Robert Krumschmidt zieht Bilanz nach einem Jahr als Anerkennungspraktikant der Stadtjugendpflege
Die Hoffnung, nach dem Studium bei der finanziell schwer angeschlagenen Stadt eine Stelle zu bekommen, hat Krumschmidt längst aufgegeben - obwohl er sich bereits als ehrenamtlicher Helfer im Eisberger Jugendtreff Verdienste erworben hatte, ein Mitarbeiter zum Vorzeigen.
Als Anerkennungspraktikant hat er unter anderem ein Jahr lang Treffpunkte abgefahren, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, manchmal auch mit Anwohnern, die sich genervt fühlten.
Um "aufsuchende Jugendarbeit" am Beispiel von Hausberge und Holzhausen geht es auch im Bezirksausschuss für beide Ortsteile. Das Gremium tagt am Donnerstag, 26. April, um 17.30 Uhr im Ratssaal.
Beschäftigt haben Robert Krumschmidt zum Beispiel mehrere Cliquen von Jugendlichen, deren Treff die Holzhauser Grundschule ist. Weil es Beschwerden über Lärm und Müll gegeben hatte, organisierte er einen Info-Abend im Gemeindehaus und machte sich für eine unbürokratische Lösung stark. Seitdem gibt es einen Mülleimer und eine Sitzgelegenheit. Die Stelle gilt sozusagen als befriedet.
"Ich habe nichts mehr gehört, ein gutes Zeichen", sagt Krumschmidt ("Hi, ich bin Robert"), der sich als Bindeglied zwischen der Welt von Erwachsenen und Jugendlichen sieht. Sein Credo: "Wir sollten uns mit gegenseitigem Respekt begegnen. Erwachsene sollten nicht gleich mit Verboten kommen. Man vergisst leicht, dass man in dem Alter auch Mist gebaut hat."
Als Treffpunkt abschreiben mussten Jugendliche einen Unterstand an der Hauptschule Holzhausen, deren Gebäude zurzeit abgerissen werden. Krumschmidt ermuntert die klamme Stadt, "vielleicht ein paar Euro in die Hand zu nehmen und etwas zu bauen". Ein Haus ist damit nicht gemeint.
Hier oder an anderen Stadtteilen könnten sich Vereine und Sponsoren an der Finanzierung beteiligen. Der Sozialpädagoge meint, dass in den Orten angefangen werden muss, etwas zu ändern. Den Naturerlebnisraum für mehrere Generationen, geplant auf dem Spielplatz an der Nammer Laurentiusstraße, nennt er "ein tolles Modell".
Einen intensiven Kontakt hat Krumschmidt in dem einen Jahr zu kirchlichen Jugendtreffs aufgebaut. Weil städtische Einrichtungen nach und nach geschlossen worden sind, bis nur noch das Lerbecker Jugendhaus blieb, ist örtliche Jugendarbeit in die Trägerschaft der Kirche übergegangen. So kam es zur Kooperation zwischen Stadtjugendpflege und Evangelischer Jugend Porta-Süd, verbunden mit diversen gemeinsamen Aktionen wie einer "Après-Ski-Party" im Möllberger Jugendtreff.
Dass in offiziellen Jugendtreffs Regeln herrschen (müssen), mag indes nicht jedermanns Sache sein. Auf die Frage, was die bevorzugte Freizeitbeschäftigung von Jugendlichen ist, antwortet Krumschmidt: "Sie wollen chillen. Daran hat sich nicht viel geändert in den letzten 20 Jahren." Nur, dass es heute anders heißt: Der Duden übersetzt "chillen" mit "sich erholen". Und das ist nicht verboten.