Ganz im Gegenteil, fast könnte man von Erleichterung sprechen. "Wir dürfen sagen, dass der Kreuzweg noch nicht fertig ist", so Gemeindereferent Ulrich Geschwinder - Betonung auf "dürfen". Geschwinder ist "froh, dass der Prozess weitergeht". An den Mosaik-Tafeln für die Stationen arbeiten zurzeit eine Gemeindegruppe sowie ein Religionskurs des Gymnasiums. Die Gesamtschule hat Interesse bekundet.
Anstelle der Mosaike kleben an den Holzpfählen bisher Kopien. Fertig sind darunter angebrachte Tontafeln mit den Namen. Von vornherein sollte das Projekt nach 72 Stunden, der heißen Phase, nicht beendet sein. Zum Abschluss der Aktion haben Gemeinde und Gäste den Kreuzweg am Steilhang hinter der Kirche in Hausberge Sonntagnachmittag erstmals begangen.
Mangelnden Fleiß kann man den mehr als 30 an der Aktion beteiligten Jugendlichen, darunter neun Aktive der Mindener Malteser-Jugend unter der Leitung von Thomas Matschke, wahrlich nicht vorwerfen. Mit Unterstützung vieler Erwachsener haben sie einen Weg angelegt, Stufen gesetzt, Häckselgut zum Verstreuen bergauf transportiert (was ohne Aufzug kaum zu schaffen gewesen wäre), ein großes Holzkreuz aufgestellt und die Stationen vorbereitet. Zuvor waren bei mehreren Arbeitseinsätzen unter anderem Bäume gefällt und Brombeersträucher gelichtet worden. Am Ende fehlte die Zeit.
Aus Kirschbaum wird der Gekreuzigte
Bereits jetzt hat der Kreuzweg einen echten Hingucker: Am höchsten Punkt steht eine hölzerne Skulptur von Carsten Bölts, die aus Sicherheitsgründen schon eine Woche vor der 72-Stunden-Aktion entstanden ist. Eine Esche und ein Kirschbaum waren dort zusammengewachsen. Aus der Kirsche wurde unter Bölts` Händen der gekreuzigte Sohn Gottes, aus der Esche ein Mensch, die Hände vorm Gesicht. Die Querbalken des Kreuzes bilden ein V wie "Viktory", den Sieg Gottes über Verderben und Tod.
Bis zum Jahresende sollen alle 14 Stationen fertig sein. Sie beginnen mit Jesus` Verurteilung und enden mit der Grablegung. Allen Besuchergruppen soll künftig auch eine Begehung des Kreuzwegs angeboten werden, kreisweit übrigens der einzige in freier Natur.
Mit dem Kreuzweg-Projekt hatten die Portaner Katholiken ihren Beitrag zu einer bundesweiten Aktion mit rund 100 000 Teilnehmern geleistet, initiiert vom Bund der deutschen Katholischen Jugend. Genau genommen waren es zwei Projekte. "Den Weg anzulegen war etwas ganz Handfestes", so Geschwinder. "Und dann geht es um eine Form der Frömmigkeit. Etwas Unangenehmes wird angesprochen - das Leiden." Das Vorurteil, junge Leute gehörten zu einer "Spaßgeneration", sieht der Referent damit nicht bestätigt.
Ob Krieg oder Hunger, Krankheit oder Arbeitslosigkeit: Vor der ersten Begehung des Kreuzweges hatte Pfarrer Alfons Runte, Chef des Pastoralverbundes, zum Gebet aufgerufen "für alle Menschen dieser Welt, die auf ihrem eigenen Kreuzweg unterwegs sind".
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