Bückeburg (LZ). Mit einem Warnstreik hat das Personal des Krankenhauses Bethel gestern demonstriert: für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld sowie für ein Streikrecht der Diakoniebeschäftigten. Rund 70 Mitarbeiter gingen von acht bis 13 Uhr auf die Straße.
Angestellte wie Ärzte, die dennoch arbeiteten, mussten ein Trillerpfeifenkonzert über sich ergehen lassen, wenn sie durch den Haupteingang gingen. Gegen 9.30 Uhr zogen die Streikenden durch die Stadt, um die Bevölkerung auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Auch am Landeskirchenamt in der Herderstraße ging es vorbei. Die Fenster blieben geschlossen.
In vier von fünf Operationssälen von Bethel wurde gestern nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht operiert. Die Versorgung der Patienten sei gesichert gewesen, obwohl die Geschäftsführung nicht auf ein Angebot einer Notdienstvereinbarung eingegangen sei, so Gewerkschaftssekretärin Aysun Tutkunkardes.
Auch das Küchenpersonal war draußen. Für die Patienten bedeutet das, dass sie gestern Mittag mit einer Suppe vorlieb nehmen mussten. Obwohl beim ersten Warnstreik der Geschichte des Krankenhauses Bethel am 25. Januar nur knapp 140 Mitarbeiter dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt waren, zeigte sich die Gewerkschaftssekretärin zufrieden: "Derzeit haben wir einen hohen Krankenstand."
Wie beim ersten Warnstreik hatte es auch dieses Mal eine Aufforderung der Geschäftsleitung an die Abteilungsleitung gegeben, Listen über die zu erstellen, die dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt waren.
In einer kurzen Kundgebung vor dem Haupteingang bekräftigten die Gewerkschaftssekretärin und Gabriele Walz vom Gesamtpersonalvorstand der Krankenhäuser des Landkreises die Forderungen der Streikenden. Im April 2011 seien die Verhandlungen im sogenannten Dritten Weg für die rund 30 000 Beschäftigten der Diakonie Niedersachsens ergebnislos beendet worden. Seither gebe es keine Tariferhöhungen, keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder aber des Gesundheitsschutzes. "Seitdem ist im Prinzip Stillstand", so Aysun Tutkunkardes: "Wir fordern sechs Prozent Tariferhöhung, mindestens aber 200 Euro."
"Wir wünschen uns endlich ein vernünftiges Angebot"
Gabriele Walz erinnerte daran, dass bei den Beschäftigten an öffentlichen Krankenhäusern am 1. März die Friedenspflicht ende. Dann werden noch mehr auf die Straße gehen. Ihr seid auf dem richtigen Weg", rief sie den Bethelanern zu: "Wir wünschen uns endlich ein vernünftiges Angebot."
Beifall und Trillerpfeifen für die Aussagen. Ein Pfeifkonzert gab es auch dafür, dass mittlerweile einige Arbeitgeber der Diakonie eigene Angebote vorgelegt haben und - etwa bei den Diakonischen Diensten Hannover - die Mitarbeiter 1,6 Prozent, die Ärzte 2,9 Prozent mehr Lohn erhalten sollen. Was auch gestern die Hannoveraner nicht hinderte, in einen Warnstreik zu treten.
Als "ein Witz, ohne Vertrag" und als "Mogelpackung" bezeichnete die Gewerkschaftssekretärin das Angebot der Arbeitgeber. Ebenso harte Worte fand sie am Rande dafür, dass Beschäftigte der Diakonie nicht streiken dürften. Das Landesarbeitsgericht Hamm habe anders entschieden, Streiks bei der Diakonie seien rechtens. Die Kirche sei in Berufung gegangen, ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes werde im Herbst erwartet. Aber: "Wir lassen uns nicht zu Arbeitnehmern zweiter Klasse machen."
Zeitgleich mit Bethel wurde auch in sieben weiteren diakonischen Einrichtungen in Niedersachsen gestreikt. Am 10. März ist die nächste große Demonstration in Hannover geplant, wenn dort die Landessynode tagt und unter anderem über das Streikrecht berät.