Alte Schule soll von der Stadt zu gutem Preis verkauft werden / Schritt mit Nothaushalt begründet
Eigentümer der ehemaligen Schule ist zurzeit noch die Stadt, die den Vereinen seit Jahren Raum für ihre Aktivitäten gewährte. Bestreben der Verwaltung ist es, sich von der Immobilie zu trennen und sie zu einem möglichst hohen Kaufpreis zu veräußern.
Ein Interessent wurde gefunden. Dieser lässt gegenwärtig durch einen Architekten prüfen, inwieweit die alte Schule für seine gewerblichen Zwecke nutzbar ist. Kämmerer Karl-Heinz Kuhlmann bestätigte, dass sich die Verkaufsverhandlungen in einem erfreulich fortgeschrittenen Stadium befinden. "Unterschrieben ist der Kaufvertrag allerdings noch nicht", fügte er hinzu.
Wo der Heimatverein, der Seniorenclub, die Frauengemeinschaft und die Feuerwehr-Oldies im Fall eines Eigentümerwechsels eine Bleibe finden, steht in den Sternen. "Ich befürchte, dass sich die Vereine auflösen", machte sich Helmer Hinrichs Gedanken.
Der Vorsitzende des Seniorenclubs ist Mitglied des Bezirksausschusses und gehört für die SPD-Fraktion dem Ausschuss für Planung, Umweltschutz und Bauwesen an. Seit dem vorigen Jahr bezahle der Seniorenclub eine Gebühr für die Nutzung der Räumlichkeiten, weiß der Vorsitzende. Das habe man angesichts der Zwänge aufgrund der desolaten städtischen Finanzlage akzeptiert.
Ratlos ist er, wenn der gewohnte Treffpunkt demnächst nicht mehr zur Verfügung stehen sollte. "Immer wieder ruft die Verwaltung zu ehrenamtlicher Tätigkeit auf. Hier wird ehrenamtlicher Tätigkeit der Boden entzogen", war auch aus den übrigen betroffenen Vereinen zu hören. Außerdem fehle beim Verkauf der Schule in Costedt das Wahllokal, merkte eine Seniorin an. "Costedter wählen nur in ihrer Schule", war sie sicher.
Bürgermeister Stephan Böhme begründete den angestrebten Verkauf: "Weil wir uns im Nothaushalt befinden, sind wir zu dem Schritt verpflichtet." Den Fortbestand der Vereine stuft er nicht so dramatisch ein wie die Vereine selbst. Andere Gemeinden besäßen auch ein Vereinsleben und die Gruppen hätten eine Bleibe: "Es müssen doch nicht immer alte Schulen sein."
Nur gesamten Komplex verkaufen
Die Möglichkeit, den Schultrakt und das angrenzende Wohnhaus getrennt zu veräußern, sei nicht praktikabel, so der Kämmerer: "Es gibt nur gemeinsame Versorgungsanlagen für die Schule und das angebaute Wohnhaus." Daher müsste der gesamte Komplex an einen Eigentümer gehen.
Die Auflagen des Nothaushalts verpflichten die Verwaltung, einen möglichst hohen Verkaufspreis für das Objekt zu erzielen. Diese Verpflichtung machte den Vorschlag eines heimischen Geschäftsmanns zunichte, mit einer ansehnlichen Spende den vier Vereinen ihre Räumlichkeiten zu erhalten.
Der Plan des Geschäftsmanns bestand darin, einen neuen Verein zur Verwaltung des Gebäudes zu gründen. Über diesen rechtsfähigen Verein wäre seine Spende dann an die Stadt geflossen. Allerdings war die in Aussicht gestellte Spende nur knapp halb so hoch wie der vom Interessenten zu zahlende Kaufpreis.
Sicher kostet ein Gebäude, in dem sich Vereine treffen auch Geld. Nur was könnte eine Stadt leisten und wie sähe unser Gemeinwohl aus ohne Vereine und ihre ehrenmatliche Tätigkeit ?
Ohne das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer - hier mal am Heimatverein festgemacht - die Ihre Tatkraft, den Ideenreichtum und ihre Zeit kostenlos und uneigennützig der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, wäre die Stadt nicht in der Lage, das erbrachte Angabot an Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.
Nur nach den Kosten zu schauen - ohne den Nutzen zu erwähnen - ist unfair und zu einfach ! Der Ruf danach, auch noch etwas bezahlen zu müssen für die Bereitschaft ehrenamtliche Tätigkeit zu leisten passt aber in unsere Neid-Gesellschaft.
Im Ergebnis soll die Stadt also nur noch nehmen und nichts mehr geben - schönes Vorbild für unseren Nachwuchs und ein Schlag in´s Gesicht dem Ehrenamt.