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15.01.2011
"Landwirte erneut die Leidtragenden"
Bauernpräsident Möllers verärgert über kriminelles Verhalten einzelner Akteure / Enormer Imageschaden befürchtet
VON THOMAS TRAUE

Münster (mt). Klare Kante: Westfalens Bauernpräsident Franz-Josef Möllers nimmt kein Blatt vor den Mund. Im aktuellen Dioxin-Skandal seien die Landwirte erneut die Leidtragenden von Missständen im Futtermittelsektor, sprudelt seine Verärgerung über die Panscherei nur so aus ihm heraus: "Es ist eine bloße Sauerei, die da gelaufen ist", schimpft er beim Jahrespressegespräch des westfälisch-lippischen Verbandes (WLV) in Münster.

Dioxin im Futter: Allein im Kreis sind 175 Betriebe, zum Großteil in der Schweinemast, betroffen.

"Es muss kriminelle Absicht einzelner Akteure dahinter gesteckt haben. So viel Blödheit kann nicht gehen", platzt Möllers der Kragen. Der Schaden für die einzelnen Höfe lasse sich noch nicht genau ermitteln. Zu befürchten sei ein "immens hoher Imageschaden" für die Agrarbranche. Schon jetzt seien sinkende Erzeugerpreise zu beobachten. Der Deutsche Bauernverband bezifferte vor Tagen den Gesamtschaden auf bis zu 60 Millionen Euro.

"Thema für ideologische Angriffe ungeeignet"

Vor allem für länger gesperrte Höfe wird es eng. Ihnen drohten nun unverschuldet existenzielle Notlagen, berichtet WLV-Hauptgeschäftsführer Werner Gehring etwa von einem westfälischen Geflügelbetrieb, bei dem sich die Ausfälle bereits auf 100000 Euro summierten. Nach seiner Einschätzung dürfte in Westfalen "am Ende vielleicht jeder vierte betroffene Betrieb einen deutlich hohen nachweisbaren Schaden verzeichnen." Er geht davon aus, dass die unmittelbaren Schäden über die Haftpflicht der Futtermittel-Hersteller ersetzt werden können. Bei juristischen Auseinandersetzungen werde der Verband den geschädigten Landwirten Hilfestellung geben.

In Westfalen-Lippe waren nach der jüngsten WLV-Bilanz insgesamt 270 Tierbestände - zum Großteil in der Schweinemast (226) betroffen. Ein Großteil der gesperrten Höfe (Stand 12. Januar) ist inzwischen wieder freigegeben. Mit 175 betroffenen Betrieben hat es den Kreis Minden-Lübbecke besonders heftig erwischt. Grund: Zwei Mischfutter-Hersteller aus der Region hatten Chargen mit dem vergifteten Futterfett von dem Lieferanten Harles und Jentzsch bezogen. Insgesamt wurden nach bisherigen Erkenntnissen mehr als 2700 Tonnen des kontaminierten Fettes an 25 Futtermittelhersteller in vier Bundesländern (darunter drei in NRW) geliefert und gelangten von diesen Herstellern in die Betriebe.

Neben der Entschädigungsfrage und dem Schutz der Verbraucher gehe es jetzt vorrangig darum, diese Missbrauchslücke schnell und konsequent zu schließen, betont Möllers. In einem Sieben-Punkte-Katalog, der sich weitgehend mit den Plänen von Ministerin Aigner deckt, fordert der WLV unter anderem eine verpflichtende und ausreichend dimensionierte Produkthaftpflicht-Versicherung bei allen Futtermittelunternehmen als Voraussetzung für eine Konzession.

Vor allem ärgert sich der Bauernpräsident über die reflexartigen Reaktionen von Kritikern der "industriellen Landwirtschaft". Das Thema sei jedoch für "ideologische Angriffe" ungeeignet. Auch der neue grüne NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel ziehe die falschen Schlüsse, beklagt der Bauernpräsident eine Instrumentalisierung des Skandals.

Die Dioxin-Problematik sei keine Frage der Produktionsweise, sondern ein Thema für konventionelle wie ökologische Betriebe. Will heißen: Gegen kriminelle Energie ist kein System gefeit. Möllers: "Es stört uns gewaltig, wenn die konventionelle, arbeitsteilige Agrarwirtschaft als das Übel schlechthin gebrandmarkt wird."

"Für Milchviehalter hat sich Lage beruhigt"

Aber Möllers vermeldet auch gute Nachrichten: So erwartet der Verband im laufenden Wirtschaftsjahr für die noch rund 35000 Betriebe in Westfalen-Lippe (minus drei Prozent) insgesamt bessere Ergebnisse. Bei Milch ("Der Markt hat sich beruhigt") sowie bei Getreide und Rindfleisch stellt sich die Erlössituation deutlich besser dar. "Die Bullenmäster freuen sich dank steigender internationaler Nachfrage über Preise wie lange nicht", berichtet der Präsident. Schweinemäster und Sauenhalter blicken dagegen deutlich pessimistischer in die Zukunft. Vor allem hohe Futtermittelpreise gefährden die Rentabilität.

Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr war der durchschnittliche Gewinn der Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe um rund 16 Prozent auf rund 30000 Euro gesunken, wobei vor allem Milch- und Ackerbauern drastische Einbußen verkraften mussten. Möllers: "Mit einem Anteil von gut 60 Prozent am Ergebnis bleibt die EU-Prämie für die Höfe von überragender Bedeutung."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 14.01.2011 um 21:15:15 Uhr

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Kommentare
Nicht die Landwirte sind die Leidtragenden, sondern wir, die Endverbraucher! Wann werden die Bauern das endlich einsehen!? Ob die ihren eigenen Mist essen, den sie produzieren? Ich glaube nicht!


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