In beiden Orten soll 2012 mithilfe von Fördergeldern aufgerüstet werden / Holtrup muss vermutlich länger warten
"Eine vernünftige Datenübertragungsrate ist enorm wichtig", sagt Friedhelm Kollmeier, der sich in der Verwaltung federführend um das Thema Breitbandversorgung kümmert. Zwar betont er, dass schnelles Internet keine kommunale Pflichtaufgabe sei, gleichwohl aber ein wichtiger Standortfaktor. "Das ist mindestens so wichtig wie gute Straßen."
In Porta Westfalica sind die Internetgeschwindigkeiten so unterschiedlich wie die Zuschnitte der einzelnen Dörfer. Auch in den Orten selbst gibt es große Unterschiede, manchmal von einer Straßenseite zur anderen. Beispielsweise gilt Barkhausen beim Internet als gut versorgt - Grund zum Klagen haben dort jedoch die Bewohner des Füllenkamps.
Der offiziellen Sprachregelung zufolge liegt eine Unterversorgung vor, wenn das Tempo unter zwei Megabit pro Sekunde (abgekürzt Mbit/s) liegt. Das ist in Bereichen von Nammen und Wülpke sowie Teilen Holtrups der Fall. Aufgrund der Unterschreitung von zwei Mbit/s kann die Stadt Fördergelder des Bundes beantragen. Das Geld dient dazu, die Telekommunikation-Unternehmen zu motivieren, das Leitungsnetz zu erweitern. Die Anbieter zeigen von sich aus wenig Interesse, kostspielige Glasfaserkabel zu verlegen, was 50000 bis 60000 Euro pro Kilometer kostet.
Dass ohne Fördergelder das Thema Breitband eher auf Schmalspur läuft, bestätigt ein Pressesprecher der Telekom. "Aktuell planen wir keinen Ausbau in Porta Westfalica", sagt André Hofmann. Gelinge es jedoch, mithilfe der Fördergelder die Deckungslücke zu schließen, sei man bereit zu investieren.
Einige Firmen wählen teure separate Lösungen
In Porta Westfalica gebe es große Bereiche, die mit sechs Mbit/s und mehr vergleichsweise ordentlich versorgt seien, sagt Kollmeier. Als Mitarbeiter des Sachgebietes Wirtschaftsförderung hört er aber regelmäßig Klagen von Unternehmen, denen das nicht ausreicht. "25 Megabit pro Sekunde sind heutzutage im gewerblichen Bereich schon gefordert", sagt Kollmeier. Geschwindigkeiten, die deutlich darunter lägen, kämen für manche Firmen einer Katastrophe gleich. Kollmeier berichtet von teuren Sonderlösungen: Unternehmen hätten auf eigene Kosten Leitungen legen lassen, um weiterhin im Geschäft zu bleiben.
Bereits 2010 hatte die Kommune eine Erhebung über die stadtweite Internetversorgung angeschoben. Allerdings meldete sich seinerzeit nur ein Prozent der Haushalte zurück. Im vorigen Jahr dann ein zweiter Versuch, da war der Rücklauf insbesondere aus Nammen und Wülpke hoch. Die unmissverständliche Botschaft: Hier gibt es eine deutliche Unterversorgung.
Das Verfahren ist nun in Gang gekommen. Läuft alles planmäßig, könnte in diesem Jahr ein Anbieter gefunden werden, der dann die Höchstfördersumme von 200000 Euro erhält. "Wir schreiben technologieneutral aus", sagt Kollmeier. So komme beispielsweise mit Long Term Evolution (LTE) auch Funktechnik infrage. Kollmeier rechnet damit, dass sich etwa acht bis zehn Anbieter für den Netzausbau im ländlichen Raum interessieren.
Das Fördergeld stammt aus einem Topf des Landwirtschaftsministeriums. Die Förderquote beträgt 90 Prozent, die Stadt müsste somit zehn Prozent, also maximal 20000 Euro, zuschießen. Die Summe ist im Haushalt eingeplant und steht zur Verfügung.
Unterschiedliche Töpfe, unterschiedliche Chancen
Wünschenswert wäre schnelleres Internet auch in Holtrup. Da hier jedoch der Schwerpunkt auf der Versorgung des Gewerbegebietes liegt (in Nammen und Wülpke wurde hingegen aus den Wohngebieten ein höherer Bedarf gemeldet als aus dem gewerblichen Bereich) kämen ein anderer Fördertopf und für die Stadt höhere Kosten ins Spiel. Für Holtrup stünde Geld aus dem Wirtschaftsministerium zur Verfügung, die Förderquote liegt hier nur bei 60 Prozent, die Stadt müsste also gegebenenfalls 80000 Euro zuschießen - für eine Nothaushaltskommune derzeit zu viel.
Nach und nach werden wohl die meisten weißen Flecken auf der Portaner Internetkarte verschwinden. Für einige abgelegene Bereiche besteht indes wenig Hoffnung auf Besserung. Kollmeier nennt das Hessental in Lohfeld. Hier wäre der Förderaufwand im Vergleich zum erwarteten Nutzen zu groß, antwortete die Bezirksregierung auf eine entsprechende Anfrage.
Zwei Megabit pro Sekunde wären für einige Lohfelder vermutlich ein Traum. "Da gibt es Häuser, die haben nicht einmal hundert Kilobit", sagt Friedhelm Kollmeier. Da könne man auch gleich trommeln.