Familienunternehmen Reiter nach Verzehrempfehlung ohne Einnahmen / Aalschocker nur noch für Touristen?
"Ich bin seit 60 Jahren als Aalfischer tätig", blickt Martin Reiter aus Wasserstraße zurück. 1972 ließ er sich den ersten Aalschocker, ein Flussschiff mit Netzauslegern, bauen. "Pro Jahr haben wir bis zu fünf Tonnen Aal aus der Weser geholt", verweist Reiter auf die Lebensgrundlage der Familie.
Der Aalfänger unterhalb des Stauwehrs in Petershagen gehört seit Jahrzehnten zum Stadtbild und ist ein touristischer Anziehungspunkt. MT-Archiv | foto: Vinke
1996 übergab er das Unternehmen an seinen Sohn Manfred. Der ist heute auf der Suche nach einem anderen Einkommen, denn die Netze der Aalfänger sind seit Mai nicht mehr in das Weserwasser gekommen. Kein Aal wurde seither gefangen und somit gab es keine Einnahmen.
"Man lässt uns im Regen stehen", schimpft Edeltraud Reiter und Ehemann Martin ergänzt: "Hier ist das Land Nordrhein-Westfalen endlich gefordert".
Im April hatte das Land Niedersachsen nach der Untersuchung von Flussfischen vor dem Verzehr auch von Aalen wegen möglicher Dioxinbelastung gewarnt. Das Land Nordrhein-Westfalen äußerte sich für seine Flusskilometer bis heute nicht. "Wir haben überall nachgefragt und keine Antworten erhalten", erklärt Edeltraud Reiter.
Auf MT-Anfrage teilte das zuständige NRW-Ministerium jetzt mit, dass, wenn das Ergebnis eigener Untersuchungen vorliege, mit einer ähnlichen Verzehrempfehlung auch aus NRW zu rechnen sei. Ergebnisse lägen spätestens Anfang 2012 vor. Probenahmen habe es Ende September gegeben, weiß Edeltraud Reiter.
Verwiesen wird aus Düsseldorf darauf, dass es kein Fangverbot gebe. Fische dürften weiter in der Weser gefangen werden. Jedoch müsse der Fischer jeden Fisch auf seine Belastung untersuchen, bevor er ihn verkaufe. "Er handelt auf eigene Verantwortung", so Wilhelm Deitermann, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Stelle die Lebensmittelüberwachung fest, dass die Belastung zu hoch sei, dürfe der Aal nicht verkauft werden.
"Diese Vorgabe lässt sich unmöglich umsetzen", meint Martin Reiter und Ehefrau Edeltraud erklärt: "Da wir keine Zuchtaale verkaufen wollten, haben wir den Verkauf eingestellt". Kunden fragten immer wieder nach und müssten nun schon seit Monaten vertröstet werden.
Martin Reiter vermutet hinter der Verzehrempfehlung die Abschaffung der Flussfischerei auf der Weser. "40 Prozent der Aale sollen jährlich zum Laichen die Nordsee erreichen", verweist er auf Vorgaben des Landes. Dies sei bei sieben Staustufen mit Wasserkraftwerken nicht zu erreichen.
Vor zwei Jahren habe er bei einer Untersuchung für das Land festgestellt, dass allein in Schlüsselburg 30 Prozent der gefangenen Aale durch die Turbinen geschädigt waren. Auch würden die Fischanlagen an den Wehren von den Betreibern nicht gepflegt.
Damals sei ihm das Kaufangebot gemacht worden, den Aalschocker in Petershagen für Touristen zu erhalten. "Wir machen die Weser zum Industriegraben", blickt Martin Reiter in eine düstere Zukunft.
Diese hat für das Familienunternehmen schon begonnen. "Wir leben zurzeit vom Ersparten, aber so geht es nicht weiter", berichtet Edeltraud Reiter. Die Kosten für die Schiffe laufen derweil weiter.
Wer glaubt, bei Zuchtaal handele es sich um etwas Gutes für die Natur, sollte sich einmal genau damit befassen. Aale lassen sich NICHT ZÜCHTEN.
Es handelt sich dabei um gefangene Glasaale, die zur "Weieterverarbeitung" gemästet werden.
Punkt.
Die Asiaten sind da wieder führend, und aus Osteuropa kommt der Etikettenschwindel....
Schaut euch mal die MSC-Richtlinien der EDEKA an - dann wisst ihr, warum es dort keinen Aal zu kaufen gibt.....
P.S.: ich esse weder Aal noch bin ich bei der EDEKA.
Für die Fluß-Aalfischer tut es mir leid, ist aber nicht zu ändern. Die Zeiten ändern sich. Schuster und Böttcher z.B. gibt es auch so gut wie nicht mehr...