Origami-Falter Klaus-Dieter Ennen mit 1280 eigenen Modellen international bekannt
Mit allerhand Tieren ist es nicht getan. Unter den geschickten Händen von Klaus-Dieter Ennen entstehen auch venezianische Karnevalsmasken, Weihnachtskrippen mit Figuren, Bonbonieren oder geometrische Körper. In 39 Schritten wird aus einem dünnen Stück Papier ein plastischer Hase. Und auf einen fußballgroßen Kaktus, gefertigt aus mehr als 100 Papieren, verwendet der Frühpensionär gerne schon einmal acht Stunden.
Die Ideen für neue Kreationen sprudeln. "Ich schaue einfach genau hin. Wenn ein toter Ohrenkäfer auf dem Boden liegt, greife ich zu Hause zum Lexikon und gucke mir seinen Körperbau im Detail an." Das Falten kann dauern. Kaum etwas ist komplizierter als Krabbeltiere.
Rund 25 Jahre ist es her, als Klaus-Dieter Ennen im Urlaub ein Buch über die asiatische Faltkunst in die Hände fiel. Dass er die Anleitungen nicht verstand, verärgerte den Bielefelder. Er las sich Wissen an, perfektionierte das Falten und begann, die Figuren aus der Erinnerung nachzubauen. "Das war der entscheidende Schritt zu den ersten eigenen Kreationen 1992. Von da an wollte ich meine Modelle für Dritte nachvollziehbar machen."
Klaus-Dieter Ennen eignete sich das Zeichnen sogenannter Origami-Diagramme an. An einem Tapeziertisch sitzend, bringt er seine Einfälle zu Papier. Weil sein Anspruch "nicht ähnlich, sondern exakt" lautet, ist diese Phase aufwändiger als der eigentliche kreative Prozess. Nur feste Koordinatenpunkte führen zu garantiert identischen Objekten. "Wilde Faltungen" dagegen mag der gebürtige Norderneyer überhaupt nicht.
"Ein Buch zu schreiben, wie mir viele Freunde ans Herz gelegt haben, ist mir aus Kostengründen unmöglich", bedauert Klaus-Dieter Ennen. Stattdessen hat er die Diagramme seiner über 1280 Modelle in 32 Booklets festgehalten, die Origamisten direkt in Bielefeld bestellen.
Auch international wird der 61-Jährige hoch geschätzt. Im Gästebuch seiner Internetseite fachsimpeln Origamisten aus Mainz oder Bremen, aber auch aus Indien, Mexiko und Costa Rica. Ende Juni 2009 hat ein Brasilianer ein neues Origami-Buch mit zwei Fremdbeiträgen veröffentlicht - einem aus Singapur, einem weiteren aus Bielefeld. Bereits im März 1998 war Klaus-Dieter Ennen anlässlich des Jubiläums des französischen Origami-Vereins einer von 23 Künstlern, die im Carrousel du Louvre in Paris ausstellten. Damit stand er als einziger deutscher Origamist in einer Reihe mit Japanern, US-Amerikanern, Briten und Belgiern.
Die Wiege des Origami liegt in Asien. Aus China, dem Land der Papiererzeugung, kam die Papierfalttechnik unter anderem nach Japan. Bedingt durch das sehr teure Material war Origami vorerst nur aristokratischen Kreisen vorbehalten. "Die Samurais putzten ihre Geschenke mit gefalteten Kunstwerken heraus, die dem Empfänger Wohlstand und Glück bringen sollten", berichtet Klaus-Dieter Ennen.
Erst ab 1600 konnten auch andere Bevölkerungsschichten am Papierfalten teilhaben. Die europäische Tradition des Origami ging von Spanien aus, doch auch in Deutschland wurde gefaltet. Friedrich Fröbel, ein Schüler des bekannten Pädagogen Pestalozzi, gründete 1840 den ersten deutschen Kindergarten. Um Feinmotorik und räumliches Denken zu fördern, setzte Fröbel auf Papierfalten. Seine bekanntesten Figuren sind "Himmel und Hölle" und das beliebte Schiffchen.
stehenden Code hier ein*: