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31.08.2011
Neun Monate auf Kriegsfuß mit der Uhr
Major Matthias C. bildet Offiziere im Kongo aus / 35-jähriger Möllberger kämpft sich mit dem Jeep durch den Busch
VON NINA KÖNEMANN

Porta Westfalica-Möllbergen (mt). Gelassenheit lässt sich lernen: zum Beispiel auf einer sechs Kilometer langen Fahrt durch Kinshasa, die geschlagene vier Stunden dauert. Oder in einem Besprechungsraum, in dem der Gesprächspartner mehrere Stunden auf sich warten lässt. Im Kongo tickt die Uhr anders, das hat Matthias C. als Erstes gelernt.

Matthias C. (4.v.l.) bei der abendlichen Abschlussbesprechung mit einigen Kollegen im Kongo. | Fotos: pr

Der 35-Jährige ist Major der Luftwaffe und war 2010 für neun Monate im Kongo. "Ein Kulturschock", sagt er, aber auch ein Abenteuer. C. - dessen Name hier auf Wunsch der Bundeswehr nur abgekürzt genannt wird - begegnete übergelaufenen Rebellen, durchquerte Tausende Kilometer Buschland, mit Medikamenten für den Notfall in der Tasche.

Zurzeit genießt der Familienvater gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Frau das normale Leben in der Heimat Möllbergen. Die Koffer sind allerdings schon wieder gepackt: Matthias C. startet im September erneut in Richtung Afrika. "Mit größerem Respekt als beim letzten Mal", sagt er.

November 2009: C. kommt mit 120 Kilogramm Gepäck in der Hauptstadt Kinshasa an. Er ist als militärischer Berater für die EU-Mission Eusec angereist. In seinen Koffern befinden sich Medikamente für fast jeden Notfall. In den nächsten Monaten soll er Offiziere der kongolesischen Armee ausbilden. "Ich hatte viel im Internet gelesen, vorbereitet ist man trotzdem nicht."

Allradantrieb ist die einzige Option

Der Aufenthalt in Afrika hat ihn ruhiger werden lassen. "Am Anfang ist man unfassbar motiviert. Nach einigen Wochen fällt man in ein Loch." Die Arbeit sei eine Motivationsprobe, mitunter demoralisierend. "Man lernt aber auch interessante Menschen kennen und die Landschaft ist ein Traum."

Schon in den ersten Wochen wird dem Major klar, dass im Kongo vieles länger dauert, auch kurze Wege. C. reist mit einem belgischen Kollegen zu den Dörfern, in denen die fünftägigen Ausbildungen stattfinden. "Im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern um Kinshasa gibt es ein paar gepflasterte Straßen", sagt er. Die restliche Infrastruktur bestehe aus Sandpisten, gesäumt von zwei bis drei Meter hohem Gras. Immer wieder unterbrechen Pfützen die Wege. C. kämpft sich im Jeep buchstäblich durch den Busch, 150 Kilometer dauern bis zu zehn Stunden.

"Ich habe fast das ganze Land durchquert", sagt der 35-Jährige. Allradantrieb sei die einzige Option. "Ständig muss man hupen. Im Busch springen die Menschen sonst einfach auf die Straße." Das gesamte Geld für das Seminar hat C. bar in der Tasche. "Da kann einem schon mulmig werden." Immerhin verdient ein Bürger Kongos im Schnitt nur 200 bis 300 Dollar jährlich.

In den Dörfern angekommen lehrt C. Dinge, die für den Europäer banal klingen. "Wir bringen den Offizieren bei, dass sie monatlich Gehälter an ihre Soldaten auszahlen müssen und das Geld nicht willkürlich verteilen. Im Grunde einfache Buchhaltung." Denn wenn die Soldaten ihre Familien nicht ernähren könnten, müssten sie sich das Geld anders beschaffen. Eine Gefahr für die Sicherheit, die Eusec erhöhen soll. Die letzten dokumentierten Verwaltungs-Ausbildungen beim Militär liegen im Kongo mehr als 20 Jahre zurück.

Von Seminar zu Seminar gewöhnt sich der Major nicht nur an die Straßen, sondern auch an die Lebensweise der Kongolesen. "Werden 20 zur Besprechung eingeladen, kommen meistens nur fünf", sagt er. Im Kongo sei man grundsätzlich zu spät: eine Zerreißprobe für deutsche Nerven. Aber er erlebt auch Positives. "Teilweise sind Soldaten 300 Kilometer zu Fuß gegangen, um an der Ausbildung teilzunehmen."

Was ihn nun im Kongo erwartet, weiß der Möllberger nicht. Anweisungen zu seiner Mission bekommt er erst in einem Vorbereitungskurs in einigen Wochen. Dass es wirklich nach Afrika geht, merkt C. dann spätestens in Brüssel: "Wenn ich der einzige Weiße im Flieger bin."

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Fakten - Die EU-Mission Eusec RD Kongo

Die Mission läuft seit 2005. Die EU entsendet seitdem Berater in den Kongo, die die Reform des Sicherheitsapparats voranbringen sollen.

Derzeit sind 50 EU-Abgesandte aus 14 Ländern im Kongo. Das Mandat läuft noch bis September 2012.

Ziel der Mission ist es, die Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Stabilität im Kongo zu verbessern. Dadurch soll langfristig die wirtschaftliche Entwicklung vorangetrieben werden.

Geschult wird unter anderem die Verwaltung, das Militär, es gibt Regierungsberater und Unterstützung bei der Logistik.

(Quelle: www.consilium.europa.eu)

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 30.08.2011 um 21:25:49 Uhr
Letzte Änderung am 31.08.2011 um 02:48:58 Uhr

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