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04.01.2011
Bürgerschaft erhält mehr Mitsprache
Politik stellt Weichen für Bürgerhaushalt 2012 / Konsolidierung der Finanzen soll größeren Rückhalt bekommen
VON DIRK HAUNHORST

Porta Westfalica (mt). Die Haushaltslage in Porta Westfalica ist seit Jahren katastrophal, die Zukunft der Stadt steht auf dem Spiel. Dennoch stoßen die Etatberatungen nur selten auf ein größeres öffentliches Interesse. Die Volksvertreter bleiben im Ratssaal häufig unter sich.

Kopfzerbrechen programmiert: Haushaltsberatungen sind mühsam, erst recht in Zeiten leerer Kassen. Die Politik möchte die Bürger stärker einbeziehen. | Foto: Alex Lehn

Vielleicht ändert sich das demnächst. Denn die Politiker möchten die Bürgerschaft an wichtigen Entscheidungen stärker beteiligen. Auf Initiative von SPD und Bündnisgrünen soll im Haushaltsjahr 2012 ein Bürgerhaushalt eingeführt werden.

Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Dies werde im Laufe dieses Jahres der Politik vorgelegt, teilte gestern Kämmerer Karl-Heinz Kuhlmann mit. Ein Termin stehe noch nicht fest. Grundsätzlich begrüßt der Kämmerer die Idee: "Es ist sicher der richtige Weg, Bürger stärker zu beteiligen."

Der Haushalt 2012 soll nach der Vorstellung von SPD und Grünen unter direkter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, der Verwaltung und der politischen Gremien miteinander erarbeitet werden. Die letzte Entscheidung liegt allerdings beim Rat.

In ihrer Antragsbegründung listet Rot-Grün eine Reihe von Vorteilen auf, die ein Bürgerhaushalt mit sich bringe: "Bürgerschaftliches Interesse am und Verantwortung für das Gemeinwesen werden gestärkt. Die Haushaltskonsolidierung erhält größeren Rückhalt in der Bürgerschaft. Das Vertrauen der Bürger in die Politik wird (wieder) hergestellt."

Zuvorderst die Portaner Grünen hatten im vorigen Jahr für einen Bürgerhaushalt geworben und dabei auf gute Erfahrungen in nahen Kommunen verwiesen. Parteifreunde aus Vlotho warben auf einer Informationsveranstaltung im April für einen Bürgerhaushalt und wiesen auf zahlreiche Initiativen hin, die das Vlothoer Projekt zwischen 2002 und 2005 hervorgebracht habe. So habe beispielsweise das finanziell stark angeschlagene Freibad gerettet werden können und viele Straßen seien saniert worden. Firmensponsoring, Elterninitiativen an Schulen und Patenschaften für öffentliche Grünflächen seien nachhaltige Resultate des Bürgerhaushalts-Projekts, das seinerzeit Bertelsmann-Stiftung und NRW-Innenministerium angestoßen hatten.

"In Zeiten knapper öffentlicher Kassen ist es gut, wenn die Menschen einer Kommune wissen und auch mitbestimmen können, wofür ihre Steuergelder ausgegeben werden", schreiben SPD und Grüne in ihrem Antrag pro Bürgeretat.

Vielleicht wird die Stadt Porta Westfalica eine Internet-Plattform einrichten, auf der die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge unterbreiten können. Damit hat aktuell die Stadt Gütersloh gute Erfahrungen gemacht. 1664 Teilnehmer brachten bis Weihnachten über 300 Vorschläge zum städtischen Haushalt ein und bewerteten sie.

Überstützung von Gemeindeprüfungsanstalt

Bei den Vorschlägen zu Einsparungen und Einnahmeverbesserungen sorgten die Gütersloher durchaus für Überraschungen: Um mehr Geld einzunehmen, würden viele Bürger zuerst den Theaterbesuch verteuern, hieß es Anfang Dezember in einem Zwischenbericht.

Bis zur Einführung eines Bürgerhaushalts wird in Porta noch einige Zeit vergehen. Um die Finanzprobleme einzudämmen, bedient sich die Stadt zurzeit der Hilfe der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) zurück. Die GPA untersucht die Einsparpotenziale in mehreren Bereichen: Bauverwaltung, Baubetriebshof, öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie die Musikschule zählen dazu.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 03.01.2011 um 21:16:11 Uhr

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Kommentare
Alles gut und schön, aber für manche öffentliche Einrichtungen leider zu spät. Bei der Stadt und dem Rat wird immer erst reagiert wenn das Kind im Brunnen liegt. Ich hoffe nur das bei der nächsten öffentlichen Ratssitzung am 07.02.2011 viele Bürger anwesend sind, um das Ausmaß der Miesere live mitzuerleben. Abbau von Arbeitsplätzen und Kürzung von Öffnungszeiten (z.B. Badezentrum Porta). Bald sind in Hausberge und Holzhausen überhaupt keine Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche ausserhalb von Vereinen mehr vorhanden. Vielen Dank an die Politiker der Stadt Porta.

Klingt toll, aber auch ich bin da eher skeptisch. Vorschläge sammeln ist eine Sache, entscheidend ist dann der Umgang damit...
Auf der Internetseite der Stadt Köln findet man folgendes zum Bürgerhaushalt:
"Von den 1.254 Vorschlägen sind 393 Vorschläge zu dem diesjährigen Thema "Umweltschutz" und 396 zum Thema "Schule/Bildung" eingegangen und durch die PRO- und KONTRA-Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewertet worden.

Die jeweils 100 bestbewerteten Vorschläge wurden von der Verwaltung fachlich geprüft und mit einer "Stellungnahme der Verwaltung" versehen und anschließend in den politischen Gremien beraten: Bezirksvertretungen, Fachausschüsse, Finanzausschuss und Rat der Stadt Köln."

Dieses Vorgehen kommt mir sehr bekannt vor. Ähnlich hat es auch bei uns in Sachen Schulentwicklung statt gefunden.

Super-Beispiel für Bürgerbeteiligung ist das Modell Herzebrock-Clarholz.

Link: herzebrock-clarholz.de/Buergerhaushalt/?AspxAutoDetectCookieSupport=1

Das ist ja als wäre schon der 1. April...!!! Porta und Bürgerbeteiligung... - wenn es hier um Beteiligung geht dann sicher nur soweit, dass die Bürger sich die Arbeit machen, recherchieren und Vorschläge erarbeiten, die die Verwaltung dann nutzt um ihre eigenen Ziele noch besser durchzusetzen.
Bei sämtlichen Gesprächen egal mit welcher Fraktion waren die Ohren für die Ideen der Bürger immer sehr gespitzt - tolle Wahlkampfparolen sind daraus entstanden und am Ende - nach der Wahl - wurde doch alles so gemacht wie immer...

Toller Artikel! - Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!!!!

Die Stadt ist bankrott,
Kein Geld mehr zum Gestalten,
Nun sollen die Bürger sich daran beteiligen,
Woran?

Sollen Schlaglöcher verkauft werden?
Dürfen Straßenränder gegen Gebühr gepflegt werden?
Ist jemand an Sozialaktien interessiert?
Nein!

Porta braucht eine Umschuldung und einen Neuanfang!
Danach ist gute Politik gefragt!
Und daran muß man die Bürger beteiligen!
Nicht an einem diffusen Bürgerhaushalt, den der Rat letztendlich ablehnt oder genehmigt.



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