Im Kreis Gütersloh hat ein 36-Jähriger seine Frau erstochen / Tochter war offenbar Zeugin
Es war zum Streit gekommen, der Mann sei aber nicht mehr angetroffen worden. Kurze Zeit später kehrte er offenbar zurück.
Die Gewalt in der Familie hat eine Vorgeschichte: Seit dem 31. Januar durfte der Ehemann die Wohnung eigentlich nicht mehr betreten. "Ein Einsatz in einem Fall von häuslicher Gewalt" heißt es im Justiz-Deutsch, wenn die Polizei kommen muss, weil - in der Regel - der Mann zuschlägt. Man habe deshalb gegen ihn am Dienstag ein "Rückkehrverbot" ausgesprochen, berichtete der Leiter der Mordkommission, Ralf Östermann.
An das er sich nicht gehalten hat. Ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge hat der Mann seine Frau, eine gebürtige Syrerin, mit Messerstichen getötet, seine 15-jährige Tochter war offenbar unmittelbar Zeugin der Tat. Entsetzte Nachbarn beobachten, wie das Mädchen gegen 10.30 Uhr schreiend und blutverschmiert aus dem Haus gelaufen kommt. Ruth und Reinhard W., die nebenan wohnen, alarmieren via 110 die Behörden und bringen dem nur leicht bekleideten Mädchen eine Decke. "Es war ja furchtbar kalt", sagt Ruth W.
Unter Tränen berichtet das Mädchen vom Streit zwischen den Eltern und davon, dass der Vater sie weggeschickt habe und dann mit dem Messer auf die Mutter losgegangen sei. Ihre beiden Geschwister sind zur Tatzeit in der Schule. Als kurz darauf die Polizei eintrifft, die auch der Täter schon benachrichtigt hat, lässt sich der 36-Jährige widerstandslos festnehmen. Der Notarzt kann im Haus nur noch den Tod der Ehefrau feststellen.
Wenig später wimmelt es in der Wohnstraße im Wertheraner Ortsteil Theenhausen von Polizeiwagen und Bullis der Spurensicherung, Männer in der typisch weißen "Spusi"-Schutzkleidung und mit blauem Plastik über den Schuhen gehen im Haus ein und aus, fotografieren und vermessen Blutspuren in der Einfahrt.
Die Leiche der Getöteten soll heute obduziert werden, auch der Termin beim Haftrichter ist noch im Laufe des Samstags geplant. Ansonsten geben sich die Ermittlungsbehörden zu Details des Geschehens noch sehr zugeknöpft. Man stehe erst "ganz am Anfang" der Ermittlungen, sagt Staatsanwalt Christoph Mackel. Zu Motiven und genauem Tatablauf will er sich ebenso wenig äußern wie zu der Frage, ob es nur wenige Stunden vor der Tat tatsächlich einen ersten Polizeieinsatz im Haus der Familie gegeben hat. Er habe dazu "keine Erkenntnisse", sagte er auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. Auch dazu, ob die Tochter bei der Tat verletzt wurde - Nachbarn berichten von einer blutenden Hand - gebe es "keine Erkenntnisse".