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12.05.2012
Weniger Ratsmandate, mehr Verlässlichkeit
Politiker debattieren über Einsparungen in vier- bis siebenstelliger Höhe / Fragezeichen hinter Wirtschaftsbetrieb
VON DIRK HAUNHORST

Porta Westfalica (mt). Der Stadtrat wird verkleinert, die Bezirksausschüsse bleiben erhalten. Das sind zwei Entscheidungen, die die Politiker im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) trafen.

Wird die Betreuung in Kindergärten zum Rechenexempel? Im Gespräch ist eine drastische Erhöhung der Elternbeiträge. Der Fachausschuss diskutiert darüber am 23. Mai. Archiv | foto: dpa

Das Gremium befasst sich in mehreren Etappen mit der Haushaltssanierung. Das Ziel ist die "schwarze Null" im Jahr 2016. Dies ist die Vorgabe des Stärkungspaktes Stadtfinanzen, dem die überschuldete Kommune verpflichtet ist. Haushaltsverbesserung in Höhe von gerundet zehn Millionen Euro sind vonnöten.

Die Politiker verabschiedeten am Mittwoch zahlreiche Sparbeschlüsse einvernehmlich, beispielsweise die Reduzierung der Ratsmandate von 40 auf 38. Das ist die gesetzliche Mindestzahl für eine Kommune in der Größe Porta Westfalicas. Die Verringerung erfolgt mit der Kommunalwahl 2014 und entlastet den Haushalt um jährlich 6000 Euro.

Kontrovers hingegen die Meinungen zu den Bezirksausschüssen. Hier setzte sich die rot-grüne Mehrheit knapp durch. SPD-Fraktionschef Dirk Rahnenführer wertete die Bezirksausschüsse als Einrichtungen "absoluter Basisdemokratie", daran wolle man festhalten. Vertreter von CDU und FDP meinten, es gebe andere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Der Wegfall der sechs Bezirksausschüsse hätte per annum 19 000 Euro eingespart.

Wichtig für die Haushaltssanierung sind verlässliche Einnahmeposten. Die Gewinnabführung der Stadtwerke an den Kernhaushalt soll stabil bei mindestens 600000 Euro pro Jahr liegen. Peter Klenke und Ulrich Prasuhn, beide in der CDU und Freunde kerniger Widerworte, behagen solche Festschreibungen überhaupt nicht. Klenke befürchtet, dass die Stadtwerke GmbH unter Umständen den Wasserpreis erhöhen müsse, um den Geldtransfer zu garantieren. Prasuhn sagte, das sei ja "fast sozialistische Planwirtschaft" und stimmte mit Klenke dagegen.

Die große Ausschussmehrheit sieht in dieser Vorgabe kein Problem und erwartet auch keine Preisanhebungen. Es sei völlig normal, dass die Kommune als Mutter der Stadtwerke gewisse Gewinnerwartungen habe, hieß es.

Mehr Verlässlichkeit verlangen die Politiker in Sachen Kreisumlage. Die soll künftig den aktuellen Betrag in Höhe von 14,4 Millionen nicht übersteigen. Politik und Verwaltung sind sich darüber im Klaren, dass dieser "Beschluss" eher Appellcharakter denn bindende Wirkung hat. Allerdings machten sie deutlich, dass eine Etatsanierung auf Stadtebene nur mit dem Zutun der Umlageverbände gelingen könne.

Die Sparüberlegungen stellen zudem die Existenz des Wirtschaftsbetriebes infrage. Die Politiker erteilten der Verwaltung den Auftrag, die Rückführung in den Kernhaushalt zu prüfen. Der Verlust des Wirtschaftsbetriebs, dem vor allem der kostspielige Straßenbau die Bilanz verhagelt, beträgt 2011 fast 1,6 Millionen Euro, trotz einer Kapitalspritze aus dem Kernhaushalt von rund 4,8 Millionen Euro. Im Fall einer Zusammenlegung von Betrieb und Kernhaushalt sind Einsparungen im Personalbereich möglich, zum Beispiel bei den Posten Finanzbuchhaltung, IT und Wirtschaftsprüfer.

Um den Etat zu sanieren, soll auch an "Hilfen für junge Menschen und ihre Familien" drastisch gespart werden. 2,5 Millionen Euro sind vorgegeben. Der HFA traf noch keine Entscheidung. Zuvor wird sich der Jugendhilfeausschuss mit dem drohenden Aderlass befassen.

Die Diskussion am 23. Mai dürfte schwierig werden. Denn es geht allgemein um die Zukunft des städtischen Jugendamtes und - ganz konkret - um die gravierende Anhebung von Elternbeiträgen für die Kindergarten-Betriebskosten. Im Gespräch ist eine Steigerung von 40 Prozent ab 2013 (siehe Protokoll der Jugendhilfeausschuss-Sitzung vom 30. April unter porta-westfalica.de/sitzungsdienst).

Der Hauptausschuss tagt wieder am 30. Mai. Dann wird auch über eine mögliche Steuererhöhung gesprochen. Denn noch fehlen rund 600000 Euro an der Zielvorgabe für 2016. Sollten alle andere Möglichkeiten ausgeschöpft sein, käme die Anhebung der Grundsteuer B zwangsläufig.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
Dokument erstellt am 11.05.2012 um 23:26:15 Uhr

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Kommentare
Gute Nacht Porta Westafrica!
Wir haben soeben den Tod der "Stadt" beschlossen!
Aber merken tut es leider niemand - zumindest nicht im Rat. Wie weit soll die Kinderunfreundlichkeit denn noch gehen. Porta hat bereits horrend hohe Kindergartensätze die nun nochmal um 40! % angehoben werden sollen. Dazu Abbau von Spielplätzen, willkürliche Schließung von Schulen usw....
Schön dann werden irgendwann keine Kinder mehr die Ruhe im Rentnerparadies Porta stören - vielleicht ist es ja so gewollt.
Wenn mich heute eine Familie fragen würde: "Weißt du ein Haus in Porta oder eine Wohnung ?" würde ich antworten: "Zieh nach Bückeburg, da sind Kinder willkommener!"

@ Aktionär:
im Zusammenhang mit Basel III kämpfen derzeit alle - nicht nur Sparkassen mit der Stärkung ihrer Eigenkaitalbasis. Das gilt nämlich auch für Stadtwerke.
An Gewinnausschüttungen ist derzeit im Bankenbereich nicht zu denken ? Warum wohl ? Weil da weiter "gezockt" wird und alle wegen Basel III mehr Eigenkapital brauchen.
Noch einmal: Gilt für die Stadtsparkasse nicht das gleiche wie für die Stadtwerke ? Wenn schon abführen, dann beide !
Ausserdem steht das so im Gesetz ! Die Stadt hat ein Recht auf einen Anteil am Gewinn !

Das kann man hier nicht einfach mit Basel III wegdiskutieren.
Warum soll daher die Stspk keine Gewinne an die Stadt abführen, die Stadtwerke aber schon ?

@ Nachgedacht: Was hat das denn mit der DDR zu tun? Zielvorgaben und Zielvereinbarungen sind übliche marktwirtschaftliche Instrumente, die man heutzutage in fast allen privatwirtschaftlichen Unternehmen nutzt. Wenn Sie Aktionär eines Unternehmens sind, erwarten Sie in der Regel ebenfalls eine Dividende in einer gewissen Höhe und das ist auch vollkommen legitim.

Und was den Sparkassengewinn betrifft, so gab es im MT am 19.04. einen ausführlichen Bericht. Aufgrund der Anforderungen im Zusammenhang mit Basel III kämpfen derzeit fast alle Kreditinstitute mit der Stärkung ihrer Eigenkaitalbasis. Sicherlich wären Gewinnausschüttungen zugunsten des städtischen Haushalts wünschenswert, daran ist derzeit aber im Bankenbereich nicht zu denken. Ferner unterstützt die Stadtsparkasse bereits mit ihrer Bürgerstiftung lokale Aktivitäten, die sonst möglicherweise auf die Stadt zurückfallen würden.

Zitat: Die Gewinnabführung der Stadtwerke an den Kernhaushalt soll stabil bei mindestens 600000 Euro pro Jahr liegen.
Ich lach mich kaputt ! Wer kommt denn auf so etwas ? Das hat schon in der DDR nicht geklappt - Zielvorgaben für Gewinne von Unternehmen, die dann abzuführen sind. Was soll denn der Blödsinn ?
Das führt dann dazu, dass die Stadtwerke Ihr Eigenkapital nicht stärken können, wenn sie den gesamten Gewinn abführen müssen. Dadurch könnten dann notwendige Investitionen nicht getätigt werden, weil´s bei dünner Kapitaldecke keine Kredite gibt und die Stadt nicht bürgen darf. Dann kann nur der Strom-, Gas- und Wasserpreis erhöht werden. Und wenn dann keiner mehr Strom und Gas von unseren Stadtwerken beziehen will, wird´s eng. Na ja, Wasser ist ja das Gold von Morgen. Wird dann wohl auch so teuer werden...

Stadtsparkassen-Gewinn:
Was ist eigentlich mit dem Gewinn der Stadtsparkasse ? Der geht in die Eigenkapitalrücklage, bleibt also im Betrieb. Gelten die Haushalts-Konsolidierungsregeln nur für die Stadtwerke ? Wenn schon Gewinne abführen, dann doch bitte auch "die gesetzlich möglichen Anteile" an den Stadthaushalt. Hat da schon mal jemand drüber nachgedacht ?
Hier sind sicher ein paar Hunderttausend zu holen. Wenn schon überall gespart werden soll und Gebühren erhöht werden, dann muss auch hier ein Umdenken her !
Liebe Kommunalpolitiker - denkt mal darüber nach !


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