Denkwerk Zukunft in Bonn (Stiftung kulturelle Erneuerung), und zu seinen Kernthesen gehört, dass das deutsche Renten- und Sozialversicherungssystem überholt ist.

Als Gast der IHK Bielefeld ("Treffpunkt") vertrat Miegel jetzt die Forderung nach einer kräftig verlängerten Lebensarbeitszeit: "Das Renteneintrittsalter könnte heute sachgerecht bei 69 Jahren liegen", sagte Miegel. Der langjährige Weggefährte des CDU-Politikers Kurt Biedenkopf vertritt die Auffassung, dass die wachsende Lebenserwartung nicht einfach der Rentenphase zugeschlagen werden sollte: Die Leute bleiben heute länger jung, Gesundheit und Schaffenskraft bleiben erhalten. "Ältere können im Beruf in vielen Bereichen problemlos mithalten."

Keinen Zweifel hat Miegel daran, dass die Gesellschaft dies auch nutzen muss, denn durch die demographische Entwicklung werde die Arbeitslast auf immer weniger - allzu wenige - Schultern verteilt. Mit seiner zentralen Botschaft stieß Miegel in Bielefeld nur auf wenig Widerstand. Ingrid Sehrbrock (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, äußerte allerdings Zweifel, ob jeder Dachdecker es mit 69 noch bis aufs Dach schaffe.

Rente "keine gewährte Alimentierung durch Dritte"

Auch der Unternehmer Wolf D. Meier-Scheuven (Boge) zeigte sich skeptisch, ob ein 65-Jähriger in der Industrie noch so produktiv sein könne wie ein 20-Jähriger, und er stellte die Frage nach dem Preis, der stets die Nachfrage (auch nach Arbeit) bestimme. Der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser (66) bekannte, dass er persönlich durchaus für Rente mit 69 sei. Entschieden wehrte er sich aber gegen Miegels Feststellung, dass im deutschen Rentensystem "Millionen Menschen ohne sachliche Notwendigkeit der kollektiven Fürsorge anheimgestellt" würden. Die Rente sei keine gewährte Alimentierung durch Dritte, sondern sie entspringe einem durch Beitragszahlungen erworbenen Anspruch. Grundsätzlich mahnte Abelshauser die Wirtschaft, weniger auf geringe Löhne zu setzen und mehr auf den Standortfaktor Bildung und Know-how.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 06.05.2011 um 21:16:22 Uhr

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Kommentare
@ Sven. Ich bin aufgewacht und was die Politiker erzählen sind Lügen, Lügen und noch mal´s Lügen. Wußtest Du das Politiker demnächst Nebeneinkünfte bis 9999 Euro nicht mehr offen legen müssen, egal wieviel mal und von wem sie diese Summe im Monat beziehen? Ich stehe hinter den anderen Leserbriefen und besonders hinter weißnix. Es wird Zeit das es wieder heißt ALLE MACHT DEM VOLKE, bzw. DEM VOLKE DIENEN, schließlich sind es ja Staatsdiener und wir nicht deren Sklaven. Was bleibt einem den außer persönliche Diffamierung mit soviel Wut und Zorn im Bauch übrig. Es wird Zeit das etliche Politiker und Konsorten aus dem Land gejagt werden damit sie "Schuhe und Strümpfe" verlieren. Andere sagen man sollte sie mit den Füßen zuerst aufhängen und dann Salz und Pfeffer in den Arsch streuen. Schau mal was auf deinem Personalausweis steht, ja, PERSONAL, du, ich und alle anderen gehören dem Staat. Sonst könnte es ja auch Bewohnerausweis oder Bürgerausweis heißen. Wir habe hier keine Recht in Deutschland, der mit dem dicksten Geldsack gewinnt und das sind die reichen Säcke da oben.

@ Sven. Ich hab da nen Vorschlag, Ab Renteneintritt werden alle Leistungen der Krankenkasse eingestellt und es wird verboten Rentner in Krankenhäusern zu behandeln. Wir geben statt dessen die ultimative Pille (mit Sterbegarantie) raus. Und schwupp hast du keine Probleme mehr.
Hast du schon mal daran gedacht ,wer dir es ermöglicht hat zur Schule zu gehen ? Oder deine Kinder mitzuversichern ( Krankenkasse) und ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen? Hoffendlich hast du noch keine Sozialleistungen wegen einem Unfall bezogen, denn dann ist dein Konto auch bald überzogen. Alle Arbeitnehmer haben zu ihrer Schaffenszeit eingezahlt. Daß da dann nichts ist, haben die Politiker zu verantworten. Wenn es deine Überzeugung ist den Solidaevertrag zu kündigen ? dann bin ich auch dabei. Hurra es lebe das Gesetz des Stärkeren.
Ich bin alter Sozialdemokrat und weiß das es schwierig ist bei diesem Thema nicht zu polarisieren, doch tu mir bitte den Gefallen und denk mal nach ehe du in meinen Augen "Stammtischparolen" verbreitest. Ich glaube kaum, das du ewig jung bleibst und du wirst auch dann merken, das Rentner keine Bittsteller sind , sondern vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft.

Bei allem Respekt an die Kommentarschreiber zuvor: Ihnen wird ja auch klar sein, dass wenn Sie nach dem Renteneintrittsalter noch 15-20 Jahre leben, dies von der arbeitenden Bevölkerung erwirtschaftet werden muss. Früher ist man zeitnahe nach dem Renteintrittsalter gestorben - System somit finanzierbar. Ausserdem kamen genug Junge nach, die in das Berufsleben eingestiegen sind.
Was ist die Lösung? Entweder, die Rente wird drastisch gekürzt oder das Renteneintrittsalter wird hochgezogen. Ich stimme Ihnen zu, dass der pychische Druck mit früher überhaupt nicht zu vergleichen ist und mir auch Angest und Bange wird, einen 7 Jährigen Dachdecker auf den Bau zu schicken.

Auf Pump leben auf Kosten der Kinder ist ja wohl völlig inakzeptabel wie in der Vergangenheit.
Übrigens: Persönliche Diffamierung gegen Miegel bringen uns nicht weiter. Das schreibe ich nicht, weil ich Ihn so mag. Sondern nur, weil er leider die bittere Wahrheit ausspricht....

Warum müssen Bäume sterben um über solche Leute noch Nachrichten zu schreiben ? Und warum geht nicht langsam uns die Hutschnur hoch? Wenn solche Leute behaupten wir sollten noch bis 70 arbeiten, geht denen das doch nur darum uns früher kaputt zu schreiben, uns noch mehr von der Rente abzuziehen und wenn wir nicht mehr können ?! Ab Harz 4 ( bald schon Hals ab) mit 67+ ???? Alle diese Dummschwätzer bekommen dann auch noch Geld für ihre Vorträge .. Ich glaub mir wird übel. In Frankreich würden alle 5 Minuten die Autobahnen blockiert und die Griechen zünden dann gleich mal ihre Banken an. Da traut man sich nich. Aber wir Deutschen, mit denen kann man es ja machen. Danke für Garnichts

Die Generation der superfitten Rentner (wie Herr Meinhard) ist sich offenbar des psychischen Druckes gar nicht bewusst, dem Arbeitnehmer heute ausgesetzt sind. Leistungsdruck / Ständige Angst um den Arbeitsplatz / Befristete Verträge etc.. Die psychischen Erkrankungen nehmen rasant zu. Warum wohl? Wenn auch vielleicht nicht körperlich (von Bauarbeitern etc. mal abgesehen) sind die allermeisten dann doch bereits seelisch mit 60 am Ende! Rente mit 69 (und auch schon mit 67) wird nicht funktionieren und ist nur ein Versuch der Rentenkürzung durch die Hintertür!!



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