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03.02.2012
Keine Kaffeepause oder Andenken beim Kaiser Wilhelm
Denkmalsgaststätte bleibt bis Mitte März geschlossen / Dr. Franke beklagt fehlende Infrastruktur
VON CLAUDIA HYNA

Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Die Sicht ist verhangen, die Außentemperatur beträgt minus 1 Grad, auf den Straßen ist an diesem Samstag wenig los. Typisches Sofawetter. Doch ein Ausflugs- ziel scheint immer zu funktionieren: das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

Erika (r.) und Ernst-Jürgen (M.) Kriklava sowie Dorit Gäbler (l.) hätten gerne einen Kaffee getrunken, doch die Denkmalsgaststätte bleibt bis Mitte März geschlossen. MT- | Fotos: Claudia Hyna

Bereits um halb zwei stehen um die 20 Autos auf dem Parkplatz, eine knappe Stunde später sind es schon mehr als 40 Fahrzeuge. Familien mit Kindern, junge Paare mit und weniger ohne Hund oder Rentner, sie alle gehen die 250 Meter bis zum Denkmal, laufen die Stufen hinauf, machen Fotos und dann geht es zurück zum Auto.

"Ein Kaffee wäre schön", sagt eine Dame mittleren Alters aus Berlin. Sie fährt seit 30 Jahren die Strecke Berlin-Rheine und hat heute zum ersten Mal in Barkhausen einen Zwischenstopp eingelegt. Sie und ihre Freundin sind enttäuscht: Die Denkmalsgaststätte hat in der kalten Jahreszeit nicht geöffnet. Auch eine Postkarte hätten sie gerne gekauft und verschickt, aber auch der Kiosk gegenüber der Gaststätte hat geschlossen. Bis vor zwei Jahren wurde er von den Inhabern der Gaststätte mit betrieben. Ein Leser spricht von einer "touristischen Traurigkeit" und Negativwerbung für die Stadt.

Der Kiosk am Denkmal ist seit zwei Jahren geschlossen.

Das sieht auch Dr. Gerhard Franke, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals so. Er spricht von einem "großen Dilemma". "Es gibt keinen Tag im Jahr, an dem das Denkmal keine Besucher hat, und dann stehen sie vor verschlossenen Türen." Den Gastwirten könne man keinen Vorwurf machen, die würden ihr Möglichstes tun. Es gebe Gespräche, das Gebäude wieder in eine öffentliche Gaststätte zu verwandeln. Ebenso bedauerlich findet er, dass es an Infrastruktur rund um das Denkmal fehle. "Für Kinder wird hier nichts geboten, daher ist die Verweildauer auch gering."

Ein Kaffee wäre schön gewesen

Aus Hildesheim sind Ernst-Jürgen und Erika Kriklava angereist, um die Schwester Dorit Gäbler zu besuchen, die eine Kur in Bad Oeynhausen macht. Auch sie hätten den Ausflug gerne mit einem Cafébesuch verbunden, auch ihnen wird ein Strich durch die Rechnung gemacht.

"Vor zwei Jahren war ich schon mal hier, da war es im Restaurant aber so voll, dass ich keinen Platz bekomme habe", berichtet Ernst-Jürgen Kriklava. Jetzt sieht es für ihn so aus, als ob die Gaststätte für immer geschlossen hätte. Schließlich seien die Speisekarten aus den Halterungen entfernt. Im Inneren liegen jedoch noch Decken auf den Tischen.

1997 hat der Landschaftsverband Westfalen Lippe die Gaststätte an eine Privatperson verkauft. Der Eigentümer hat das alleinige Recht, Gastronomie in jeglicher Form im Bereich des Denkmals anzubieten, heißt es dazu von der Pressestelle der Stadt. Die Inhaber sind bis Mitte März in Urlaub, danach geht der Betrieb wieder weiter, so die Stadtverwaltung.

Geöffnet hat allein die Toilettenanlage. Nachdem es im vergangenen Jahr Beschwerden gegeben hatte, unterstützt der Verein zur Förderung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals den Ganzjahresbetrieb. Bis 31. März sind die Toiletten von 10.30 bis 16 Uhr geöffnet, vom 1. April bis 31. Oktober von 10 bis 20 Uhr ist die Stadt Porta verantwortlich.

Mehr als 100000 Besucher

Zwischen 100000 und 200000 Besucher hat das Kaiser-Wilhelm-Denkmal jährlich. Im Winter ist die Frequenz niedriger als in den anderen Jahreszeiten, ebenso ist an Wochenenden und Feiertagen der Andrang größer als an Werktagen, heißt es von der Pressestelle. An besagtem Samstag kommen die Wagen aus Düren, Steinfurt, Berlin, Osnabrück, Lippe, Göttingen, Bielefeld, viele Autos haben Mindener Kennzeichen, eines kommt sogar aus Schweinfurt. Ein Paar aus Stuhr (bei Bremen) wundert sich zum einen über die geschlossene Gaststätte. Positiv verwundert sind sie auf der anderen Seite über den gebührenfreien Parkplatz. "Das gibt es fast nirgendwo sonst", haben sie festgestellt.

Dass man das Lokal nicht ganzjährig bewirtschaften kann, verstehen sie. "Man könnte aber zumindest einen Teil öffnen oder eine Bude mit Kaffee, Glühwein, Süßigkeiten und vielleicht auch Frikadellen bereitstellen".

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 02.02.2012 um 22:17:12 Uhr

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Kommentare
Prinzipiell gebe ich Ihnen ja Recht,jedoch gehört schon nen bissl mehr dazu,dass Oma Lieschen ihren Kaffee trinken kann.

Neben Pacht, Gemeinkosten,Personalkosten, dem Risiko des Wetters,den Steuern,den Auflagen von Stadt und Gesundheitsamt usw. usf. muss ja dann nur noch ein Pächter gefunden werden,der es hin nimmt,dass dann jede 2. Nacht der Kiosk geknackt wird.

An Frau Franke,

Sie haben absolut Recht!

Ich habe oft Besuch aus anderen Regionen der BRD, die sich freuen, dort zum "Kaiser" hoch zu stapfen, aber mehr als als ein Pils an der Wittekindsburg ist leider nicht zu bieten - sehr schade.

Auch im Sommer würde ich das dort oben nicht gerade als touristisches Highlight betrachten. Leider betrifft das ja irgendwie mehrere touristische Anlaufpunkte unserer "Berge". Zum Fernsehturm braucht man ja inzwischen nicht mehr hochfahren, geschweige denn jemanden hochzuschicken außer man möchte ihm einen hoch gelegenen Parkplatz und ne gammelige Ruine zeigen.
Am Denkmal ist der Kiosk zu, die Wittekindsburg ist zwar noch was los aber der Biergarten ist ungepflegt, niemand hält es offenbar für notwendig die Aussichtsplattform vom Unkraut zu befreuen und die Möbel sind gammelig. Einzig der Wilde Schmied ist echt zu empfehlen - aber eben auch schon ziemlich weit weg.
Schade. Wenn ich mich an meine Kinheit und unsere Schulausflüge dorthin erinnere, dann habe ich da eigentlich ganz tolle Erinnerungen. Kürzlich war ich mit meinem Kind dort oben und erlebte das eher als Albtraum. Traurig das das alles so verkommt und das man sich dem Rest der Welt so präsentiert aber das wird sich ja wahrscheinlich auch nicht mehr ändern da ja nirgendwo mehr Geld ist, Vieleicht kann man ja darauf hoffen das sich die Probleme so lösen wie im Kaiserhof, wer weiß

Wie schaut es aus mit einer Forderung von Bund und Ländern, wenn man den Cafe Standort als Senderstandort für den neuen digitalen BOS-Funk nutzt? Hat sich da mal einer drum gekümmert?
Oder Mobilfunkbezuschussung? Hallo liebe Stadt Porta Westfalica? Ich habe neulich auf NDR2 gehört es ist kaum Geld im Stadtsäckel da, sowas muss man nutzen. Strom liegt ja da oben, und bei der BDBOS anfragen kostet nix :)


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