Nach Blockstilllegung bleiben 79 Mitarbeiter übrig / "Für viele niederschmetternd"
Das teilten gestern GKV-Geschäftsführer Jörg Röthemeier und Betriebsratsvorsitzender Rolf Winkler mit. Sie hatten wenige Tage zuvor die Belegschaft über das vorläufige Ergebnis informiert. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite hatten sich in der siebten Verhandlungsrunde am 20. April darauf verständigt, den künftigen Ein-Block-Betrieb mit 79 Stellen weiterzuführen.
Die Stimmung im Kraftwerk ist entsprechend bedrückt, berichtet Winkler. "Für viele war es niederschmetternd, als sie sahen, wie schlank einige Bereiche künftig sind." Bislang wurde lediglich über Funktionen gesprochen, nicht über Namen. Das ist die nächste Hürde in den Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich. Am 30. April werden die Gespräche fortgesetzt. "Was wir hier zurzeit tun müssen, macht einfach keinen Spaß", sagt Röthemeier.
Winkler hofft, einen möglichst großen Teil des Stellenabbaus über Vorruhestandsregelungen auffangen zu können. Dabei helfe der Eon-Tarifvertrag weiter, der auch im Gemeinschaftskraftwerk gelte.
Theoretisch kommen 52 Kraftwerker für den Vorruhestand infrage. In der Praxis werden es aber weniger sein. "Schon deshalb, weil einige von ihnen Schlüsselpositionen besetzen", sagt der Betriebsratsvorsitzende.
Abfindungen und Transfergesellschaft
Deshalb werden einigen Mitarbeitern Abfindungsangebote unterbreitet. Wer davon nicht Gebrauch macht, soll zwei Jahre lang in einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft unterkommen können, anschließend für ein Jahr in einer Transfergesellschaft.
Röthemeier sichert denjenigen, die gehen müssen, Unterstützung zu bei der Suche nach neuen Stellen. "Wir haben gut ausgebildete Mitarbeiter mit langer Berufserfahrung." Er sei zuversichtlich, dass diese Leute wieder Arbeit finden. Auch mithilfe gut funktionierender Netzwerke des GKV.
Wie berichtet, ist von ehemals vier Blöcken ab 2013 nur noch Block 3 in Betrieb (Block 2 und der Gasblock 4 gehen vom Netz). Der harte Wettbewerb setzt dem Kohlekraftwerk stark zu. "Anlagen älterer Bauart habe immense Probleme, sich am Markt zu behaupten", sagt Röthemeier. Der enorme Zuwachs an erneuerbaren Energien dränge konventionelle Erzeuger aus dem Markt.
Winkler hatte nach dem Abschalten zahlreicher Kernkraftwerke auf die Renaissance der Bestandskraftwerke gehofft - vergeblich. "Auch die massiven Stromimporte unter anderem aus Frankreich machen uns einen Strich durch die Rechnung."
Block 3: Revision im Sommer
Der Betriebsrat hätte gern mehr als die 79 Stellen im Kraftwerk gerettet, räumt aber "wirtschaftliche Zwänge" ein. So werden Reparaturarbeiten im Kraftwerk von Fremdfirmen ausgeführt. Dafür eigene Leute abzustellen, lasse sich bei einem Ein-Block-Betrieb ganzjährig einfach nicht darstellen, meint Geschäftsführer Röthemeier.
Zurzeit wird Block II, der Ende des Jahres vom Netz geht, auf die TÜV-Prüfung vorbereitet. Im Block 3 ist im Juni die Revision fällig. Sie soll umfangreicher ausfallen als gewohnt und die Verfügbarkeit verbessern.
Block 3, der eine Betriebsgenehmigung bis 2018 hat, solle weiter betrieben werden, "bei gegebener Wirtschaftlichkeit". Das hatten Aufsichtsrat und Gesellschafter anlässlich einer Protestkundgebung am GKV im vorigen Herbst mitgeteilt.
Wenn 2013 nur noch 79 Männer und Frauen im Kraftwerk tätig sein werden, ist die Belegschaft innerhalb von rund anderthalb Jahrzehnten auf annähernd ein Sechstel geschrumpft: 1996, als noch sämtliche vier Blöcke betrieben wurden, beschäftigte das Kraftwerk 465 Mitarbeiter.