Maria Weinmann aus Borchen wandert 4200 Kilometer auf Pacific Crest Trail / Schwierige Rückkehr in den Alltag
Temperaturen von sechs Grad unter null bis 38 Grad, Höhenunterschiede von 42 bis 4000 Metern über dem Meeresspiegel. Und auf dem Weg allerhand Krabbeltiere, Klapperschlangen, Bären - für manche Menschen ist das eine Horrorvorstellung. Die Freunde von Maria Weinmann haben gesagt, sie sei sehr mutig. Doch für mutig hält sich die Tierärztin nicht. Weil sie sich gut vorbereitet hat auf ihren Trip auf dem Pacific Crest Trail. Weil sie es nicht abwarten kann loszulaufen, viele Kilometer weit durch die Natur. Und weil sich endlich ihr Traum erfüllt, den sie seit ihrer Wanderung von Paderborn nach Santiago de Compostela im Jahr 2010 hegt.
Sie habe vor diesem Gang auf dem Jakobsweg schon immer ein größeres Stück laufen wollen - egal wohin. Damals kündigte Maria Weinmann ihre Anstellung, löste ihre Wohnung auf und ging einfach los. Erst mal Richtung Frankreich.
Es ist Weinmanns Drang nach Freiheit, nach einem Leben fernab von 08/15 und dem, was für andere Menschen normal ist. Dieser Drang treibt die 38-Jährige an, die zu Hause auf sperrige Möbel, auf Stühle und ein richtiges Bett verzichtet, weil sie nicht in starren Formen denkt.
Sie habe großes Glück, weil sie "das" machen könne, sagt Maria Weinmann. Damit meint sie auch ihre geplante Wanderung auf dem PCT. Anfang April fliegt sie nach San Diego in Südkalifornien. Von dort aus fährt die Borchenerin mit dem Bus nach Campo, dem Startpunkt des Fernwanderwegs. Gut 30 Kilometer plant Maria Weinmann pro Tag zu laufen. Sechs Tage die Woche. Fünf bis fünfeinhalb Monate lang - durch sechs von sieben Ökozonen, die es in den USA gibt.
Hauptsächlich reize sie die Landschaft, sagt die 38-Jährige. Wüstenrandgebiet, mit Schnee bedeckte Berge, Seenlandschaften - und weit und breit keine Siedlung. Klar, es gebe Dinge, die ihr Kopfzerbrechen bereiten: ob sie die mehr als 4200 Kilometer auch tatsächlich schafft; ob sie rechtzeitig zum Ziel kommt, bevor es im Norden zu kalt ist; ob der Proviant zwischen den Orten, in denen sie einkaufen kann, reicht; ob sie ihr Essen an den Schlafplätzen "bärenfest" an Bäumen oder im Kanister verstauen kann. Es seien Herausforderungen, aber keine Dinge der Unmöglichkeit.
Deshalb ist Maria Weinmann gelassen und zuversichtlich, wenn sie von ihrem Vorhaben spricht. Die Grundausrüstung - Zelt, Schlafsack, Iso-Matte - hat die Tierärztin bereits. Einiges muss die 38-Jährige noch erledigen: Synthetikkleidung und Wasserfilter kaufen, ihre Wanderschuhe besohlen lassen, Karten holen fürs GPS-Gerät.
Seit der ersten Wandererfahrung weiß Maria Weinmann, die mit zweitem Namen Elfe heißt und vielleicht deshalb so sehr mit der Natur verbunden ist, dass es schwierig sein wird, nach der Tour in den normalen Alltag hineinzukommen. Schon die Busfahrt von Santiago nach Paderborn sei schlimm gewesen wegen der Reizüberflutung. Wenn das Abenteuer Pacific Crest Trail abgeschlossen ist, bleibt der Freiheitsdrang der 38-Jährigen weiter lebendig. Sie könne sich vorstellen, "das" permanent zu machen. "Das" - dieses simple Wort beinhaltet alles für sie.