Sechs Wochen nach dem Großbrand beginnen Arbeiten am Kaiserhof / Insolvenzverwalter macht Kaufvertrag rückgängig
Das teilte gestern Nachmittag Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken mit. Knapp sechs Wochen nach dem Großbrand, der das unbewohnte Hotel am 7. Dezember zerstört hatte, zeigte sich Höltershinken zuversichtlich, dass der vertraute Anblick wiederhergestellt werden kann. "Mit Turm, Fachwerk und Gauben."
Das ist auch im Sinne von Elli Vonalt und ihrer Tochter Heike Steinbock, wie diese gegenüber dem MT bekräftigen. Sie hatten vor der Insolvenz Anfang 2011 das Traditionshaus jahrzehntelang geführt.
Den Auftrag für den Wiederaufbau hat der Insolvenzverwalter dem Mindener Architekturbüro Albersmeier erteilt. "Wir werden erst einmal entrümpeln und dann sehen, dass wir das Gebäude dicht bekommen", nannte Jörg Albersmeier die ersten Aufgaben.
Die notwendigen Mittel zum Wiederaufbau stammen aus der Versicherungssumme, mit der Höltershinken rechnet. Zahlen wollte er nicht nennen, MT-Informationen zufolge ist der Kaiserhof mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag versichert.
Das Ergebnis der Brandermittlungen liege offiziell noch nicht vor, stehe aber faktisch fest, sagte der Insolvenzverwalter. Demnach sei das Feuer entweder aufgrund eines technischen Defektes oder aber aufgrund fahrlässiger Brandstiftung ausgebrochen. Von Vorsatz sei nicht auszugehen, da keine Brandbeschleuniger gefunden worden seien.
Das Feuer sei wahrscheinlich an einem Tresen in der Nähe des Durchgangs zum Saal ausgebrochen. "Wer ein Gebäude anzünden will, macht das nicht an dieser Stelle", fasste Höltershinken gestern die Meinung von Experten zusammen, mit denen er in den vergangenen Wochen gesprochen habe.
Höltershinken spricht von "Kasperei"
Unwirksam ist unterdessen der im September unterzeichnete Vertrag mit jenem Käufer, der jedwede Öffentlichkeit mied. Er verkündete zwar, den Kaiserhof nach dessen Insolvenz als Hotel wieder aufbauen zu wollen, zahlte jedoch nicht den geforderten Preis von 360000 Euro. Das gesamte dubiose Prozedere bezeichnete Höltershinken gestern als "Kasperei".
Nachdem mehrere Fristen verstrichen waren, flog der Insolvenzverwalter am 3. Januar in die Schweiz, um von dem Kontrakt mit "Herrn Ramsau-er" zurückzutreten. Ihn selbst bekam Höltershinken auch in Zürich nicht zu Gesicht, erreichte aber immerhin dessen Anwältin.
Es wird wohl ein Rätsel bleiben, warum der Geschäftsmann zwar einen Kaufvertrag unterzeichnete, aber dann den Preis nicht zahlte, was auch nach dem Brand noch möglich gewesen und vermutlich ertragreich gewesen wäre. So hätte sich der große Unbekannte mit der Versicherung auf eine Millionenabfindung einigen und die Kaiserhof-Ruine eventuell ihrem Schicksal überlassen können, lautet ein mögliches Szenario, das hiesige Verantwortliche erschaudern lässt. Doch der Käufer habe die Versicherungspolice gar nicht sehen wollen, berichtet Höltershinken. "Hätte er danach gefragt, hätte ich sie rausgeben müssen."
"Genauso prägend wie das Kaiser-Denkmal"
Neben Insolvenzverwalter und Architekt Albersmeier zeigte sich auch Bürgermeister Stephan Böhme erleichtert darüber, dass das Schicksal des Kaiserhofs nicht in der Schweiz oder andernorts entschieden wird, sondern in Minden und Porta. "Der Kaiserhof ist für das Landschaftsbild der Porta Westfalica genauso prägend wie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal", sagte Böhme.
Die Stadt hat als untere Denkmalbehörde ein Auge auf die Wiedererrichtung des Baudenkmals Kaiserhof. Dabei sei die Bausubstanz so weit wie möglich zu erhalten, lautet eine Vorgabe.
Über den Zeitraum der Bauarbeiten wollte Jörg Albersmeier nicht spekulieren. Der Fortschritt hänge vor allem von den Gesprächen mit Versicherungs-Sachverständigen ab. In jedem Fall erhalte der Kaiserhof, dessen Insolvenz wesentlich von einem erheblichen Investitionsstau verursacht wurde, den notwendigen Brandschutz.
Offen ist, wie das Traditionshaus danach mit Leben gefüllt wird. Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken, der weiterhin die Belange der Gläubiger im Blick haben muss, macht sich darüber keine großen Sorgen. "Nach dem Brand haben sich schon einige Kaufinteressenten gemeldet."
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