Bislang war mit einem Abzugsplan bereits in diesem Jahr gerechnet worden. Der britische Premierminister David Cameron hatte im Oktober 2010 angekündigt, die Hälfte der mehr als 20000 Soldaten in Deutschland bereits bis 2015 abziehen zu wollen, den Rest bis 2020. Ursprünglich war die Räumung der zwölf deutschen Standorte bis 2035 geplant.
Die betroffenen Kommunen befürchten herbe wirtschaftliche Nachteile durch einen Abzug der britischen Armee. Die Zahl der britischen Soldaten und ihrer Angehörigen wird allein in NRW auf rund 30000 geschätzt. Kasernen befinden sich neben Gütersloh und Herford in Bielefeld, Münster, Paderborn und Mönchengladbach-Rheindahlen. Der Abzug der Armee aus Rheindahlen war bereits vor Monaten beschlossen worden und soll bis 2014 erfolgen.
Unterdessen hat der Kreis Gütersloh Berichte bestätigt, wonach die Briten den Truppenübungsplatz in der Senne bei Paderborn künftig umfassender nutzen wollen als bisher. Die britische Armee verwaltet das 115 Quadratkilometer große Gelände seit 1945. In erster Linie werden hier Soldaten auf den Einsatz in Afghanistan vorbereitet. Dazu wurden vier sogenannte Kampfdörfer gebaut. Dort werden Häuserkämpfe trainiert.
Die Baugenehmigung für die umstrittenen Kampfdörfer war allerdings an Bedingungen geknüpft. So sind Übungen in den Kampfdörfern und Hubschrauberflüge oder andere Einsätze nicht gleichzeitig erlaubt. Auch die Zahl der Schüsse, Granaten und Sprengungen pro Tag ist begrenzt. Die umliegenden Gemeinden können nun bis Mitte Juni Stellung nehmen, hieß es beim Kreis Gütersloh, der das Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in Gang gesetzt hat.
Der Sprecher der britischen Armee in Deutschland, Mike Whitehurst, sagte der Nachrichtenagentur DPA, wahrscheinlich würden im Herbst 5000 Soldaten aus Paderborn nach Afghanistan verlegt. Aber auch unabhängig von diesem Termin hätten alle Soldaten ein Recht auf eine bestmögliche Ausbildung. Die Auflagen, die beim Bau der Übungsdörfer erlassen wurden, würden diese Ausbildung behindern. "Aber natürlich haben wir nicht vor, den Truppenübungsplatz künftig an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zu nutzen."


