Hintergrund ist eine Familientragödie: Der Angeklagte war ein Kind des Inzestes seines Großvaters mit seiner Mutter. Er wuchs bei seiner Tante auf, die er bis zu seinem 17. Lebensjahr für seine Mama hielt. Seine leibliche Mutter lernte er erstmals kennen, als er schon über 50 Jahre alt war.
Bei einem ersten Treffen zwischen Mutter und Sohn zum gegenseitigen Kennenlernen vergewaltigte der Mann die alte Dame dann mindestens sechs Mal in seiner Wohnung in Burgdorf bei Hannover.
"In den drei Tagen erlebte ihre Mutter ein wahres Martyrium", sagte Richter Peter Peschka zum Angeklagten. Immer wieder verging der Mann sich im Mai 2010 an der wehrlosen Frau. Das Gericht sah es auch als erwiesen an, dass er seiner alten Mutter nichts zu trinken und zu essen gab und sie unter ständiger Kontrolle hielt. Aus Angst, ihr könne noch Schlimmeres passieren, habe sich die Frau nicht gewehrt. Am vierten Tag durfte die alte Dame ihre Tochter anrufen, die sie aus dem Haus des Sohnes befreite.
Seiner Enttäuschung Luft machen
Zu Prozessbeginn hatte der 55-Jährige die Vergewaltigungen gestanden - zu seinem Motiv für die Taten hatte er sich nicht geäußert. Während des gesamten Prozesses saß er still und in sich gekehrt auf der Anklagebank.
Ein psychiatrischer Sachverständiger sagte, der 55-Jährige habe sich jahrelang zurückgesetzt gefühlt. "Hier war das Ventil, seiner Enttäuschung Luft zu machen. Hier bot sich die Möglichkeit, seine sexuellen Fantasien auszuleben."


