MT-Interview: Warum Geschäftsführer Johannes Großewinkelmann Besucherbergwerk und Museum verlässt
Jetzt macht sich Enttäuschung breit, weil der Geschäftsführer zum 1. April geht - nach nur einem Jahr. Über die Gründe äußert sich Großewinkelmann im MT-Interview.
Herr Dr. Großewinkelmann, noch vor zwei Monaten haben Sie gesagt, Sie seien mit Begeisterung dabei. Jetzt kehren Sie Kleinenbremen den Rücken. Wie kommt das?
Kleinenbremen war für mich keine Zwischenstation. Ich kann verstehen, wenn jetzt Menschen enttäuscht sind. Aber ich möchte fachwissenschaftlich arbeiten. Und in meinem Alter muss man sich fragen, wie lange man so einen Wechsel noch vollziehen kann. Ich bin 49.
Konnten Sie in Kleinenbremen nicht wissenschaftlich arbeiten?
Dazu fehlte häufig die Zeit. Werben, Aktionen starten, Leute hinziehen - all dies stört mich nicht, aber das Verhältnis muss stimmen. Weil wir nur anderthalb Stellen haben, sind wir mit dem Alltagsgeschäft stark beschäftigt.
Wussten Sie vorher nicht, was auf Sie zukommt?
Ich hätte nicht gedacht, dass das Museum vom Konzept so stark veraltet ist. Und im Bergwerk ist konzeptionell und von der Infrastruktur 20 Jahre so gut wie nichts passiert.
Was wurde denn versäumt?
Das Besucherbergwerk hat man 1988 eingerichtet und gleich den Zug verpasst. Es gab keine Vernetzung, und niemand hat in der anfänglichen Euphorie geguckt, was in vergleichbaren Einrichtungen passiert.
Da muss man sich nicht wundern, wenn die Besucherzahl zurückgeht. Anfangs waren es 50 000 Einfahrten jährlich, zuletzt 17 000. Das Bergwerk hat zu lange von der Substanz gelebt.
Und wo hapert´s im Museum für Bergbau und Erdgeschichte?
Als es 1995 eingerichtet wurde, war die Konzeption bereits veraltet. Die geologische Ausstellung ist gar nicht schlecht, die bergbaugeschichtliche eine Katastrophe. Alltag und Familienleben der Bergleute kommen viel zu kurz.
Das Museum ist zumindest ein bisschen vernetzt, aber nicht überregional. Meine Mitarbeiterin Susanne Riedmayer musste das Alltagsgeschäft im Museum jahrelang auf einer halben Stelle allein bewältigen und hat es trotzdem geschafft, eine sehr gute Museumspädagogik aufzubauen. Daraus ist vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit engagierten, teils ehrenamtlichen Mitarbeitern ein beachtenswerter Mitmachbereich mit den Schwerpunkten Schmiede und Präparationswerkstatt hervorgegangen.
Wie könnte die Zukunft aussehen?
Das Bergwerk zieht die Besucher. An dessen Eingang könnte man eine moderne Architektur mit Glasflächen setzen, durch die Gäste in den Steinbruch gucken. Die Ausstellung sollte verkleinert werden und komplett in das neue Gebäude umziehen.
Und das jetzige Museumsgebäude?
Vermieten vielleicht, denn das ist ein Groschengrab. Energietechnisch ist es der Wahnsinn, diese Gebäude zu beheizen. Es müsste immer wieder investiert werden. Da sollte man einen Schnitt machen.
Wohin wechseln Sie eigentlich?
Großewinkelmann: Zum Weltkulturerbe Rammelsberg in Goslar. Das ist ebenfalls ein Museum und Besucherbergwerk, allerdings größer und älter. Dort wurde mehr als 1000 Jahre abgebaut. Ich werde wissenschaftlicher Kurator, zuständig für den Aufbau der Sammlung und die Organisation von Ausstellungen. So kann ich die fachspezifische Seite stärker verwirklichen.
Welche Erfolge verbuchen Sie in Kleinenbremen?
Der Ort ist bekannter geworden, und durch zusätzliche Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt unter Tage haben wir ein Plus von etwa 5000 Besuchern erzielt. Zusammen mit den 17 000 Einfahrten ins Bergwerk sind wir auf 25 000 Gäste gekommen. Der größte Erfolg war aber, dass die Leute mitgezogen haben, sie kamen mit ihren Ideen zu uns. Es wäre schade, wenn diese Euphorie verloren ginge.
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Das fällt mir spontan ein, wenn ich diesen Artikel lese, nachdem ich gerade vorhin von "Härtesten Entscheidungen" zu den portaner Finanzen ins Bild gesetzt wurde. Das Besucherbergwerk gehört da doch auch dazu. Die städtische Beteiligung ist eine sogenannte "freiwillige Leistung". Aus haushalterischer Sicht - überflüssig. Kulturell - egal, wenn man Schulen zumacht und damit Kinder quält, dann ist ein Museum ja schon so etwas von egal - also weg damit. Zumachen. Oder was?