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02.02.2012
Schulbus nach Ganztag fällt weg
Sandra Büsching startet Unterschriftenaktion / "Rückschritt für berufstätige Eltern"
VON CLAUDIA HYNA

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Sandra Büsching ist empört. Vom 13. Februar an entfällt der Schulbus, der ihren Sohn Philip bisher um 16.30 Uhr nach Hause bringt. Jetzt hat sie eine Unterschriftenaktion gestartet und einen Termin mit dem Bürgermeister vereinbart.

Philip Büsching liebt die Busfahrten zu seiner Grundschule in Hausberge. Demnächst gibt es jedoch keinen Bus mehr, der ihn nach dem Ganztag nach Hause bringt. | MT-Foto: Manfred Otto

190 Kinder besuchen die Grundschule in Hausberge, davon nutzen 92 das Angebot des Offenen Ganztags. 12 Kinder sind von dem Wegfall der Buslinie um 16.30 Uhr in Richtung Lohfeld betroffen, ihre Eltern wurden mit einem Brief der Stadtverwaltung Porta Westfalica über die Regelung informiert. Darin heißt es, dass der Spezialverkehr eine freiwillige Leistung ist, die die Stadt aufgrund der schlechten Finanzlage nicht mehr erbringen darf.

Schulleiterin Silke Meyer berichtet: "Ich wurde von der Verwaltung gefragt, ob der Bus nach der vierten, fünften oder sechsten Stunde wegfallen kann. Das sind aber Pflichtstunden." Sie bedauert, dass der Bus nach dem Ende des Ganztags künftig wegfällt.

Sandra Büsching ist der Meinung: "Bei Kindern darf man nicht sparen. Sie sind unsere Zukunft." Die 34-jährige Hausbergerin hat keine Möglichkeit, ihren Sohn von der Schule abzuholen, da sie bis 16.30 Uhr in Minden arbeitet. Als Alternative nennt die Stadtverwaltung die Buslinie 610, die um 16.51 Uhr an der Schneckenstraße abfährt. "Das ist nicht zumutbar", meint Sandra Büsching.

Die Bushaltestelle befindet sich etwa 200 Meter entfernt oberhalb der Schule. Die Grundschüler müssten eine Straße überqueren und an einer unbedachten Haltestelle - im Winter auch im Dunkeln - 20 Minuten dort warten. Darüber hinaus müssten sie für den Busfahrer den passenden Geldbetrag bereithalten. Ihr Vorschlag, einen kleineren Bus einzusetzen und einen geringen Betrag zu zahlen, wurde von der Verwaltung abgelehnt.

Philip besucht die erste Klasse, ihr Sohn Florian wird 2013 eingeschult. "Mir geht es dabei nicht nur um mein Kind, sondern auch um die Kinder, die in den kommenden Jahren eingeschult werden", sagt die Ergotherapeutin. Daher hat sie einen Elternbrief im Offenen Ganztag und auch in den Kindergärten verteilt. Dort seien verstärkt U3-Plätze ausgebaut worden, eine Betreuung bis 17 Uhr möglich. "Die neue Regelung bedeutet einen Rückschritt für berufstätige Eltern. Und das Projekt Offener Ganztag leidet darunter", sagt sie.

Falls ihre Bemühungen keinen Erfolg haben, zieht die Hausbergerin auch einen Schulwechsel nach Minden in Betracht. Dann könnte sie ihre Kinder nach der Arbeit dort abholen. "Ich hätte aber gekämpft. Man kann doch nicht immer alles hinnehmen."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 01.02.2012 um 22:17:09 Uhr

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Kommentare
Ja, die Stadt Porta muß wohl an allen Ecken sparen. Ich selber habe mir genau diesen Kommentar anhören müssen. Das Engagement der Mutter hat m.E. auch nichts mit übertrieener Fürsorge zu tun. Ich möchte mal wissen, ob die MitarbeiterInnen der betr. Behörde auch dieses ihren eigenen Kindern zumuten würden. Ich selber bin alleinerziehend und in Vollzeit berufstätig.Es lässt sich nicht immer eine Fahrgemeinschaft einrichten. Viele Leute denken eh nur an ihr eigenes Wohl. Meine Konsequenz war die Abmeldung meines Kindes von der Portaner Grundschule und Anmeldung an einer Schule in Minden. Die Hin- und Rückfahrt ist nun in jedem Fall gewährleistet. Die Verantwortlichen, die solche Kosteneinsparungen verabschieden, denken wohl oft nicht über ihren Tellerrand hinaus und gehen vom klassischen Familienbild aus.

Für mich geht die Diskussion nach dem Motto "mehr Eigenverantwortung zeigen" oder "ein Spaziergang an der frischen Luft ist ja so herrlich und schadet keinem" auch in die falsche Richtung. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Stadt PW sparen muss. Und auch, dass niemand möchte, dass es ihn persönlich trifft. Aber gerade bei Kindern sollte man als letztes mit dem Sparen beginnen. Aus den verschiedensten Gründen haben nun mal nicht alle Eltern die Möglichkeit, eine Fahrgemeinschaft zu organisieren. Und wenn wir davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren noch mehrere Grundschulen geschlossen werden, dann ist doch ein vernünftig organisierter Schulbusverkehr das Mindeste, was die Stadt dem entgegensetzen sollte. Auch empfinde ich es als ungerecht, dass die Einstellung des Spezialverkehrs nur Ganztagesschüler trifft. Selbst wenn der offene Ganztag nicht zu den Pflichtstunden zählt, so haben viele Eltern aus beruflichen Gründen keine andere Wahl, als diesen in Anspruch zu nehmen.

Vielen Dank für die Kommentare, aber geht es weder um übertriebene Elternsorge noch um verschieben der Verantwortung auf andere.

Man schüttelt den Kopf über die übertriebene Elternsorge heutzutage, die darauf abzuzielen scheint, die eigenen Interessen gesichert zu sehen und die armen Kinder zweckdienlich vorzuschieben.

Bei Betrachtung des Fotos in Vergrößerung, sehe ich ein Kind, dass eher ob der Fotoaktion genervt sein könnte und den abgewetzten Knien der Hosenbeine und den schmutzigen Schuhen nach zu urteilen, seine Zeit sehr wohl gerne draußen verbringt.

So sie es nicht selbst gelesen hat, stelle jemand, der Frau Büsching persönlich kennt, doch mal dieses Forum zur Verfügung.

@weggezogener: Ihr offener Brief an den Jungen hat mir sehr gefallen… Lust auf ein Date?

"Philip Büsching liebt die Busfahrten zu seiner Grundschule in Hausberge."

Lieber Phillip,
als kleiner Junge wohnte ich am oberen Ende der Hoppenstraße. Am entgegengesetzten Ende dieser recht langen Straße liegt, wie Dir sicherlich bekannt ist, Deine Grundschule. Meine eigene Schullaufbahn begann ebenfalls dort. Auch wenn Deine Mutter das jetzt möglicherweise für sehr bedenklich und vor allem für äußerst verdächtig halten mag: Ich genoss den ca. 2,5 km langen Fußweg dorthin! Das betrachtete man einfach nicht als nennenswerte Distanz.

Wie viele andere Grundschüler brach auch ich, stets noch fast schlafend, meist in der frühen Morgendämmerung auf und erreichte den Dir bekannten Treppenaufgang zur Schule, zumindest im Frühling und Sommer, im hellen Morgenlicht. Entlang der nebeligen Waldsäume, begleitete ein stetig lauter werdendes Vogelkonzert mein eigenes langsames Erwachen und pünktlich zur ersten Unterrichtsstunde hatte mich die erfrischende Kühle des Morgens, manchmal natürlich auch die klamme Feuchtigkeit eines Regenschauers, richtig munter gemacht. Ging der Hinweg noch locker bergab, gestaltete sich der Rückweg nach dem Schulende natürlich ein wenig anstrengender. Dieses "Ausdauertraining" zahlte sich jedoch sportlich aus.

Auch wenn Dir Deine besorgte Mutter jetzt etwas anderes weismachen will: Das war im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts und nicht vor dem letzten großen Weltkrieg!

Natürlich sind heutzutage viele Bäume an der Hoppenstraße, weniger wegen eines Sturmes namens "Kyrill", sondern aufgrund jahrzehntelanger forstwirtschaftlicher Sauwirtschaft, einfach umgefallen, aber es gibt noch ein paar letzte Waldreste und die Vögel zwitschern auch noch ihr Konzert. Der stetig lauernde fremde "böse Onkel", war damals noch viel gefährlicher als heute, denn das Wissen darum, dass es tatsächlich eher der vertraute eigene "liebe Onkel" sein könnte und dieser sicherlich nicht nur in der Dunkelheit zuschlägt, bahnte sich nur langsam und mühevoll einen Weg in die Köpfe von uns weltfremden Dörflern.

Tatsächlich hatte die auf den langen Schulwegen mit sogenannten Tagträumereien "verschwendete" Zeit, keinerlei spürbar negativen Auswirkungen auf meinen späteren Werdegang, schloss ich doch, wie auch viele meiner ehemaligen Mitschüler, ein anspruchsvolles Universitätsstudium erfolgreich ab. Ebenso erlernte ich, sogar gemeinsam mit meinen damaligen Spielgefährten und ohne jeglichen nachmittäglichen Zusatzunterricht, die sichere Beherrschung eines Musikinstrumentes. Bei einigen Fremdsprachen war ich nicht ganz so erfolgreich, aber das lag bestimmt nicht an den langen Fußmärschen meiner Kindheit.

Ich wünsche Dir eine spannende Grundschulzeit in Hausberge und viel frischen Wind um die Nase. - Vertraue darauf, man wird wirklich nicht krank davon und in Minden gesellten sich einige neue Mitschüler zu Dir, auf die Du getrost den Rest Deiner Tage verzichten kannst.



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