Naturschützer präparieren Horst am Weserbogen / Untermieter gibt es bereits / Erinnerung an "Porti" und "Oeyni"
Dr. Albrecht von Lochow vom Portaner Umweltamt, Friedel Hauptmeier vom Verein Natur und Heimatpflege Porta (NHP) sowie Erwin Mattegiet vom Komitee "Rettet die Weißstörche" haben sich am Dienstagmorgen um die weithin sichtbare Storchenstube gekümmert, gewissermaßen beflügelt von der rasanten Entwicklung der Storchenpopulation im Mühlenkreis.
"34 Storchenpaare im vorigen Jahr mit 65 ausgeflogenen Jungstörchen sind neuer Brutrekord", sagte Erwin Mattegiet beim Ortstermin. Leider habe sich das gesamte Familienleben der Störche ausschließlich jenseits des Wiehen abgespielt und eben nicht in Porta und Bad Oeynhausen. "Wir sind mehr oder weniger Storchenerwartungsland", meinte von Lochow.
Die Portaner und Bad Oeynhausener Storchenschützer müssen bisher von der Erinnerung an die Störche Oeyni und Porti im Jahr 2006 zehren. "Sie schafften nach über 70 Jahren die erste legendäre Brut in Costedt", blickte Mattegiet zurück.
Das Mindener Unternehmen Autorent stellte einen großen Kranwagen samt Fahrer Matthias Franzke zur Verfügung und machte somit die Herrichtung des Nestes erst möglich. Der Start der Aktion wurde durch die Kälte von 16 Minusgraden verzögert. "Diesel und Hydrauliköle müssen erst einmal flüssig gemacht werden und haben noch immer eine Temperatur von minus acht Grad", erklärte Autorent-Ingenieur Bernd Huxhold.
Mit einer Stunde Verspätung wurde der Kranwagen am Fuß des Storchenhorsts in eine sichere Position gebracht, sodass die Arbeiten in luftiger Höhe beginnen konnten. Der Storchenhorst, der auch vom Oeynhausener Weserufer gut zu sehen ist, wurde gereinigt, mit einem schützenden Weiderand umflochten und im Inneren ausgepolstert. Als Nestinhalt brachten von Lochow und Mattegiet eine Mischung aus Reisig, gehäckseltem Stroh, Rindenmulch und Pferdeäpfeln ein. "Das lieben die Störche."
Als i-Tüpfelchen wurde der geflochtene Nestrand mit weißer Binderfarbe bespritzt. Das ist ein Trick von Dr. Alfons Bense, des Storchenvaters der Region. Die weiße Farbe soll ankommenden Adebaren Ausscheidungen vortäuschen und den Störchen signalisieren, dass dieses Nest brauchbar ist und bereits von Artgenossen genutzt wurde.
Untermieter gibt es bereits. Der am Pfahl auf halber Höhe angebrachte Nistkasten für Turmfalken ist ständig belegt. "Wir hoffen inständig, dass sich nicht wieder, so wie in den vergangenen Jahren, Nilgänse in der Storchenbehausung breitmachen", blickten Erwin Mattegiet und Dr. Albrecht von Lochow auf die kommende Storchensaison. Dass Raubtiere wie Marder und Waschbär zu den Vögeln gelangen können, verhindert ein breiter Metallstreifen im unteren Pfahlbereich.
Nach den Nestarbeiten am Großen Weserbogen widmeten sich die Vogelfreunde dem zweiten Costedter Storchenhorst. Das befindet sich am Mittleren See in der Nähe vom Gut Rothenhoff.