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08.02.2012
Tierisches Leiden nimmt immer weiter zu
Veterinärämter in der Region bearbeiten jedes Jahr mehr Fälle von tierschutzwidrigem Verhalten / Halter oft überfordert
VON KATHARINA PAVLUSTYK

Bielefeld (nw). Katzen in einer Wohnung voller Müll, nicht geschorene Schafe, abgemagerte Hunde: Veterinärämter in der Region haben viele Fälle zu bearbeiten. Tendenz steigend.

In schlechter Verfassung: Ein Pferd trottet im teils knöcheltiefen Schlamm umher. Den Veterinärämtern werden immer öfter Fälle auffälliger Tierhaltung gemeldet. Foto (Archiv): Patrick Menzel

In Bielefeld gibt es immer mehr Vorgänge, immer mehr Anzeigen, sagt Veterinärin Julia Friedrich. Gut 140 Fälle sind der Beamtin im vergangenen Jahr gemeldet worden - Anzeigen zu tierschutzwidrigen Umständen oder auffälliger Tierhaltung.

Hinter der abstrakten Formulierung stecken zum Teil erschreckende Geschichten. Die von den Katzen beispielsweise, die aus einer verdreckten Wohnung geholt wurden, die nach Kot und Urin stank. Die von Kühen, die ständig angebunden stehen. Die von abgemagerten Hunden, die in einem erbärmlichen Zustand in einem Zwinger gehalten werden. "Es ist alles dabei", sagt Julia Friedrich.

Von den rund 140 Anzeigen, die 2011 im Veterinäramt Bielefeld eingegangen sind, betreffen etwa 60 Prozent Hunde und Katzen. Um Pferde, Kleintiere und Vögel, landwirtschaftliche Nutztiere, aber auch Exoten geht es bei den restlichen 40 Prozent. "Es nimmt schon zu. Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Vorgänge", bemerkt die Tierärztin, die seit fünf Jahren bei der Bielefelder Behörde arbeitet. Den Negativtrend führt sie zurück auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung: Die wirtschaftliche, persönliche oder berufliche Situation werde ausgeglichen durch Fehlverhalten bei der Tierhaltung - sei es, weil Mittel oder Kenntnisse fehlen oder weil ein böser Wille dahinterstecke.

Fünf solcher Fälle, in denen Halter ihre Tiere aus niederen Beweggründen quälten, hatte das Veterinäramt des Kreises Gütersloh nach Angaben von Inga Bambana von der Pressestelle im vergangenen Jahr zu bearbeiten. Neun Strafverfahren wurden 2011 gegen Tierhalter im Kreis Höxter eingeleitet, sagt Pressesprecherin Silja Polzin.

Für Aufsehen sorgten auch im Kreis Minden-Lübbecke Fälle von Tierquälerei: getötete Schafe in Preußisch-Oldendorf, eine Katze, die in Minden in einem Abfalleimer gefunden wurde, Pferde in Bad Oeynhausen, die in knöcheltiefem Schlamm stehen, ohne Möglichkeit, sich ins Trockene zurückzuziehen (diese Zeitung berichtete). Im Kreis Minden-Lübbecke springen die Zahlen der Vorgänge von Jahr zu Jahr: 126 gab es 2009, sagte Pressesprecher Oliver Roth. 2010 schnellte die Ziffer hoch auf 233 - und nahm 2011 wieder ab. Da waren es "nur" 196 Fälle von tierschutzwidrigem Verhalten.

Im Kreis Paderborn wurden 2011 zwölf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Dabei handelte es sich laut Michaela Pitz von der Pressestelle des Kreises unter anderem um Pferde, die mehr als ein Jahr im Stall stehen mussten und nicht gepflegt wurden. Insgesamt ist im Kreis Paderborn die Zahl der Verstöße gestiegen - von 220 (2010) auf 231 (2011).

Einen Anstieg der Tierschutzfälle stellt auch Tanja Hochstetter vom Veterinäramt des Kreises Herford in ihrem Einzugsbereich fest. 204 Anzeigen gab es insgesamt 2011, fast genauso viele (202) 2010 und 165 im Jahr 2009. Die Gründe für das insgesamt deutliche Plus seien vielfältig: Zum einen scheint die Sensibilität der Bevölkerung für den Tierschutz gestiegen zu sein, so Hochstetter. "Zum anderen beobachten wir, dass viele Tierhalter zunehmend überfordert sind, da sie entweder die Ansprüche der Tiere unterschätzt haben oder aufgrund privater oder finanzieller Schwierigkeiten keine angemessene Versorgung sicherstellen können."

205-mal habe es letztes Jahr bei Tierhaltern im Kreis Lippe Überprüfungen aufgrund von Beschwerden gegeben (257 im Jahr 2010), sagte die Pressesprecherin des Kreises, Anne Helpup. 28-mal wurden 2011 (2010 waren es 15 Fälle) Ordnungswidrigkeiten festgestellt, die ein Bußgeld mit sich brachten. 2011 wurden zwölf (2010: acht) Strafanzeigen gestellt. "Es kommt vermehrt zu Animal Hoarding", stellt Anne Helpup fest.

Dies sieht auch Julia Friedrich vom Veterinäramt Bielefeld so. Deutschlandweit scheine das unkontrollierte Halten und Sammeln von Haustieren ein wachsendes Phänomen zu sein. Ein Fall ist Friedrich noch präsent: Neun Katzen in einer Einzimmerwohnung. Trotz der manchmal schrecklichen Bilder macht die Veterinärin ihre Arbeit sehr gern. "Weil man immer wieder erreicht, dass sich die Situation der Tiere maßgeblich verbessert."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 07.02.2012 um 22:18:54 Uhr

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